Es war ein Kraftakt, doch mittlerweile ist es geschafft: Wahl hat seinen neuen Standort in Peterzell bezogen. Warum die Entscheidung die richtige war und wie die Zukunft aussieht, erklären die Geschäftsführer Gökhan Yilmaz und Jörg Burger.
St. Georgen-Peterzell - Mehr als 220 Maschinen und die Verwaltung – all das hat im Sommer ein Umzugsdienstleister in Unterkirnach zusammengerauft, auf Lastwagen verladen und dann Luftlinie etwa fünf Kilometer entfernt wieder entladen. Rund 250 Mitarbeiter zogen um. Im Sommer hat Wahl seinen neuen Produktionsstandort an der Bundesstraße 33 bei Peterzell bezogen. Im Gespräch blicken Gökhan Yilmaz und Jörg Burger, die Geschäftsführer des Unternehmens, auf stressige Zeiten zurück.
Und die begannen schon lange, bevor im April 2022 die ersten Umzugswagen losfuhren: 2018 begann Wahl sich Burger zufolge zunächst in Unterkirnach nach Flächen für einen Neubau umzusehen. Doch man wurde nicht fündig. Stattdessen bot sich die Gelegenheit nur wenige Kilometer weiter in Peterzell auf dem Gelände an der B 33.
Nahezu alle Mitglieder auch in Peterzell
Einer, der über den Wahl-Umzug nach Peterzell "mächtig froh" ist, ist St. Georgens Bürgermeister Michael Rieger. Und auch für Burger und Yilmaz ist der neue Standort in Peterzell ein "Glücksfall": Der überwiegende Großteil der Mitarbeiter verlagerte seinen Arbeitsplatz an den neuen Standort – es war das Ziel gewesen, die Zahl der Mitarbeiter weder ab- noch aufzubauen. Ein rund 10 000 Quadratmeter großes Produktions- und Logistikgebäude sowie ein etwa 3500 Quadratmeter großes Verwaltungsgebäude stehen in Peterzell zur Verfügung. Und weil es sich um einen Neubau handelt, konnte alles auf die aktuellen Produktionsabläufe abgestimmt werden – anders als am alten Standort in Unterkirnach. "Dort war es historisch gewachsen", erinnert sich Burger. "Vom optimalen Materialfluss war man da weit entfernt", stimmt ihm Yilmaz zu.
Großer Aufwand für Neubau und Umzug
In Peterzell folgte der architektonische Neuanfang. Spatenstich war im Juli 2020, der Umzug konnte im April dieses Jahres beginnen. "Wenn wir gewusst hätten, was auf uns zukommt, hätten wir es vielleicht nicht gemacht", sagt Yilmaz heute über die Bau- und Umzugsphase. Beides war arbeitsintensiv: Eine Person hatte das Unternehmen über den gesamten Zeitraum abgestellt, um sich nur mit diesem Projekt zu beschäftigen. "Anders hätte das auch nicht funktioniert." Und trotz allem sei man mit dem Ergebnis jetzt zufrieden.
B 33-Sanierung hat kaum Auswirkungen
Eine Rolle spielt hier auch, dass es laut den Geschäftsführern keine allzu großen zeitlichen Verzögerungen gab – weder beim Bau noch beim Umzug. So entronn man einerseits den stärksten Materialpreissteigerungen und verhinderte andererseits, dass die B 33-Sanierung zwischen Mönchweiler und Peterzell allzu große Auswirkungen auf den Umzug hatte. Letztgenannte hätten sich beide Geschäftsführer schlimmer vorgestellt. Weil man einen Großteil des Umzugs aber schon vorher erledigt hatte, "hat das kein großes Rauschen verursacht", wie Burger rückblickend sagt.
Nachdem bei Wahl die arbeitsreiche Umzugszeit vorbei ist, hat nun die Stadt noch ein paar Hausaufgaben zu machen, wie Rieger es formuliert. Lückenschluss, Ringzug und Fahrradwege – diese Themen werden im Gespräch angeschnitten, wenn es um die Zukunft geht.
Energiekosten und Ukraine-Krieg
Neben der Situation vor Ort ist es natürlich aber auch die globale Lage, die Wahl – wie andere Unternehmen – beschäftigt: steigende Rohstoff- und Energiepreise und die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine werden in einer Mitteilung als Herausforderungen genannt. Dennoch zeigt sich das Unternehmen optimistisch: Die Umsatzsituation im Friseur- und Tierbereich ist demnach aktuell stabil. Nach Angaben von Yilmaz steigt sie mittlerweile sogar wieder an.
Info: Alter Standort in Unterkirnach
Drei Gebäude hat das Unternehmen Wahl in Unterkirnach zurückgelassen. Das ehemalige Logistikzentrum im Schlegeltal ist nach Angaben der Geschäftsführer bereits verkauft. Für die anderen beiden Gebäude – eines ist in der Villinger Straße, das andere im Roggenbachweg – deutet sich ebenfalls eine Lösung an: Der Verkauf sei in vollem Gange, teilt das Unternehmen mit.