Pfarrer Steffen Jelic (links) und Pater Tijo – beide verlassen noch in diesem Jahr die Kirchengemeinde Friesenheim. Foto: Bohnert-Seidel

Pfarrer Steffen Jelic hat am Sonntag angekündigt, bis Mitte Oktober Friesenheim zu verlassen. Von großem Schock bis Ernüchterung ist in den Pfarreien der großen Katholischen Kirchengemeinde Friesenheim die Rede.

Die Meldung zum Weggang von Pater Tijo bis zum 15. Juni ist in Friesenheim noch nicht einmal richtig verdaut, da erhielt die Katholische Kirchengemeinde eine weitere Schocknachricht: Pfarrer Steffen Jelic kündigte am Sonntag nach Gottesdiensten in Oberweier und Friesenheim an, die katholische Kirchengemeinde Friesenheim Ende Oktober zu verlassen. Er wird zum 1. November eine neue Stelle in der Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Durlach-Bergdörfer antreten. Zwölf Jahre war er in der Gemeinde der leitende Pfarrer.

 

Unsere Redaktion hat sich in der Kirchengemeinde am Dienstag umgehört. Für Karl Hermann Beiser, ehemaliger Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Oberschopfheim, sei die Nachricht sehr überraschend gekommen. „Ich habe eher vermutet, dass er erst gehen wird, wenn wir zu Lahr gehören.“ Dass nun Pater Tijo und Pfarrer Jelic gehen, dass sei schon ein großer Schock. Mit einer Halbtagsstelle für die Position von Pater Tijo dürfte auch nicht geholfen sein, so Beiser. „Irgendwann wird wohl niemand mehr durchblicken, wer für uns überhaupt zuständig ist. Die Menschen sind definitiv verunsichert.“

Nachricht von Erzdiözese wird gefordert

Für Andrea Bergner, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenchors und Ehrenamtliche in der Liturgie und Familiengottesdienst aus Heiligenzell, sei eines gewiss: „Noch mehr wird wohl am Ehrenamt hängen bleiben.“ Sie sei nun gespannt, wie lange die anderen Hauptamtlichen noch durchhalten.

„Dass zwei bedeutende Seelsorger gehen, stellt uns als Kirchengemeinde vor immense Herausforderungen. Ich halte das Ganze für eine ganz unglückliche Entscheidung“, erklärte Mesnerin Annerose Lauer aus Oberweier gegenüber unserer Redaktion und geht von weiteren Einschränkungen in den Pfarreien aus. „Am Sonntagmorgen war ich ganz einfach nur geschockt. Es hat mir geradezu die Sprache verschlagen“, sagte sie.

Ehrenamtlicher Guido Leberl aus Schuttern betrachtet die Entscheidung etwas nüchterner: „Pfarrer kommen und Pfarrer gehen wieder. Wichtig ist, dass die Kirchengemeinde vor Ort zusammensteht. So sagte das bereits Pfarrer Alexander Hafner als er vor 13 Jahren gegangen ist.“ Leberl ist der Meinung, dass das Entwicklungen sind, mit denen eine Kirchengemeinde leben muss.

Gerold Kadenbach, Mitglied im Pfarrgemeinderat, blickt ein wenig weiter in die Zukunft: „Vielleicht ist diese Entwicklung jetzt ein Vorgriff auf das, was die Kirchengemeinde im Jahr 2025/26 bereithält. Wir bekommen einen Kurat, aber einen leitenden Pfarrer für unsere Kirchengemeinde werden wir nicht mehr bekommen.“

Für die Friesenheimer ehrenamtliche Helferin Hilde Böhnemann war die Nachricht „ein heftiger Schlag“. „Vor allem, weil wir zwei wunderbare Menschen verlieren.“ Jetzt bereite ihr der große Zusammenschluss noch mehr Angst. „Von der Erzdiözese erwarte ich eine baldige Nachricht darüber, wie es weiter geht.“