7500 Kilometer durch neun nordosteuropäische Länder – das hat sich der Schwenninger Stadtratrat Armin Schott fürs „Senioren-Interrail“ vorgenommen. Ein Zwischenstand.
„Mit viel Zug und wenig Schiff“ lautet bei Armin Schott, der für die Fraktion der Grünen im Gemeinderat von VS sowie im Kreistag sitzt, und seiner Frau Petra Schulte-Schott in diesen Wochen die Devise. Seit Anfang August ist das Paar einen Monat lang in Nordosteuropa – mit Ausnahme von Dänemark quasi einmal um die Ostsee herum und zweimal nördlich des Polarkreises – unterwegs und besucht dabei acht Hauptstädte.
Armin Schott ist aber nicht nur als Kommunalpolitiker bekannt, sondern auch als stellvertretender Leiter des städtischen Planungsamtes. Aus dieser Funktion hat er sich 2023 in den Ruhestand verabschiedet – und sich zum Abschied von seinen Kollegen die Mitfinanzierung eines Senioren-Interrail-Tickets gewünscht.
Zwei Jahre später also soll das Ticket, das an 15 Tagen innerhalb von zwei Monaten genutzt werden kann, nun zum Einsatz kommen – in 30 verschiedenen Zügen mit Reservierungskosten von 900 Euro, schreibt der Schwenninger von unterwegs.
Die Route
Von VS ging es für das Ehepaar nach Prag, wo alle Kinder mit Partner dazu gekommen sind, um den 26. Geburtstag des jüngeren Sohnes Kai zu feiern. Über Warschau mit „erdrückendem Schwerpunkt“ des Ghettos ging es mit dem Baltic Express – überall „1A-Internet“ – nach Vilnius, Riga und Tallinn. „Wir lieben das junge, weltoffene und sehr tolerante Baltikum“, beschreibt Armin Schott seine Eindrücke.
Dann erfolgte die Schiffsüberfahrt nach Finnlands Hauptstadt Helsinki, ehe die Schotts den Schnellzug – 800 Kilometer in acht Stunden – zum Polarkreis nach Rovaniemi genommen haben.
Beim Weihnachtsmann
„Hier wohnt auch offiziell der Weihnachtsmann - kein Witz, es dudelt ständig leise Weihnachtsmusik“, kommentiert der Urlauber. Schließlich ist das Ehepaar zu Fuß – „da fährt trotz Brücke kein Zug“ – über die Grenze nach Schweden gelangt.
Von dort aus verlief die Tour nochmals nordwärts nach Kiruna, wo derzeit wegen der Bergbauerweiterung der gesamte Ort umgesiedelt wird. Den Transport der Kirche in die Ortsmitte beschreibt der Urlauber als „Großereignis“ inklusive Livestream und großem Fest mit Stadtlauf. Und vermutet, dass es auch in deutschen Medien thematisiert wird – er sollte Recht behalten.
Wendepunkt der Reise
Von einem Aussichtspunkt in Narvik am Fjord zum Atlantik meldet sich Armin Schott wenig später: „Unser nordwestlichster Punkt ist erreicht – 200 Kilometer vom Polarkreis. Aktuell sind hier acht Grad, morgens noch Regen, dann Sonne. Hier ist der Wendepunkt unserer Reise, 50 Prozent der Strecke sind rum.“
Über mehrere Stationen ging es anschließend nach Stockholm mit Besuch in Gävle bei Armin Schotts Tante Erika und Cousine Bettina – zwei Brüder seiner Mutter sind nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der Arbeit nach Schweden ausgewandert, berichtet der Reisende. Ein weiterer Verwandtenbesuch steht in diesen Tagen im schwedischen Ort Motala an, wo ein Cousin lebt und ein anderer hinzukommt.
Nach ein paar Tagen Erholung soll dann es dann über Stockholm und Nynesham mit dem Schiff über Nacht nach Danzig gehen – und von dort mit Zwischenhalt in Berlin wieder zurück in die Heimat nach VS.
Eine Zwischenbilanz
Viel zu erzählen hat Armin Schott schon jetzt, vor allem rund ums Interrail. „Außerhalb Deutschlands nur gute, bequeme, nicht zu volle und pünktliche Züge“, zieht er eine Zwischenbilanz. In Kiruna etwa sei der Zug sogar 30 Minuten zu früh gekommen.
Natürlich habe das Fahren mit der Bahn am Rande auch etwas mit dem CO2-Ausstoß zu tun, erklärt der Grünen-Stadtrat. Zudem lerne man Großstädte anders kennen, da die Züge stressfrei bis in die Zentren fahren. Die Tagestickets in den Großstädten kosteten überall nur rund fünf Euro, und es kämen jede drei bis fünf Minuten Straßenbahn, Oberleitungsbusse oder E-Busse – keine Dieselbusse.
Das Zwischenmenschliche
Und auch von zwischenmenschlichen Aufeinandertreffen hat Armin Schott viele kleine Anekdoten im Gepäck. „Ich habe einem älteren finnischen Ehepaar beim sehr komplizierten elektronischen Spät-Einchecken geholfen, nach 30 Minuten waren die beiden endlich im Zimmer. Sie konnten nur Finnisch, ich nur Englisch“, schreibt der Urlauber etwa. Und er ist insgesamt begeistert: „Alle freuen sich, Menschen aus dem Schwarzwald zu treffen.“