Rund um den Reifenwechsel kursieren zahlreiche Faustregeln und ebenso viel gefährliches Halbwissen. Der ADAC klärt auf und gibt Tipps für Autofahrer.
Milde Winter im Dezember und Schnee im Februar – der Klimawandel verändert auch den Alltag auf deutschen Straßen. Eine alte Faustregel lautet zum richtigen Zeitpunkt des Reifenwechselns lautet „Von Oktober bis Ostern“ – kurz „von O bis O“. Doch angesichts der klimatischer Veränderungen stellt sich die Frage, ob dieser Merksatz noch zeitgemäß ist. Unsere Redaktion hat dazu den ADAC befragt.
Klar ist: Eine feste Frist gibt es nicht. In Deutschland greift stattdessen die sogenannte situative Winterreifenpflicht. Das bedeutet: „Bei Glatteis oder Schnee müssen Pkw Winterreifen aufgezogen haben. Anders ausgedrückt: Bei winterlichen Straßenverhältnissen sind Sommerreifen verboten“, erklärt Julian Häußler, der Unternehmenskommunikation des ADAC.
Höhere Temperaturen, kürzerer Bremsweg, weniger Verschleiß
Doch hier liegt das Problem: Was als „winterlich“ gilt, ist nicht immer eindeutig. Bei Verstoß gegen die Verkehrsvorschriften drohen Bußgelder.
Orientierung bietet neben „von O bis O“ auch die sogenannte „7-Grad-Regel“. Dazu sagt Häußler: „Die Faustformel, nach der man Winterreifen bei Temperaturen von dauerhaft unter sieben Grad Celsius benutzen sollte, basiert darauf, dass Winterreifen bei Kälte durch ihre weichere Gummimischung Vorteile bieten. Sommerreifen hingegen ermöglichen bei höheren Temperaturen bessere Haftung, kürzere Bremswege und weniger Verschleiß.“
Entscheidend sei dabei nicht ein einzelner kalter Tag. Vielmehr komme es auf eine stabile Wetterlage ohne Frost oder winterliche Straßenverhältnisse an.
Ganzjahresreifen werden immer gefragter
Vor diesem Hintergrund greifen immer mehr Autofahrer zu Allwetterreifen. Doch auch hier gibt es Einschränkungen: „Ganzjahresreifen werden immer beliebter. Für Menschen, die eine geringe Jahresfahrleistung haben und in schneearmen Regionen wohnen, können Ganzjahresreifen eine echte Alternative sein“, erklärt Häußler.
Gleichzeitig warnt er: „Trotz des Klimawandels gibt es in Baden-Württemberg häufig genug winterliche Straßenverhältnisse, bei denen Winterreifen klar im Vorteil sind. Wer also viele Kilometer pro Jahr fährt und auch zum Skifahren in die Berge möchte, kommt an Winterreifen nicht vorbei. Ähnlich sieht es im Sommerurlaub für die lange Fahrt nach Italien aus – hier sind Sommerreifen die beste Wahl.“
Der ADAC empfiehlt deutlich mehr Profiltiefe
Auch beim Wechsel auf eingelagerten Reifen sollten Autofahrer genau hinschauen – insbesondere auf die Profiltiefe.
Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 Millimeter. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ADAC jedoch drei Millimeter bei Sommerreifen und vier Millimeter bei Winterreifen.
Häußler gibt dazu einen praktischen Hinweis: „Für die Sommerreifen lässt sich das ganz einfach mit einer Ein-Euro-Münze messen, denn der goldene Rand ist exakt drei Millimeter breit. Verschwindet der Goldrand, kann man bedenkenlos weiterfahren. Ist ein Teil des goldenen Rands jedoch sichtbar, sollte man bald über einen Reifenwechsel nachdenken.“
Und was bleibt von der Faustregel „von O bis O“? Als grobe Orientierung hat sie durchaus weiterhin Berechtigung. Entscheidend bleibt jedoch der Blick auf die tatsächlichen Wetterverhältnisse, insbesondere in höheren Lagen. Denn: „Schnee gab es schließlich auch schon mal noch Ende April“, erinnert sich ein Mitarbeiter der Technikabteilung des ADAC.