Andrea Winter und Roland Müller haben schon 58 warme Schlafsäcke gekauft, benötigen aber noch mehr, plus Thermo-Unterwäsche und natürlich Lebensmitteln. Foto: Schimkat

Angst haben sie keine: Andrea Winter und Roland Müller fahren bereits zum siebten Mal in die Ukraine, um dort mit Hilfsgütern auszuhelfen. Diesmal verschlug es die beiden nach Charkiw – ein von Zerstörung gebeutelter Ort, in dem die Menschen Angst vor dem Winter haben.

Unterkirnach - Es sei ihnen ein Herzensanliegen, wieder in die Ukraine zu fahren, um zu helfen: Andrea Winter und Roland Müller sind gerade von ihrer siebten Fahrt in die Ukraine zurückgekommen. Dieses Mal ging die Fahrt sogar bis nach Charkiw.

Hin und zurück sind das 5000 Kilometer, mit einem voll beladenen Sprinter plus Anhänger. Bezahlen tun sie das aus eigener Tasche, den größten Teil der Hilfsgüter haben sie auch selbst eingekauft.

"Im Vergleich zu den Menschen in der Ukraine geht es uns hier gut, wir machen das gerne, auch wenn wir natürlich noch Spenden benötigen", erklärt Roland Müller.

Charkiw: Eine andere Hausnummer

Die Fahrt nach Lemberg in die dortige Klinik und auch das Kinderheim und andere Anlaufstellen, wo ehrenamtliche Helfer ihre Hilfsgüter verteilen, kennen sie inzwischen auswendig. Charkiw aber sei nun doch eine andere Hausnummer gewesen, so Andrea Winter.

Die Millionenmetropole liegt nur 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und wird jede Nacht beschossen: "Übernachten durften wir dort nicht", so Müller.

In der Großstadt gebe es streckenweise fast normales Leben – ein paar Straßen weiter dann nicht mehr und in den umliegenden Dörfern haben die Russen alles zerstört, betont er.

Von mitgebrachten Lebensmitteln abhängig

Die dörfliche Bevölkerung habe nichts mehr, lebe seit einem halben Jahr mit dem Krieg und sei von den mitgebrachten Lebensmitteln, sehr viel Eintopf in Dosen, abhängig. Aber auch in der Stadt leben noch viele Menschen in einem U-Bahn-Schacht, sie haben kein zuhause mehr und wissen auch nicht, wo sie hingehen könnten, erklärt Andrea Winter und wirkt sichtbar mitgenommen.

"Wir staunen immer wieder, wie viel in kürzester Zeit funktioniert, wir wissen nicht, wie die Menschen das schaffen", so Müller. Die Russen zerstören, dann gibt es mal keinen Strom oder U-Bahn und befahrbare Straßen, und nach ein paar Tagen ist es repariert und es läuft wieder", bewundert er die Menschen.

Der Winter wird zum Problem

"Wir hatten von unserer ersten Hilfsfahrt an Kontakte zu Menschen, die nicht aufgeben, die organisieren, reparieren, um das Überleben kämpfen und das bei der dauernden Belastung und natürlich auch Angst, das treibt uns an, weiter zu machen", betonen beide.

Auf die Frage, wie es denn jetzt vor dem drohenden Winter aussehe, antwortet Müller: "Manche Menschen können noch heizen, andere nicht mehr und das wird ein Problem". Einen großen Teil von Schlafsäcken haben sie schon gekauft, Thermo-Unterwäsche, Decken, werden benötigt, zusätzlich zu Medikamenten, Verbandsmaterial, Rollstühlen, ganz abgesehen von den immer benötigten Lebensmitteln – der Bedarf sei immens, so Andrea Winter.

Im Oktober geht es wieder hin

Am 13. Oktober starten sie wieder in Richtung Ukraine und auch die Gefahr in Charkiw wird sie nicht hindern, auch dort wieder zu helfen.

Da in Unterkirnach schon viele Flüchtlinge aus der Ukraine leben, konnten sie, gerade den Frauen und Kindern eine besondere Freude machen und ihnen aus ihrer Heimat Kleidung und persönliche Dinge mitbringen, die in der Klinik in Lemberg abgegeben worden waren. "Die Freude hier war riesig", freuen sie sich mindestens genauso.

"Wir wissen, dass auch hier alles sehr teuer geworden ist, trotzdem möchten wir wieder um Spenden, vor allem um Geld, bitten", betont Müller.

Info: Spendenkonto

Das Spendenkonto hat die Gemeinde Unterkirnach, Stichwort Ukrainehilfe, eingerichtet. Spenden werden erbeten an die Sparkasse VS, IBAN DE 58 6945 0065 0151 0760 83, BIC SOLADES1VSS. Laut Andrea Winter und Roland Müller zähle jeder Euro, damit die beiden weiter den Transport und die Erstversorgung vor Ort leisten können.