Rothirsche – hier ist eine Hirschkuh ins Visier einer Wildkamera bei Sasbach geraten – gibt es in der Ortenau nur auf sehr kleiner Fläche im nördlichen Kreis. Foto: Landratsamt

Elch Erwins Schwarzwald-Ausflug hat für Begeisterung gesorgt. Die hiesige Fauna hat aber generell viel zu bieten, weiß Experte Maximilian Lang – und präsentiert Überraschendes

Großraubtiere, imposante Pflanzenfresser oder schlaue Großnager: „Wir haben im Ortenaukreis so ziemlich alles an Wildtieren, was in Baden-Württemberg vorkommt“, erklärt Maximilian Lang, Wildtierbeauftragter des Kreises. Im Gespräch nimmt er unsere Redaktion mit auf einen Streifzug durch die Ortenauer Fauna.

 

Wölfe auf Besuch: Zwei Tiere überqueren immer wieder die Kreisgrenzen. „Sie sind eher im Landkreis Rastatt unterwegs: einer in der Gegend um Forbach, der andere an der Hornisgrinde“, weiß Lang. Beide waren schon auf Fotos von Wildtierkameras im Kreis zu sehen. „Es gab in den vergangenen Jahren zwar Wolfsrisse im Kreis, bislang sind wir aber weitgehend verschont geblieben.“ Im Sommer 2024 hatte die Aufnahme eines durch die Rheinebene ziehenden einzelnen Wolfs für Wirbel gesorgt.

Luchs kommt zurück: Der Luchs war bisher nur Besucher – das könnte sich aber ändern. „Seit eineinhalb Jahren gibt es ein Wiederansiedlungsprojekt im Schwarzwald“, berichtet Lang. „Es ist damit zu rechnen, dass auch im Ortenaukreis eine feste Population entsteht.“ Luchs-Sichtungen gab es schon im Renchtal. „Die Kreisgrenzen spielen für die Tiere keine Rolle“, so Lang.

An einem nassen Tag – daher die verschwommene Aufnahme – hielt eine Wildkamera einen Wolf bei Sasbach fest. Foto: Landratsamt

Erster Goldschakal im Kreis: Vor rund einem Monat gab es in der Ortenau den ersten Nachweis – als Foto einer Wildkamera. Die Tiere werden oft mit dem etwas kleineren Fuchs verwechselt. Beim vom Balkan stammenden Goldschakal – einer geschützten Art – handele es sich nicht um eine invasive Spezies.

„Er kommt auf natürlichem Weg hierher, nicht durch den Menschen“, weiß Lang. Im Schwarzwald-Baar-Kreis gebe es bereits Nachwuchs. „Es ist davon auszugehen, dass sich kurz- bis mittelfristig die Goldschakal-Sichtungen in der Ortenau häufen werden“, prophezeit Lang.

Wildkatze breitet sich aus: Die nahe Verwandte der Hauskatze war im Südwesten ausgestorben, hat sich laut Lang in den vergangenen 20 Jahren von Frankreich kommend aber wieder ausgebreitet – insbesondere in den Rheinauen. Inzwischen breite sie sich auch über die A 5 hinaus in die Vorbergzone aus, einzelne Tiere gebe es auch im Schwarzwald.

Eine Gefahr für die Art stellt die Hybridisierung mit der Hauskatze dar, denn beide können fruchtbare Nachkommen zeugen. Lang appelliert daher an Katzenbesitzer, ihre Freigänger kastrieren zu lassen.

Mit dem Auerhuhn geht’s bergauf: „Leider finden wir das Auerhuhn nur noch punktuell im Kreis“, berichtet Lang. Die Population sei „verschwindend gering“, im ganzen Schwarzwald gebe es etwa 200 Tiere. Das liege am Verlust des Lebensraums, dem Druck durch Beutegreifer wie den Fuchs und der Störung durch Erholungssuchende. „Schneeschuhwanderer im Winter sind Gift für Auerhühner“, betont Lang.

Zu finden seien die Tiere in Hochlagen im Bereich Hornisgrinde, entlang der Grenze des Nationalparks bei Seebach, Oppenau, Bad Peterstal-Griesbach und im Bereich Nordrach/Oberharmersbach sowie bei Gutach und Hornberg. Laut dem Experten gibt es aber Hoffnung: „Der Trend bei der Population geht langsam, aber sicher wieder bergauf.“

Foto: Landratsamt

Biber auf dem Vormarsch: „Für das Ökosystem ist der Biber ein großer Gewinn“, freut sich der Experte. Die großen Nager wanderten derzeit von Frankreich und Württemberg kommend ein. Biber gebe es bereits in Steinach, Gutach, teils auch in den Seitentälern der Kinzig. Es leben aber auch Tiere in der Rheinebene. So habe sich ein Jungtier unter einer Autobahnbrücke bei Offenburg ein Zuhause gesucht, ein anderes mitten in einem Kehler Teilort. „Da sind Biber total entspannt“, weiß Lang.

Ab und an würden Schäden gemeldet, wenn etwa ein Biber einen Obstbaum fälle oder eine Ackerfläche unter Wasser setze. Dämme errichteten die Tiere aber für gewöhnlich nur, wenn ihnen der Wasserstand zu niedrig ist – und auch nur in eher langsam fließenden Gewässern.

Eine Wildkamera hat einen fleißigen Biber nachts bei Offenburg abgelichtet. Foto: Landratsamt

Waschbär kann zum Problem werden: Die invasive Art wurde bereits in Gutach, im Renchtal, in Kappel-Grafenhausen oder Achern gesichtet – „aber immer nur punktuell“, so Lang. Die Ausbreitung des nachtaktiven Raubtiers kann für das Ökosystem zur Belastung werden. „Waschbären können dafür sorgen, dass Amphibien und Brutvogelarten lokal einfach verschwinden“, schildert der Experte. Jäger seien angehalten, die Tiere zu schießen.

Rothirsch lebt in Nischen: „Der Rothirsch ist unser größtes heimisches Säugetier“, erläutert Lang. Ausgewachsene Männchen bringen es auf ein Gewicht von rund 200 Kilo. „Viele denken, den Rothirsch gibt es überall im Wald. Doch die Tiere sind in Baden-Württemberg tatsächlich nur auf vier Prozent der Landesfläche beschränkt“, berichtet der Experte. Der Grund sei eine Regelung aus den 1950er-Jahren; dahinter stehe die Angst vor Schäden in Land- und Forstwirtschaft.

Verlassen die Tiere ihre „Reservate“, werden sie geschossen. Im Ortenaukreis kommt der Rothirsch von der Hornisgrinde bis ins Renchtal vor. „Natürlicherweise würden die Tiere auf größeren Flächen vorkommen“, erläutert Lang. Die „total veraltete“ Beschränkung führe mittlerweile zur genetischen Verarmung der isolierten Hirsch-Populationen in Baden-Württemberg.

Gämsen fühlen sich wohl: Die Wildziegenart kennen die meisten wohl eher aus dem Alpenraum. Allerdings waren Gämsen bis zu ihrer Ausrottung im Mittelalter auch im Schwarzwald beheimatet – und sind es mittlerweile offenbar wieder. „Man kann schon fast sagen: Es gibt eine klitzekleine Gamspopulation im Kreis“, so Lang. Die von Süden eingewanderten Tiere fühlten sich vor allem an den steilen Hängen bei Hornberg und Gutach wohl. Aber auch in Zell habe es schon Gamssichtungen gegeben.

Geringe Gefahr

„Grundsätzlich gilt: Für den Menschen geht von der hiesigen Fauna keine Gefahr aus“, betont Wildtier-Experte Maximilian Lang. Beim Wolf sei der Herdenschutz durchaus ein Thema, Übergriffe auf den Menschen habe es deutschlandweit seit Jahrzehnten nicht gegeben. Auch der Luchs sei harmlos. Bei den beiden Großräubern könne es aber zu Konflikten mit nicht angeleinten Hunden kommen, insbesondere wenn Wolf oder Luchs gerade ihre Beute bewachen.