Die aus Indien stammende Familie Malve vor dem Wasserfall in Triberg. Das junge Paar wohnt mit seinem Söhnchen in Hamburg, kam im vergangenen Oktober in den Schwarzwald und kehrte begeistert an die Nordsee zurück. Foto: Madhusudan Malve

Der indische Software Entwickler und Blogger Madhusudan Malve arbeitet an der Uni in Hamburg. Mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn besuchte er Triberg.

Dass immer mehr Menschen die in Indien leben oder aus Indien stammen und inzwischen in Europa arbeiten auch Triberg als Reiseziel aussuchen, darüber haben wir unlängst berichtet. Hauptgrund dafür sind wohl die Werbereisen von Sarah und Thomas Weisser, Geschäftsführer vom „Haus der tausend Uhren“ in Triberg. Das Vater-und Tochter-Duo war schon mehrfach in dem asiatischen Land, buhlte um Besucher und verkauft den Traum von Kuckucksuhr und Schwarzwälder Kirschtorte zusammen mit starken Reiseagenturen in Indien als Gesamtpaket.

 

Jung, gebildet und längst in Europa angekommen

Dabei haben sie auch, so betonte es seinerzeit Thomas Weisser im Gespräch mit unserer Redaktion, jene Inder im Blick, die in Europa arbeiten. So auch Madhusudan Malve. Er ist Software Ingenieur und arbeitet an der Sternwarte der Uni Hamburg. Im Alltag verarbeitet er Daten für das European Extremely Large Telescope (E-ELT) – das größte optische und infrarote Teleskop der Welt. „Ich finde privat dann meinen Ausgleich darin, die Wunder unseres eigenen Planeten zu erkunden“, erzählt er unserer Redaktion in Anspielung auf den beruflichen Weitblick ins All.

„Ein Umzug ans andere Ende der Welt zwingt einen dazu, die Natur mit völlig neuen Augen zu betrachten“, sagt er auch. Er und seine Frau Shweta hätten Deutschland zu ihrer neuen Heimat gemacht. Aber sie dokumentieren die Meilensteine und Reisen ihrer kleinen Familie in einem Online-Blog, dem seine Verwandten und Freunde in Indien interessiert folgen.

„Im vergangenen Oktober machten wir uns auf, die Tiefen des berühmten Schwarzwalds zu erkunden – begleitet von unserem härtesten Kritiker: unserem einjährigen Sohn Dhanvit. Auf der Suche nach einer authentischen, ruhigen Basis mieden wir die überfüllten Touristenorte und buchten eine ruhige Airbnb-Unterkunft“, berichtet er. Von dort verwirklichte die Familie ihren Herbst-Reiseplan, erlebte nebelverhangene Landschaften von Bad Wildbad und die raue, unberührte Wildnis des Nationalparks Schwarzwald. „Doch es war unsere Reise in den märchenhaften Ort Triberg, die uns wirklich verzauberte und unsere Vorstellung von Familienreisen neu definierte“, sagt Madhusudan Malve.

Der geheime Luxus der Nebensaison

„Reisende suchen oft die vorhersehbare Wärme des Sommers, aber wir entdeckten, dass der wahre Luxus des Schwarzwalds dem Herbst und der Nebensaison gehört. Ja, das Wetter war von leichtem, kühlem Regen geprägt und der Himmel zeigte sich dramatisch und wolkenverhangen. Doch gerade dieses nasse Wetter verstärkte die mystische Atmosphäre der Region, ließ die erdigen Düfte des Kiefernwaldes intensiver werden und brachte das leuchtende Gold, Orange und tiefe Rot der Blätter vor dem dunklen Holz besonders zur Geltung“, gerät der gebürtige Inder regelrecht ins Schwärmen.

Der größte Vorteil sei aber die tiefe Ruhe gewesen, denn die Menschenmassen des Sommers, hätte es nicht mehr gegeben. „Für eine Familie mit Kleinkind wurde aus einem potenziell stressigen Ausflug ein unglaublich intimes, entspanntes Abenteuer“. Das unbestrittene Highlight ihres Besuches sei aber der Wasserfall, der höchste in Deutschland, gewesen.

„Ein beeindruckendes Schauspiel roher Naturgewalt, das sich über sieben Stufen durch eine steile, felsige Schlucht ergießt“, berichtete Madhusudan seinen Freunden nach Indien. Und: „Vor ihm zu stehen, die akustische Kraft des tosenden Wassers und die frische, neblige Herbstluft zu spüren, war atemberaubend. Ich griff immer wieder instinktiv zur Kamera, um festzuhalten, wie sich der weiße Schaum durch die moosbedeckten Felsen schlängelte“.

Die Inderin Shweta Malve mit ihrem kleinen Söhnchen vor der Herbstwaldkulisse des Schwarzwaldes. Sie und ihr Mann Madhusudan empfehlen die Nebensaison als Reisezeit. Foto: Madhusudan Malve

Was das Elternpaar besonders freute: „Der Park ist unglaublich kinderwagenfreundlich. Steile Naturattraktionen mit einem Einjährigen zu erkunden, fühlt sich oft wie Extremsport an, aber die gut gepflegten, barrierefreien Wege in Triberg ermöglichten es uns, Dhanvits Kinderwagen bequem entlang der Hauptwege zu schieben. Dhanvit war völlig fasziniert vom tosenden Wasser, und das Glück auf Shwetas Gesicht, als wir gemeinsam die Aussicht genossen, machte jeden Schritt lohnenswert“.

Märchen, Kuckucksuhren und Gastfreundschaft

Abseits der Wasserfälle wirke Triberg wie eine Seite aus einem klassischen, deutschen Märchenbuch, urteilt der Globetrotter von einem fernen Kontinent. „Wir verliebten uns in die besondere Architektur, die gemütliche Atmosphäre und das tief verwurzelte Erbe. Die Stadt ist ein lebendiges Zeugnis für das Handwerk des Schwarzwalds, gesäumt von Geschäften mit kunstvoll geschnitzten Kuckucksuhren – mechanische Kunstwerke, die unseren Sohn mit ihren verspielten Klängen begeisterten.“

Und natürlich: Die Schwarzwälder Kirschtorte mit ihren Schichten aus Schokolade, Sahne und Kirschen haben den gemütlichen Tag abgerundet, sagt Madhusudan Malve. Und was die Stadtmarketingmacher und die Familie Weisser besonders freuen dürfte: „Als ich die Fotos unserer Reise in den sozialen Medien teilte, wurde ich sofort mit Nachrichten von Freunden und Kollegen überflutet. Jeder wollte wissen, wo dieses magische, nebelverhangene Paradies liegt“, erzählt der Softwareingenieur. Für ihn ist es „ein Ort, an dem Natur, Kultur und Zugänglichkeit perfekt zusammenkommen“.

„Für alle, die zögern, während der regnerischen Nebensaison zu reisen, oder für Eltern, die sich Sorgen machen, mit kleinen Kindern die Natur zu erkunden, ist unsere Erfahrung der Beweis: Triberg ist ein absolutes Muss. Wir haben dort Momente gesammelt, die wir für immer in Erinnerung behalten werden – ein ruhiges, vom Regen geküsstes Refugium, in dem die Schönheit der deutschen Landschaft unsere junge Familie mit offenen Armen empfangen hat“.

Der Reiseblog von Madhusudan Malve

Reiseabenteuer
Wer noch mehr Triberg-Bilder des Bloggers Madhusudan Malve sehen möchte, findet ihn auf Instagram, wo er auch viele andere Reiseabenteuer durch Top-Ziele in Europa festhält.