KSC-Trainer Tomas Oral hält den VfB für einen Gegner „von hoher Qualität“. Foto: dpa

KSC-Trainer Tomas Oral kämpft vor dem brisanten Derby am Sonntag um 13.30 Uhr gegen den VfB in Karlsruhe noch mit dem Umbruch in der Mannschaft. Dieser wird noch ein bisschen Zeit in Anspruch nehmen.

Karlsruhe - Tomas Oral sagt, er freue sich auf ein richtig interessantes Fußballspiel gegen einen „Gegner mit hoher Qualität“, in dem seine Mannschaft zeigen solle, wer zu Hause spiele. Karlsruhe gegen Stuttgart – in diesem Zweitligaderby zwischen Badenern und Schwaben liegt so viel Brisanz, dass der Trainer des Karlsruher SC den Fokus bei seiner Mannschaft total auf den Sport legt. Ein Sieg in diesem wichtigen Spiel würde den KSC (elf Punkte aus zehn Spielen) weiter ins Mittelfeld katapultieren und auch dem Trainer mehr ­Akzeptanz verschaffen. Eine Niederlage könnte die Stimmung aber schon wieder verschlechtern, wobei sich die Elf nach dem 2:0-Sieg zuletzt bei den Würzburger Kickers auf einem guten Weg wähnt.

Seit diesem Sommer ist Oral Trainer beim KSC, Vorgänger Markus Kauczinski wechselte nach gescheiterten Verhandlungen mit der KSC-Präsidium nach vier Jahren als Cheftrainer zum FC Ingolstadt in die Bundesliga. Dass Sportdirektor Jens Todt nach langem Auswahlverfahren schließlich den 43 Jahre alten Oral als Nachfolger präsentierte, empfanden viele als Überraschung. Zu Beginn seiner Trainerlaufbahn coachte er den FSV Frankfurt in die zweite Liga, trainierte dann RB Leipzig und den FC Ingolstadt und assistierte Felix Magath bei Fulham in England, bevor er in der letzten Saison kurz vor Saisonende beim FSV Frankfurt entlassen wurde. Noch ein Jahr zuvor hatte der Unterfranke den FSV vor dem Abstieg gerettet und musste dann – zwölf Monate später – gehen, obwohl die Elf nicht auf einem Abstiegsplatz stand. Der FSV stieg letztlich ab.

Beim KSC gab es bereits „Trainer raus“-Rufe

In Karlsruhe ist Oral nicht mit offenen Armen empfangen worden, das hat er ­gemerkt, als schon am siebten Spieltag „Trainer raus“-Rufe durchs Stadion schallten. Der KSC war bis dahin sieglos, und als Oral im Spiel gegen Aue beim Stand von 0:0 nach 70 Minuten Stürmer Dimitrios Diamantakos auswechselte und dafür den Angreifer Erwin Hoffer auf den Platz schickte, war der Unmut der Fans extrem. Aber Hoffer schoss fünf Minuten später den Führungstreffer, der KSC gewann am Ende 2:0. Die Enttäuschung der Fans zu diesem Zeitpunkt habe ihn nicht überrascht, erklärt Oral: „Aber natürlich wäre es besser gewesen, so etwas nach und nicht während des Spiels zu artikulieren.“ Der Sportdirektor Todt hingegen findet es schon „überraschend, wie wenig Kredit der Trainer“ habe: „Tomas macht eine Toparbeit und hat eine faire Chance verdient.“

Der Spieleretat des KSC von rund neun Millionen Euro bedeutet nach wie vor Mittelmaß in Liga zwei. Dass der Club vor zwei Jahren erst in der Relegation gegen Hamburg am Aufstieg gescheitert war, trieb die Erwartungen ungesund nach oben. Spielt die Mannschaft in dieser „sehr ausgeglichenen Liga“ (Oral) nicht an ihrem Leistungslimit, tut sie sich – wie fast alle Teams – schwer zu gewinnen und Tore zu erzielen (nur sieben bisher). Allerdings sind die Karlsruher auch unter Oral schwer zu bezwingen, nur wenige Mannschaften haben weniger Gegentore kassiert (elf). Oral sieht sich und seine Spieler mitten in einem „Entwicklungsprozess“, der Zeit benötige.

Manager Todt glaubt an die Mentalität der Mannschaft

Es stimmt ja auch: Der Umbruch war groß im Sommer, etablierte Kräfte verließen den Verein, darunter die Innenverteidiger Gordon (Sandhausen) und Gulde sowie Meffert (beide Freiburg), viele neue Profis kamen – mitunter auch spät in der Vorbereitung. „Die Mentalität stimmt in der Truppe“, glaubt Todt. Aber er weiß auch, dass Ergebnisse in Derbys gegen den VfB eher nicht rational bewertet werden – egal ob sie negativ oder positiv ausfallen.