In der Kindheit erlebte er Krieg und Zerstörung. Später prägte er einen Schwenninger Traditionsbetrieb mit. Bernd Saile wird heute 90.
Das Gespür für Innovatives, Freude am Unternehmertum und den Umgang mit Menschen sowie Abenteuerlust haben ihm ein erfülltes Leben beschert – und machen Bernd Saile zu einem interessanten Gesprächspartner.
Geboren wurde er am 3. Februar 1936 in Stuttgart. „Meine ersten zehn Lebensjahre waren geprägt vom Kriegsgeschehen“, berichtet er. „Unsere Wohnung wurde während einer der vielen Bombardements komplett zerstört.“ Zusammen mit Eltern und den beiden Brüdern wurde er aufs Land evakuiert. Nach Kriegsende ging es zurück nach Stuttgart, die Familie wurde zunächst getrennt untergebracht. 1947 kam er auf das Karls-Gymnasium. „72 Jungs in einer Klasse, die Lehrer waren total überfordert, etliche verletzt an Körper und Geist.“ Nach dem Abschluss der Schule brachte ihn der Vater in einer Lehre bei einem Lithografen unter. „Er versprach sich einen Gehilfen in seinem Beruf als freier Grafiker.“
Das Neue im Blick
Die Ausbildung absolvierte Bernd Saile in nur zwei Jahren mit Auszeichnung und wechselte zu einer niederländischen Großdruckerei, wo er das damals neue Repro-Verfahren erlernen wollte. Zurück in Stuttgart, heuerte er schließlich bei einem Repro-Betrieb in Stuttgart-Feuersee an.
In Stuttgart befand sich die Meisterschule für Buchdrucker, die Wolfgang Eller aus Schwenningen besuchte. Bernd Saile lernte ihn kennen, und es entwickelte sich eine Freundschaft. Eller sollte die Druckerei der Familie in dritter Generation übernehmen. „Wir haben gesehen, dass der Offsetdruck die Technik der Zukunft sein wird.“ Bernd Saile und Wolfgang Eller bauten den Traditionsbetrieb um zu einem modernen Unternehmen mit in der Spitze rund 200 Mitarbeitern.
Auch hier war der Anfang nicht leicht: Geld mobilisieren, Mitarbeiter mitnehmen für den Weg in neue technische Verfahren, Kunden gewinnen. „Meine Vision war von Anfang an, die Menschen in den Vordergrund zu stellen, die Arbeit sollte Freude machen, den Erfolg sollte man erleben dürfen, und die Arbeit sollte man gern tun“, sagt Bernd Saile. Diese Sicht- und Herangehensweise zahlte sich aus. Der Betrieb wuchs.
Das Projekt Spielplatz
Bernd Saile ist beim Rotary-Club VS. Unter seiner Präsidentschaft setzten die Mitglieder das Projekt Spielplatz Hubenloch in Eigenregie und -leistung um. Auch hier galt es, dicke Bretter zu bohren. „Die meisten Projekte scheitern nicht daran, dass man es nicht machen kann, sondern daran, dass man es nicht will“, ist seine Erfahrung.
Nach viel Überzeugungsarbeit kam Schwung in die Sache. „Nach zweieinhalb Jahren ist der Spielplatz eröffnet worden, und wir hatten noch 6000 Euro übrig – hinterher waren alle stolz.“ Und es gab Ehrungen für so viel Einsatz bis hin vom Land Baden-Württemberg. Er war außerdem mehrere Jahre als Lesepate an der Gartenschule aktiv. Die Arbeit mit den Kindern machte ihm Freude, und beide Seiten lernten voneinander.
Lesepate an der Gartenschule
Bernd Saile hat viele interessante Reisen unternommen. Er bezeichnet sich als abenteuerlustig. Mit Freunden zog er beispielsweise sechs Wochen durch die Rocky Mountains (USA), alles selbst organisiert und belohnt mit intensiven Eindrücken von Land und Leuten. Gerne erinnert er sich an Wandertouren in den Dolomiten. Auch Segeln und Windsurfen standen auf dem Freizeitprogramm. Nach mehr als 40 Jahren im Beruf ging er in den Ruhestand. „Man darf nicht ruckartig aufhören“, ist seine Überzeugung.
So ein aktives Leben ist ihm im hohen Alter nicht mehr möglich. Das bedauert er, nimmt aber auch diese Lebensphase an. Heute feiert er den 90. Geburtstag.