Ein Foto der Meistermannschaft von 1996 hängt heute noch im Althengstetter Sportheim. Foto: Jürgen Renner

Vor 30 Jahren wurde der SV Althengstett Meister der Fußball-Kreisliga B. Ein Spielertrainer aus Deufringen sorgte für den Aufschwung.

Anfang der 1990er-Jahre lag der Althengstetter Fußball am Boden. Nach dem unglücklichem Abstieg aus der Kreisliga A 1993 als Letzter – der Tabellenfünfte hatte gerade einmal fünf Punkte mehr – bekam der SVA in der Kreisliga B wenig zustande und wurde Vorletzter, nachdem viele arrivierte Kräfte aufgehört hatten.

 

Im Sommer 1994 sollte es wieder aufwärts gehen. Mit dem Deufringer Uwe Flörchinger kam vom VfL Sindelfingen ein Spielertrainer mit Verbands- und sogar Oberliga-Erfahrung. „Ich war immer wieder verletzt, die Belastung in den höheren Ligen war enorm. Deshalb wollte ich im Alter von 30 Jahren etwas kürzer treten“, sagt der heute 59-Jährige, der sich nicht mehr daran erinnern kann, wie der Kontakt nach Althengstett zustande kam.

100 Tore geschossen – und trotzdem nicht Meister

Hinzu gesellte sich Stefan Gerlach vom Bezirksligisten SV Magstadt, der später auch SVA-Trainer werden sollte. Mit diesen beiden Neuzugängen spielten die Althengstetter gleich um die Meisterschaft mit. Aber die 100 erzielten Tore halfen nichts, weil der TSV Simmozheim zwei Punkte besser war. Aber es gab noch eine Chance durch das Hintertürchen. In der eben eingeführten Relegation trafen die Althengstetter in Gültlingen auf den SV Affstätt, zogen aber mit 0:2 nach Verlängerung den Kürzeren. „Wenn wir gewonnen hätten, dann wäre es gegen den FSV Deufringen gegangen. Von daher war mir das Ausscheiden ganz recht“, hätten in Flörchingers Brust zwei Herzen geschlagen.

Keine einzige Niederlage in der Saison 1995/96

Nichts war es mit dem ersehnten Aufstieg, doch Versäumtes wurde in der Saison 1995/96 nachgeholt. Ohne eine einzige Niederlage und mit 129 geschossenen Toren in 24 Partien wurde der SV Althengstett mit sieben Punkten Vorsprung vor dem SV Gültlingen Meister der Staffel 2 der Kreisliga B des alten Bezirks Böblingen/Calw. Neben 20 Siegen, darunter drei zweistellige gegen Zrinski Calw (11:0), beim SV Bad Liebenzell (11:1) und SV Würzbach (10:0), gab es vier Unentschieden. Eine Nullnummer zu Hause gegen den SV Gültlingen, ein 1:1 gegen den Dritten TSV Neuhengstett sowie auswärts ein 1:1 beim VfR Hirsau/Ernstmühl und das gleiche Ergebnis beim Vorletzten Grün-Weiß Ottenbronn – mehr Punktverluste gab es nicht. „Wir hatten eine Super-Mannschaft mit 18 Leuten“, erinnert sich Flörchinger. „Auch das Umfeld hat gepasst. Alles andere als die Meisterschaft wäre eine Enttäuschung gewesen.“ Für das i-Tüpfelchen sorgte in der Saison 1995/96 die Reserve, welche ebenfalls einen Wimpel holte. 107 Tore wurde in 22 Spielen erzielt, einziger Makel: Sie kassierte eine Niederlage.

2001 folgte sogar der Aufstieg in die Landesliga

Zurück zur ersten Mannschaft: Als Aufsteiger spielte der SV Althengstett, inzwischen mit Markus Widmayer als Trainer, weil Flörchinger ein Haus baute und nur noch als Spieler zur Verfügung stand, eine gute Rolle und wurde gleich Vierter. Ein Jahr später folgte Rang zwei – blöderweise wurde erst in der darauffolgenden Saison die Relegation in die Bezirksliga eingeführt - und im dritten Jahr die Meisterschaft mit nur einer Niederlage (0:1 beim SV Gültlingen). Der Weg führte im Jahr 2001 sogar in die Landesliga.

Der SV Gültlingen verfolgte Flörchinger weiterhin. Dort wurde er später wie auch beim VfL Nagold Trainer. Beim Letzterem war damals Karl Gauß Torwarttrainer, unter ihm hatte Flörchinger in Deufringen sein erstes Aktivenspiel bestritten. Bei seinem Heimatverein war er auch noch Coach, ehe er dem Fußball Lebewohl sagte. Seit einigen Jahren spielt er stattdessen Tennis.

Inzwischen kickt der SV Althengstett in der Bezirksliga Nordschwarzwald und belegt einen soliden zehnten Platz. Frei von Abstiegssorgen ist er nicht. Aber eines ist sicher: Die Zeiten in der Sicherheitsliga wie vor 30 Jahren sind längst vorbei.