1971 wurde das Hinweisschild nach Ettenheim von den Narren in „Altdorf-Süd“ umgeschrieben. Foto: Archiv

Vor 50 Jahren wurde Altdorf nach Ettenheim eingemeindet – ein Schritt, der auch bei den Altdorfer Narren damals nicht nur auf Begeisterung stieß. Die Eingemeindung wurde immer wieder bei Brauchtumsabenden und in spitzen Liedtexten thematisiert.

„Waaas? Nach Äddene? Des will doch kei Sau!“ Was die Gemeindereform vor einem halben Jahrhundert (auch) mit Altdorf vorhatte, das ist auch im 50. Jahr der Eingemeindung noch nachhaltig in Erinnerung und war für die Narren, vor allem für die Sendewelle aus Beisrol (Bezeichnung der Ettenheimer für Altdorf), ein paar Jahre lang ein „gefundenes Fressen“ bei ihren Brauchtumsabenden in der Münchgrund-Halle. Und das mit der verweigernden Sau, das konnten sie schon 1972 „leibhaftig“ belegen. (Dazu unten mehr.)

 

Belegt ist alles im „Fasend-Archiv“ von Bernhard von den „Schwobesepplis“, die Jahr für Jahr in der fünften Jahreszeit die Geschehnisse in Altdorf – und eben auch andernorts – musikalisch auf die Schippe nahmen.

Zur Melodie des Gefangenenchors aus Verdis Nabucco besangen sie, wovon die Altdorfer auch in den vier andern Jahreszeiten überzeugt waren: „Warum will uns denn Ettenheim holen? Sie sind scharf auf unsere Kohlen“ – eine These, die sie schon 1971 besungen hatten. Und zur Melodie „Over in the Gloryland“ machten sie 1973 klar: „Wir sind gern für uns allein – Mr welle nit nach Ettenheim“.

„kei Sau – die war scheinbar viel zu schlau“

Vergleichbar den kommunalpolitischen Annäherungsversuchen jener Jahre trafen sich 1972 die damaligen Obernarren aus den beiden Nachbargemeinden – „dr Schorle“ und „dr Susi“ von den „Muckedatschern“ mit Gefolge Waldemar, Rudi und Fred mit ihrem Sendewelle-Gefolge bei Liesel und Leo zum Kellerschwur, um „das bislang düstere Verhältnis zwischen den beiden Zünften zu durchleuchten und zu erhellen“.

Pauls Sau indes hatte davon wohl noch nichts mitbekommen und war von einer „Brünnelinsgraben-Einigkeit“ noch weit entfernt, wie die „Schwobesepplis“ 1972 auf den Brettern, die für die Altdorfer Narren die Welt bedeute(te)n, zu den Melodien von „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Sag mir, wo die Blumen sind“, musikalisch zu berichten wussten. Paul aus der Steinröhre wollte nämlich auf seinem Anhänger seine fette Sau zum Metzger nach Äddene fahren. In Ettenheim angekommen, stellte er erschüttert fest: auf seinem Hänger „kei Sau – die war scheinbar viel zu schlau“. Zurück also in Richtung Schmiedebuck in Altdorf. „Kei lang’s Überlege, die Sau mueß her – wenn sie nur scho wiedr g’funde wär!“

Ortsschild umgeschrieben zu „Altdorf-Süd“

Doch dann seine Erleichterung: „Grad vor dr Grenz, uff Altdorfer Sitt, sie het nit driber welle, ihr liewi Litt.“ Und die „Schwobeseppli“-Sänger fragen: „S’isch mr ä Rätsel, wer kann mir’s verzelle, warum nit ämol au Sau uff Äddene het welle.“ Auch als es dann soweit war mit der vollzogenen Eingemeindung ist der närrische Schmerz noch lange nicht verwunden. Zur Melodie von den zwei Königskindern sangen die Narren – man weiß ja: Kinder und Narren sagen die Wahrheit – „Wir sind jetzt des Königs Kinder (König hieß der Ettenheimer Bürgermeister) und haben einander noch nicht lieb, die Hochzeit wurde erzwungen, nichts anderes uns übrig blieb. Wir müssen zusammen leben, ob wir wollen oder nicht. Lasst uns nach Frieden streben! Ihr Äddemer, tut eure Pflicht.“

Äddene? Immerhin brachten sie nun das über die Lippen! Denn schon 1971 hatte man in Beisrol das Hinweisschild in die Rohanstadt in „Altdorf-Süd“ umgeschrieben.

Die Spitznamen

„Schawängler“ nennen die Altdorfer die Ettenheimer deswegen, weil es da Familien mit dem Namen „Chavoen“ gab. Weil sich die „Chavoens“ „Schawang“ aussprachen, waren die Ettenheimer im Nachbarort die „Schawängler“. „Beisroler“ ist die Bezeichnung der Ettenheimer für die Altdorfer. Erstere nahmen die Tatsache, dass Altdorf im 19. Jahrhundert die zweitgrößte jüdische Gemeinde im Landkreis Lahr war als Grundlage für den Spitznamen. „Beit Israel“ ist mit „Haus Israel“ zu übersetzen. So waren sie bei den Ettenheimern die „Beisroler“.