Es war ein Ereignis, das ein ganzes Dorf bewegte: Heute vor 70 Jahren erhielt Kappel neue Glocken, nachdem die alten zuvor im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren.
Das Jahr 1955 wurde für die Pfarrgemeinde Kappel zu einem Jahr der Dankbarkeit und eines festlichen Neubeginns. Am Hochfest der Heiligen Drei Könige, 6. Januar 1955, segnete die Gemeinde in einer Zeremonie das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und mit großer Hingabe wiederaufgebaute Pfarrhaus und übergab es feierlich seiner Bestimmung. Nach Jahren der Entbehrung erfüllten der Duft frischer Mauern und der Klang gemeinsamer Gebete das erneuerte Haus mit Leben.
Ein weiterer Höhepunkt folgte kurz vor Weihnachten: Am 23. Dezember 1955 wurden die fünf neuen Glocken von einer Glockengießerei aus Heidelberg nach Kappel geliefert. Dort lud man sie auf zwei pferdegezogene, festlich geschmückte Wagen um. In den frühen Morgenstunden des Heiligenabends setzte sich ein feierlicher Triumphzug durch die Straßen des Dorfes in Bewegung. Voran fuhr eine Ehreneskorte aus geschmückten Motorrädern und Fahrrädern.
Die gesamte Bevölkerung – von den Jüngsten bis zu den Ältesten – nahm geschlossen an diesem bewegenden Ereignis in Kappel teil. Anschließend wurden die Glocken zur Segnung im Chorraum der Kirche aufgehängt.
Zum ersten Mal waren die Glocken am 13. Januar 1956 zu hören
Ein weiterer bedeutender Festtag folgte am Stephanstag, 26. Dezember 1955. In der ehrwürdigen Pfarrkirche St. Cyprian und Justina erfüllte festliche Musik den Chorraum, als sich die Gemeinde zu einem feierlichen Gottesdienst versammelte. In diesem Rahmen weihten Dekan Dauss sowie Pfarrverweser Heinrich Beiser gemeinsam mit Pfarrer Wilhelm Keller aus Grafenhausen die fünf neuen Glocken, ehe sie später in den Turm eingebracht wurden.
Ein Pressebericht vom 20. Januar 1956 hielt einen besonderen Moment fest: Als am Freitag, 13. Januar, gegen 6 Uhr abends erstmals das volle Geläut elektrisch in Gang gesetzt wurde, zeigte sich die Bevölkerung tief erfreut über das feine Zusammenspiel der fünf Glocken. Ihr Klang erhob sich wie ein Zeichen der Hoffnung über die Dächer des Dorfes – ein bewegender Augenblick für eine Gemeinde, die nur ein Jahrzehnt zuvor noch in Schutt und Asche gelegen hatte.
Auch eine Kirchturmuhr wurde angeschafft
Die Kirchturmuhr wurde von der politischen Gemeinde finanziert. Wenige Tage nach dem ersten Läuten fanden auch die Zifferblätter ihren Platz am Turm. Ein früher Wintereinbruch verzögerte jedoch die Arbeiten, so dass das Werk erst am 23. Februar 1956 vollendet werden konnte. Damit erhielt das äußere Erscheinungsbild der Kirche endgültig seine heutige Gestalt.
Obwohl Kappel wenige Monate vor Kriegsende zu drei Vierteln zerstört worden war, zeigte sich der unerschütterliche Zusammenhalt seiner Bewohner. Mit großem Opfergeist und tiefem Glauben unterstützten sie den Wiederaufbau ihres Gotteshauses. Auf Grundlage der Entwürfe des Freiburger Architekten Gregor Schroeder wurde bereits im September 1946 mit den Arbeiten begonnen. Eine zentrale Rolle übernahm dabei Pfarrer Heinrich Beiser, der 1947 in die Pfarrei kam und mit großer Entschlossenheit den Wiederaufbau leitete.
Bis Februar 1942 trugen vier Bronzeglocken den Klang des Gebets über das Dorf. Drei von ihnen wurden im Krieg beschlagnahmt. Die vierte – eine Glocke aus dem Jahr 1882 – zerbrach beim Einsturz des Turmes am 14. Februar 1945. Bald wuchs der Wunsch, die Kirche wieder mit einem Geläut auszustatten. Doch das erwies sich als schwierig. Wiederholt wurden Anträge aus Freiburg verzögert oder abgelehnt.
Bürger sammelten Geld für neue Kirchenglocken
Dennoch sammelte die Gemeinde unermüdlich weiter. 2292 Reichsmark kamen aus der Bevölkerung zusammen und weitere 15 373 Reichsmark aus Theateraufführungen der Jungfrauenkongregation – ein eindrucksvolles Zeugnis gelebten Glaubens und großer Gemeinschaftsleistung. Für das notwendige Glockenmaterial reichten diese Mittel jedoch zunächst nicht aus.
Erst im Jahr 1955 führte ein erneuter Antrag zum Erfolg. Ein Glockenausschuss aus Ortsgeistlichen, Gemeinderäten und Mitgliedern des Stiftungsrates entschied sich für ein neues fünfstimmiges Bronzegeläut. Zusätzlich zu Haussammlungen und einem Gartenfest stiftete die politische Gemeinde den Glockenstuhl samt Turmuhr. Schließlich genehmigte der Generalvikar die Anschaffung der fünf Bronzeglocken, einer elektrischen Läuteanlage sowie des eichenen Glockenstuhls zum Gesamtpreis von 27 800 D-Mark.
Wenn zu den Weihnachtsfeiertagen die Glocken von St. Cyprian und Justina erklingen, erinnern sie an den Mut, den Glauben und die Opferbereitschaft einer ganzen Generation. Besonders lebendig bleibt das Andenken an Pfarrer Heinrich Beiser, der für seine Gemeinde viel geleistet hat. Die Kirche selbst wurde im Jahr 1968 offiziell als bleibendes Zeugnis des Wiederaufbaus und als Herz einer lebendigen Pfarrgemeinde geweiht.
Info – Ausstellung in der Kirche
Der Arbeitskreis Historie hat anlässlich der denkwürdigen Glockenweihe eine Ausstellung mit Zeitungsberichten und historischen Bildern zusammengestellt. Diese kann über die Weihnachtsfeiertage bis einschließlich Dreikönig, 6. Januar, im hinteren Bereich der Kirche besichtigt werden.