Das neue Jahrbuch des Geroldsecker Landes ist erschienen. 18 Beiträge sind darin versammelt.
Es gehört zur Tradition, dass einer der Autoren seinen Beitrag selbst vorstellt. Frank Munz beschrieb, wie „Erinnerungen an Wilhelm Fischer aus Seelbach 1912–1981“ zustande kam. Welche Spuren hat der Großvater des Autors als Handwerksmeister, Historiker, Fotograf und Dichter in Seelbach hinterlassen? Munz, dessen Vater Walter Munz als Dorfchronist in die Fußstapfen Fischers getreten war, stellte die Arbeit, „getippte Seiten“, den Umgang mit vielen analogen Bildern und zwei nicht veröffentlichten Romanen des Großvaters aus den 1940er-Jahren anschaulich vor.
Die Aufsätze beleuchten konkrete, historische Ereignisse, die Gemeinden des alten Landkreises betreffen. Das Kapitel „Giftgas für Libyen“ von Werner Schönleber stellt wenig rühmliche Ereignisse um das Lahrer Chemieunternehmen Imhausen zusammen, das Ende der 1980er-Jahre weltweit Schlagzeilen machte. Viele der Gäste werden sich an das Thema noch erinnern können, das es sogar auf den Titel des „Spiegel“ geschafft hat.
„Das Leimbachtal“ von Ekkehard Klem geht der Frage nach, warum eine Siedlung zwischen Lahr und Friesenheim im 14. Jahrhundert von einer „alten Kulturlandschaft“ zu einer sogenannten „Wüstung“ wurde – oder warum die Siedlung aufgegeben worden ist. Der dargestellte Zeitrahmen des gesamten Bandes beginnt im späten Mittelalter und reicht an die unmittelbare Vergangenheit heran.
Mehrere Beiträge widmen sich den Themen Holocaust und Drittes Reich. Die jüngste Einzelautorin ist Leonie Zachmann. Sie hat das Kapitel „Schein-Heilige Hilfe für ‚Ehemalige‘“ geschrieben. Es geht um die nicht immer rühmliche Rolle der evangelischen Kirche bei der Vergabe sogenannter Persilscheine nach 1945 in Lahr. Florian Hellberg hat sich über die Methodik der Geschichtsschreibung Gedanken gemacht. Er hat in seinem Aufsatz Bilder analysiert, die es von der Deportation jüdischer Mitbürger in Kippenheim im Jahr 1940 gibt. Mietzner, der diesen Aufsatz vorstellte, erinnerte bei der Gelegenheit daran, welche Rolle Fotografien in der Zeit der sozialen Medien und immer besserer Handykameras spielen – und was das für die Zukunft der Geschichtsschreibung bedeutet.
Auch Schüler des Lahrer Scheffel-Gymnasiums haben am Buch mitgewirkt
Es gibt ein Kapitel, das sich mit drei Auswanderern „Von Ottenheim in die Neue Welt“ im 19. Jahrhundert beschäftigt, der Autor ist Martin Frenk. Walter Caroli, als Autor von Lahrer Geschichtsbüchern kein Unbekannter, hat das Schicksal von vier „Lahrer Rebellen“ im Vormärz rund um das Hambacher Fest und den Frankfurter Wachensturm untersucht. Fabian Obergföll hat eine „ganz persönliche Betrachtung“ älterer Jahrbücher des Geroldsecker Landes verfasst und ist dabei auf den „zufälligen Fund eines wegen Hexerei gehängten Vorfahren“ (im 16. Jahrhundert) gestoßen. Ulrike Derndiger hat, im Buch verstreut, alemannische Geschichten beigesteuert.
Es gibt zudem Aufsätze zur Pfarrkirche St. Cyprien und Justiana in Kappel mit historisch wertvollen Reproduktionen verschollener Bilder von Werner Pfohl oder die Geschichte von „S’Kejderle in Rust“, dem Ortsarrest, der einen jiddischen Namen trägt, wie Voerkel erklärte. Das Kapitel „Lahr – Jamm – Kuba“ stammt von Schülern des Scheffel-Gymnasiums. Theresa Kettering, Harini Prathaban, Maximillian Spirk, Emilia Strauch, Dorothea Zucker und Lehrerin Gudrun Pschinger blicken zurück auf die Ausstellung, die die Klasse 9d auf die Beine gestellt hat.
Voerkel und Mietzner stellten alle Kapitel kurz vor. Mietzner war sich sicher, dass „das Jahrbuch einer Landschaft“, in dem Fall der Gemeinden, die bis zur Kreisreform 1975 den Lahrer Landkreis bildeten, seine Berechtigung hat. Stadtarchivar und Stadthistorikerin freuten sich zudem, dass es, neben den vielen langjährigen Autoren, auch neue Verfasser gibt. Die Begrüßung hatte Stadtrat Rudolf Dörfler übernommen, er präsentierte das Geleitwort des Oberbürgermeisters.
Das Buch
Das Geroldsecker Land wird von der Stadt Lahr herausgegeben. Das „Jahrbuch einer Landschaft“ – in diesem Jahr mit 18 Kapiteln und 223 Seiten – kostet 18,50 Euro. Erhältlich ist das vierfarbig gedruckte Buch im Museum in der Tonofenfabrik und in den Lahrer Buchhandlungen.