Einen Einblick ins Louvre, den wohl sonst kaum jemand hat. Nach der Lieferung einer Druckpresse aus Sulz am Eck, durfte sich Unternehmerfamilie Proß die Gemälde und Kunstwerke ganz allein anschauen.
Wer im Kunstunterricht in der Schule aufgepasst hat, wird sich erinnern: Linoldruck. Mit kleinen und besonders scharfen Messern wird das, was später keine Farbe annehmen soll, weggeschnitten. Mit einer Kunstfarbwalze kommt die gewünschte Farbe auf die erhabenen Flächen und alles wird mit etwas Anstrengung durch die Druckpresse geschoben. Am Ende hält man sein Kunstwerk – eventuell mit manchem Schnitt an den Fingern – in den Händen.
Seit Kurzem steht eine dieser Druckpressen sogar im meistbesuchten Museum der Welt: im Louvre in Paris. Über einen Kunden der Gesellschaft kam der Kontakt zustande, erzählt Konrad Proß. Schnell wurde die Sonderanfertigung in dem Firmengebäude in Sulz hergestellt. „Bei der Gelegenheit haben wir es uns nicht nehmen lassen, selbst nach Paris zu fahren“, erzählt der 66-Jährige, auch wenn dies ganz und gar nicht üblich ist.
ABIG-Geschäftsführer Florian Proß und seine Frau Leonie sowie seine Eltern Konrad und Birgit packten Presse und Tisch in ihren Van und fuhren los – in die Pariser Innenstadt. „Und dann sind wir mit dem Auto einfach in den Louvre gefahren“, erzählt Florian Proß. „Das war schon etwas surreal.“
Vor Ort selbst Hand angelegt
Sie fuhren hinter einem großen Lastwagen in die Anlieferungshalle im Louvre, wo erst einmal herausgefunden werden musste, wohin sie müssen. Das war nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere eine kleine Hürde. Doch an der richtigen Stelle angekommen ging es schon ans Ausladen der Presse.
In einem Raum, dass einem Klassenzimmer ähnelte, machten sie sich daran alles aufzubauen und die Presse auf dem Tisch zu befestigen. „Ich denke, dass sie dort Workshops oder Ähnliches anbieten“, meint der 32-jährige Geschäftsführer im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Presse dient dabei für Hoch- und Tiefdruckarbeiten.
Heimliche Hoffnung wird wahr
Und auch die geheime Hoffnung der Familie erfüllte sich anschließend noch: Sie durften einen Teil des Museums besichtigen. Und zwar in besonderer Art und Weise. Denn die Anlieferung fand an einem Dienstag statt, dem einzigen Tag in der Woche, an dem das Louvre für die Öffentlichkeit geschlossen ist. Und damit waren die vier Sulzer mit den wenigen Mitarbeitern sowie Securitypersonen ganz alleine in den Museumsräumen.
„Ohne zu fragen hat uns die Mitarbeiterin direkt zur Mona Lisa geführt“, erinnert sich Florian Proß. Vorbei an den vielen Gemälden und Statuen zum wohl berühmtesten Gemälde der Welt. Und dort konnten sie – anders als zu Besucherzeiten – so viel Zeit verbringen, wie sie mochten und Bilder machen, die es sonst nur selten zu sehen gibt. Und zwar einem leeren Raum voller Gemälde. „Das war einfach faszinierend“, unterstreicht Leonie Proß. Einen solchen Einblick ins Louvre gibt es wohl so schnell nicht mehr.
Das Unternehmen
Art Business Industrial Group GmbH
Was viele Schüler und Ex-Schüler nicht wissen: Die Werkzeuge und Druckpressen kommen meist von den Unternehmen ABIG und Art Business Industrial Group Gmbh (kurz ebenfalls ABIG). Seit 37 Jahren werden diese in Sulz am Eck hergestellt. Dabei unterstützt Senior Konrad Proß seine Söhne Christian und Florian Proß bei der Herstellung und dem Vertrieb. Mit gerade einmal 18 Mitarbeitern ist das Unternehmen deutschlandweit für ihr Handwerk bekannt. Denn obwohl vieles in der Produktion automatisiert und von Maschinen übernommen wird, steckt in jedem Teil auch etwas Handarbeit. So wird beispielsweise jedes der 500 000 bis 800 000 Messer pro Jahr von Hand geschliffen. Vertrieben werden die Werkzeuge und Pressen über Händler weltweit. Darunter auch nach Paris.