Fritz und Tina sind seit November 2023 auf der Walz – und jetzt in Rottweil gelandet. Foto: Otto

Diese beiden ziehen die Blicke auf sich: Tina und Fritz sind auf der Walz und gerade frisch in Rottweil eingetroffen. Wir haben mit ihnen geplaudert und erfahren durchaus Überraschendes.

Auffällige Kleidung, große bunte Bündel auf dem Rücken, einen gewundenen Stock in der Hand – und ein freundliches Lachen. Diese beiden, die da am Montag in der Rottweiler Innenstadt unterwegs sind, muss man einfach ansprechen.

 

Dass es sich um zwei handelt, die auf der Walz sind, das ist offensichtlich. Aber wo kommen sie her? Und warum sehen nicht beide wie die klassischen Zimmersleut’ aus?Vor dem Gasthaus „Becher“, dessen Türeingang mit den Handwerkszeichen beide gerade bewundern, kommen wir ins Gespräch. Tina ist 32 Jahre alt und Zimmerin, Fritz ist 28 Jahre alt und – Überraschung – Koch. Ja, auch Köche können durchaus auf die Walz gehen, schmunzeln beide.

Die Suppenschüssel an der Kette

Sein Ohrring in Form eines Löffels und die Miniatur-Suppenschüssel an der Kette vor der Brust sind bei genauerem Hinsehen nur einige eindeutige Zeichen. „Da wechsle ich immer mal durch“, sagt Fritz bezüglich der vielen kleinen Accessoires, die seine Kluft schmücken. Ganz deutlich wird seine Branche durch den Pepitastoff seiner Weste – der steht für die Lebensmittel-Gewerke.

Bei Tina wird der Zimmermannsberuf durch ihre Kluft gleich deutlich – den Handwerksberuf hat sie übrigens erst nach einem Tourismus-Studium ergriffen. Während die 32-Jährige aus der Rhön in Unterfranken kommt, ist Fritz aus München. Das Paar ist schon seit November 2023 auf der Walz – „wir sind nicht ununterbrochen zusammen unterwegs, aber doch oft“, sagt Tina.

Frisch aus Spanien eingetrudelt

Und wie verschlägt es die beiden nun nach Rottweil? Sie wollen hier Bekannte treffen, sagt die Zimmerin. Zuvor waren sie in Spanien, um dem deutschen Winter etwas zu entfliehen. Sie seien über Frankreich hingetrampt und jetzt auch wieder zurückgetrampt. Bis Sigmaringen seien sie mitgenommen worden, von dort aus ging es dann nach Rottweil. „Es lief super“, lacht Tina. Während man in Spanien durchaus auch mal zwei Stunden lang an der Straße stehe, sei die maximale Wartezeit in Deutschland „etwa drei Minuten“.

Es geht auch ohne Handy

Die Regeln, die für sie auf der Walz gelten, dürften manch anderen in einige Verzweiflung stürzen. Sie dürfen für Transport und Unterkunft kein Geld ausgeben – und sie haben auch kein Handy. Darum müssen sie sich nun in Rottweil erst einmal durchfragen, um ihre Bekannten zu treffen. Und immer wieder wird natürlich gearbeitet. Fritz will in Rottweil als Koch tätig werden. Und Tina ergänzt, dass es nicht immer darum geht, Geld zu verdienen. Sie arbeiten auch für gemeinnützige Projekte. Und natürlich wollen sie sich durch ihre Arbeit auf der Walz auch stetig weiterbilden und Neues dazulernen.

Viel Gastfreundschaft erfahren

Alles in allem wirken beide geradezu beneidenswert entspannt. „Wir haben schon viel Gastfreundschaft erfahren“, sagt Tina zu ihrer bisherigen Walz. Und die ist noch lange nicht vorbei. Die Pflichtdauer ist „drei Jahre und ein Tag“ – bis November 2026 sind sie also auf jeden Fall noch unterwegs. Stets haben sie dabei natürlich die 50-Kilometer-Grenze im Blick, die sie auf Abstand zu ihren Heimatorten bleiben müssen.

„Und danach kommt dann vielleicht noch die Kür“, sagt Tina schmunzelnd, denn die Walz muss nach drei Jahren und einem Tag noch nicht zu Ende sein. Man traut den beiden durchaus zu, dass sie ihre Walz noch einmal verlängern. Jetzt schauen sie sich auf jeden Fall erst einmal Rottweil an. „Ein super schönes, altes Städtchen“, sagen sie. Und sie müssen es wissen – sie haben schließlich schon viele, viele Orte gesehen.