Leerstände, Baustellen, Mega-Projekte – die neue Innenstadtmanagerin Bibi Deibler-Saile will Rottweil mit kreativen Ideen fit für die Zukunft machen.
Sie ist bestens vernetzt und hat eine Mission: Seit vier Monaten ist die neue Rottweiler Innenstadtmanagerin Bigi Deibler-Saile zentrale Anlaufstelle für die Rottweiler Händler, Gastronomen und Dienstleister.
Bei den vielen anstehenden Projekten eigentlich ein Full-Time-Job. Doch so viel Zeit hat die neue Innenstadtmanagerin nicht. Die städtische Haushaltslage lässt nur 65 Prozent zu. Die Finanzierung der Stelle ist nur möglich, weil mehrer Partner im Boot sitzen. Gewerbe- und Handelsverein sowie über 20 Unternehmer und Freiberufler sponsern die Stelle.
Das zeigt auch, welche Bedeutung dem Rottweiler Innenstadtmanagement zukommt. Über erste Erfolge können sich Deibler-Saile und die Wirtschaftsförderung jedenfalls bereits freuen. Beispiel Nummer 1: die neue Rottweil Card. Seit dem Start am 8. November beteiligen sich bereits 45 Geschäfte. „Und es kommen weitere Anfragen“, erzählt Bigi Deibler-Saile. Rund 1000 Karten sind im Umlauf – mit einem Geldwert von etwa 25 000 Euro.
Auch Unternehmen zeigen Interesse. Sie können die Rottweil Card als steuerfreien Sachbezug für ihre Mitarbeiter nutzen. Gespräche laufen – und diese sind für die neue Innenstadtmanagerin ohnehin essenziell.
Der kurze Draht
Deibler-Saile legt Wert auf einen kurzen Draht und Ansprechbarkeit. „Vermitteln“, „Vereinfachen“, „Schwellen abbauen“, „Brücken schlagen“ – das sind Begrifflichkeiten, die im Gespräch mit der Innenstadtmanagerin hängenbleiben. Da wird sie eindringlich, da wird ihr Anliegen greifbar. Die Herausforderungen, die Rottweil in den kommenden zwei Jahren – die Landesgartenschau im Nacken – zu meistern hat, sind immens. Da ist reden Gold.
Ein Thema, das trotz Mega-Projekten, wie Hängebrücke, Baustelle und eben der LGS, an der Wirtschaftsförderung klebt, zäh wie ein Kaugummi, sind die Leerstände. Natürlich tut sich hier und da etwas in der Stadt. Aufbruchstimmung ist spürbar. Dennoch verliefen Hoffnungsträger wie der Gründerwettbewerb irgendwie im Sand. Keiner der Preisträger – die Küchenschelle ausgenommen – siedelte sich in Rottweil an. Die Gründe, so Bibi Deibler-Saile, seien mannigfaltig.
Neue Konzepte gegen Leerstände
Um Leben in die leerstehenden Ladenflächen zu bekommen, seien deshalb auch unkonventionelle Konzepte nötig. Bestes Beispiel: die eigene kleine Ladenfläche im Haus ihrer Familie in der unteren Hauptstraße. Diese war schon Ausstellungsfläche, Seniorencafé und ist derzeit Pop-Up-Büro. Mit einer flexiblen Einrichtung sei vieles möglich.
Zudem verfüge die Stadt über einen Werkzeugkasten, um Eigentümer bei der eigenen Nutzung und Gestaltung ihrer Ladenflächen oder der Vermietung zu unterstützen. „Wir bringen Interessenten mit Besitzern zusammen.“ Dies trage dazu bei, dass sich die Dauer eines Leerstands verkürze. Zudem gibt es seit 2024 das städtische Mietförderungskonzept, bei dem im ersten Jahr 70 Prozent der Nettokaltmiete je Monat von der Stadt übernommen werden. Das Konzept richte sich sowohl an Gründer, als auch an Händler, die ein Geschäft übernehmen, verlagern oder erweitern.
„Pro Jahr sind das etwa drei bis vier förderfähige Konzepte“, erklärt die Innenstadtmanagerin. Aktuelles Beispiel seien etwa die „Wohnraum-Stylisten“ in der Flötlinstorstraße oder Pattys Konditorei ein paar Meter weiter in der Waldtorstraße. „Aktuell kann man sich für 2026 bewerben“, ergänzt Bibi Deibler-Saile.
Ladenbesitzer profitieren
Auch die Sanierung von Ladenflächen kann über das innerstädtische Sanierungsprogramm gefördert werden. „Hier bringe ich natürlich Erfahrungswerte mit, weil wir ja selbst unser Haus kernsaniert haben“, betont Deibler-Saile.
Allerdings will auch ein sanierter Laden mit Leben gefüllt sein, weshalb die neue City-Managerin beim Thema Ideen und Gründung eine Stufe tiefer ansetzen möchte, wie das bisher der Fall war. Einen Vorgeschmack gab es bereits. Und zwar mit dem Format „Cheers to Ideas“ – einem Ideenabend für Gründungswillige. „Wenn jemand eine Idee hat und noch nicht weiß, wie er das machen soll. Dann ist er hier genau richtig“, wirbt Deibler-Saile. Es gehe darum, eigene Ideen zu entwickeln und verschiedene Ideen zusammenzubringen. Angesprochen fühlen dürften sich auch Schülerfirmen, für die es einen eigenen runden Tisch geben soll.
Und: das ist Deibler-Saile besonders wichtig. Auch Scheitern muss erlaubt sein.
Friedrichsplatz und Hängenbrückeneröffnung
Eine der großen Herausforderungen der kommenden Monate – neben der Eröffnung der Hängebrücke – wird die Mega-Baustelle am Friedrichsplatz sein. „Wir müssen schauen, dass die Leute trotzdem gerne in die Stadt kommen.“ Die Umbauphase wird keine leichte Nummer für den Einzelhandel. Derzeit würden Gespräche mit den beteiligten Akteuren geführt. „Da können wir in ein paar Wochen mehr sagen.“
Gleiches gelte für die Hängebrücke. Da braucht es ein schlüssiges Konzept. Die Gäste, die mit der Eröffnung der Hängebrücke ab dem Wochenende 24. bis 26. April in die Stadt kommen, müssten an der Großbaustelle am Friedrichsplatz vorbei in die Stadt gelenkt werden. „Wir wollen die Leute in der Stadt haben“, betont Deibler-Saile. Die Brücke sei die einzige ihrer Art, die in ein urbanes Zentrum führe – das müsse man unbedingt nutzen.
Präsenz zeigen
„Wir wissen, dass wir da sein müssen“, sagt die Innenstadtmanagerin. Deshalb wolle sie noch mehr unterwegs sein, noch mehr Begegnungsformate schaffen. Aus diesem Grund sei es gut und richtig, dass ihre Stelle nun bei der Wirtschaftsförderung direkt angesiedelt sei. Die Wege seien kurz und so könne man schnell und flexibel reagieren.
Aktuelles Thema: die Parkgebühren. Das diese in beiden Parkhäusern Stadtmitte Nord und Süd an den Adventssamstagen wegfallen, sei gemeinsam mit dem GHV/Rottweil aktiv erarbeitet worden. Der Samstag sei wichtig für den Handel, in Kombination mit dem Weihnachtsmarkt ziehe er viele Kunden in die Stadt. Und dennoch sei man dabei „weitere Dinge zu überlegen“ – Dinge, die einerseits die Vorteile der beiden Parkhäuser hervorhebe und andererseits den Rottweiler Einzelhändlern zugute kommen.