Noch steht er zwischen Blue Boxx und Neuer Tonhalle im friedlichen Villingen. In der gleichen Nacht werden vier Männer aus dem Kreis den Krankenwagen starten und am Wochenende die Ukraine erreichen. Die Gruppe „Ukrainer im Schwarzwald“ finanzierte den Kauf des Fahrzeugs über Spenden.
Liliya Smirnova und Daniel Wenzler, vom „harten Kern“ der Gruppe, warten darauf, dass Robert Kuhar, Smirnovas Ehemann, auf dem Platz vorfährt. „Dauert noch etwas“, meint sie, die Batterie sei leer.
Der Wagen habe über Nacht auf einem Privatparkplatz in Mönchweiler gestanden, bis alle Formalitäten geregelt worden seien. „Doch mein Mann bekommt das schon hin.“
Ein Krankenwagen passiert die Bertholdstraße. „Ist er das?“ , fragt die Gruppen-Initiatorin. „Nein, unserer ist etwas größer und höher“, erklärt Wenzler.
15 Minuten später parkt Kuhar den Wagen mit der Aufschrift Ambulance und Paramedic auf dem großen Vorplatz. Paramedic ist eine im Englischen verwendete Bezeichnung von nichtärztlichen Berufsgruppen im Bereich des Rettungsdienstes.
Die „Ukrainer im Schwarzwald“ haben sich vor elf Jahren zu einer losen Gruppe zusammengefunden, um ihre Landsleute zu unterstützen. Initiatorin war damals Smirnova. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 seien die Aktivitäten verstärkt und vor allem Spenden gesammelt worden, um die Menschen in der Ukraine zu unterstützen.
Schon vieles finanziert
„Vieles haben wir schon finanzieren können“, erzählt Liliya Smirnova, von haltbaren Lebensmitteln, Wasserfiltern über Lampen oder anderes Mobiliar für OP-Säle und Suppenküchen bis hin zu Krücken und Rollatoren.
Das jüngste Projekt: ein Krankenwagen, der zuvor in Slowenien im Einsatz gewesen sei. Ihr Mann Robert habe den Wagen bei einem Autohändler in Biberach abgeholt. Durch Spenden sei die Summe im höheren vierstelligen Bereich finanziert worden. Unter anderem waren die „Ukrainer im Schwarzwald“ auch bei der Kulturnacht im Sommer dabei. Nun soll das Fahrzeug mit dem VS-Kennzeichen verwundete Ukrainer, Zivilpersonen und Soldaten, in die Kliniken bringen.
1500 Kilometer
In zwei Tagen soll der Krankenwagen die ukrainische Grenze erreicht haben. 1500 Kilometer liegen zwischen der Doppelstadt und dem osteuropäischen Land. „Und damit ist die Ukraine eigentlich nicht so weit weg von uns“, spricht Smirnova ihre Gedanken aus.
Vier Männer, zwei Fahrer und zwei Begleiter aus der Gruppe, werden sich auf die Reise machen. Wenn es in der Nacht losgeht, bleiben Irina Solowiejko, Daniel Wenzler, Liliya Smirnova und ihr Mann Robert Kuhar in VS zurück, und mit ihnen weit über 2000 Mitglieder auf dem Telegram-Kanal, in der Hoffnung, „dass in der Ukraine bald Frieden ist.“
Keine Sachspenden mehr
Die Gruppe "Ukrainer im Schwarzwald". sammelt derzeit keine Sachspenden mehr, sondern nur noch gezielt bei Bedarf. B 9, das inklusive Nachhaltigkeits- und Begegnungszentrum, an der Bahnhofstraße in Villingen, nimmt auch keine Spenden für die Ukraine an und sammelt auch nicht für den Transport. Wer sich noch an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ beteiligen möchte, meldet sich bei Liliya Smirnova unter ua-im-sw@gmx.de.
Spendenlager
Von Montag bis Freitag betreibt der harte Kern der Gruppe Ukrainer im Schwarzwald ein Spendenlager im ehemaligen Sozialkaufhaus „Jumbo“ in der Bahnhofstraße in Villingen, wo Spenden für die Menschen in der Ukraine und für die Flüchtlinge hier gesammelt und ausgegeben werden.