Biagio Sica inzwischen privat und ganz entspannt. Foto: Rohde

Zwölf verschiedene Vereine, 15 Stationen als Spieler und Spielertrainer, zwei Landesverbände, vier verschiedene Bezirke, fünf Landkreise  – kaum ein anderer als der gebürtige Rottweiler Biagio Sica kann in der Fußball-Zwangspause so viel von seinen zahlreichen ehemaligen Stationen erzählen.

Mit Anekdoten und Einblicken aus über 35 Jahren Fußball-Leidenschaft im Jugend- und Herrenbereich. Die unterschiedlichen Strukturen und Mentalitäten in den Clubs, mit den zahlreichen Trainern, darunter einige Ex-Profis, von denen er viel lernte. Der 44-Jährige lebt heute in Radolfzell am Bodensee mit seiner Familie. "Hier ist es wunderschön am See", verband er schon vor einigen Jahren Fußballsport, Beruf und Privatleben auf der Mettnau. Doch im Herzen ist und bleibt er immer ein Rottweiler. Familie, Fasnet, Freunde verbindet der Ex-Kicker mit der Neckarstadt. 

Bei allen Topvereinenin der Region aktiv

Seine fußballerische Karriere ist ungewöhnlich. Bei zwölf Vereinen spielte er oder war er Spielertrainer. Er war nie Profi. Was ihn dabei dennoch so besonders macht: Sica spielte zu seiner Zeit bei allen Topvereinen in der Region. Er war in sieben Spielklassen aktiv von der Oberliga bis zur Kreisliga C: FV 08 Rottweil, SV Zimmern,  FC 08 Villingen, Bahlinger SC, FC Radolfzell, FV Donaueschingen, BSV 07 Schwenningen, VfB Bösingen, SV Spaichingen, SpVgg. 08 Schramberg, SV Waldmössingen, SV Herrenzimmern. "Da habe ich eine Menge mitgemacht. Es waren immer tolle Erlebnisse, weil ich zahlreiche Menschen kennengelernt habe und Kontakte mit Freundschaften bis heute geblieben sind. Nur die genaue Reihenfolge bekomme ich gar nicht mehr zusammen, dafür erinnere ich mich im Detail an besondere Momente." Sica kann also nachvollziehen, was der nun schon seit März 2020 über weite Teile niedergestreckte Amateurfußball derzeit durchmacht. "Vor allem für die Kinder und Jugendlichen ist es grausam und bitter. Ich hoffe, dass es bald endlich wieder möglich ist und erlaubt wird normal zu trainieren. Sonst werden wir die Folgeschäden der ausbleibenden sportlichen Betätigung in diesen Altersklassen böse zu spüren bekommen." 

Seine Laufbahn startete er ab den F-Junioren beim FV 08 Rottweil. "Bis zur A-Jugend habe ich dort alle Teams durchlaufen." Dann begann seine Aktivenzeit. Mit dem ersten Erfolg 1997. "Da sind wir mit Armin Stoll Bezirksliga-Meister geworden und in die Landesliga aufgestiegen." Mit Reiner Scheu kam ein bekannter neuer Trainer zum Nullacht, doch in der Winterpause in der Landesliga-Meistersaison, weil ich dort keine Chance mehr hatte, bin ich zum SV Zimmern gewechselt." Dort entwickelte er sich unter Edgar Beck und Alexander Teufel weiter, konnte jedoch den Abstieg in die Bezirksliga nicht verhindern. "So etwas gehört im Fußball dazu, ein Auf und Ab."

Wie in seiner sportlichen Entwicklung. Warum hat er so oft gewechselt? Klebt einem da nicht das Image des Wandervogels an? "Ja es stimmt, ich bin oft gewechselt. Doch wen immer man dort fragt: Ich habe stets alles für meine Teams gegeben und deswegen Vorurteile bei den Fans oder im Umfeld meist schon nach dem ersten Spiel weggewischt."

Dies hatte mit seinen Eigenschaften zu tun: Im zentralen Mittelfeld, als Abwehrspieler in Viererketten, stets sah man den Deutsch-Italiener als Arbeitsbiene kampfstark, laufstark, engagiert 90 Minuten über den Platz marschieren. In der Kabine gab er mit guter Laune ebenso gerne Vollgas. Ehrgeiz, Geduld, Beharrlichkeit, Willenskraft. Diese führten ihn bis in die Oberliga. "Ich war kein begnadeter Edeltechniker oder Torjäger, aber immer mannschaftsdienlich, hab mir alles hart erkämpft", was diversen Trainern immer wieder positiv auf fiel.

(hor). Neben dem FV 08 Rottweil gelang Biagio Sica mit der SpVgg. 08 Schramberg und dem FC Radolfzell weitere zweimal der Landesliga-Aufstieg.

"Rottweil 1997 war ein großartiger Moment, das erste Landesligaderby beim SV Zimmern vor 1700 Fans und Dubravko Herceq sowie Marc Digeser trafen zum 2:1-Sieg. In Schramberg als Meister mit einem Trainer Onur Hepkeskin, wie ich bis dato noch keinen so professionell organisiert erlebt hatte auf diesem Niveau. Ich spielte Außenverteidiger und war auf meine Flanken stolz die zu 36 Treffern führten. Mit Radolfzell unter Robert Horvath war es ein Erlebnis in der Aufstiegsrunde als wir beim FC Klengen mit 4:1 gewannen."

Radolfzell Sprungbrett zum FV 08 Villingen

Radolfzell war in der Landesliga dann sein Sprungbrett in die Oberliga zum FC 08 Villingen. "Wir gewannen damals in der Liga gegen die 08-Zweite mit 4:2 und ich bereitete alle Tore vor. Trainer Milorad Pilipovic (Ex-Profi in Freiburg und Karlsruhe) saß auf der Tribüne und lud mich zum Probetraining ein. Dort durfte ich mit dem Brasilianer Toco in einem Team spielen – drei Flanken von mir, drei Tore von Toco – kurze Zeit später hatte ich den Vertrag auf der Tribüne unterschrieben", blick Biagio Sica auf seine Laufbahn zurück.

"In der damals 4. Liga habe ich aber gemerkt, dass ich am Limit bin", machte er eine kurze Stippvisite zum Bahlinger SC mit acht weiteren Oberligaspielen. Ex-KSC-Stürmer Rainer Scharinger holte ihn. "Da haben wir mit Villingen dann mal bei Waldhof Mannheim vor 4000 Zuschauern gespielt. Bei denen liefen die Altstars Maurizio Gaudino und Dirk Schuster auf. Ich wollte unbedingt ein Autogramm vor dem Spiel im Kabinengang. Gaudino fragte mich wie mein Sohn heißt, dabei wollte ich das für mich. Den Zettel habe ich mir dann in den Stutzen gesteckt bis nach dem Spiel", muss Sica heute darüber schmunzeln.

Weiter geht seine Reise quer durch Südbaden und Württemberg. Unter Rosario Vetere spielte er beim FV Donaueschingen in der Verbandsliga. Zum SV Waldmössingen kam er über einen Espresso mit Bierdeckel in der Mittagspause in seinem damaligen Café. Und beim BSV 07  Schwenningen landete er beim Reifenkauf in Rottweil. "Ja, so war es eben, manchmal spielte der Zufall eine Rolle." Beim BSV erinnert sich Biagio Sica noch genau daran, "dass ich über 60 Telefonate führen musste, um  bis zum Sommer eine Mannschaft zusammenzustellen. "Es war eine geile Truppe, obwohl wir als gekaufte Söldner bezeichnet wurden.

Auch Entlassungen gehörten dazu

Vor dem Topspiel damals gegen den SV Seedorf, der als Spitzenreiter alle neun Partien zuvor gewann, machte ich meine beste Motivationsrede als Trainer in der Kabine – wir gewannen mit 3:1. Leider wurde ich in der Saison dann entlassen."

Inzwischen war Sica schon jenseits der 30 und hatte viel erlebt. Für viele überraschend landete der "Stadtmensch“ beim Dorfclub VfB Bösingen. "Michael Neumann war Trainer, allerdings fingen da langsam meine gesundheitlichen Probleme an mit der Hüfte, ich war schon 34." Dies führte in Langzeitfolge bei Sica 2020 zu einer Operation. "In der Reha habe ich mir dann leider einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen." Bei seinen letzten Stationen im hohen Fußballalter ging er auch noch einmal in ganz niedrige Klassen. Beim SV Herrenzimmern II in der Kreisliga C und zum SV Zimmern II, mit dem er in der Kreisliga B Meister wurde und aufstieg.

"Jetzt freue ich mich, wenn man irgendwann man wieder Fußballspiele auf dem Sportplatz ansehen kann. Es ist beeindruckend gewesen, wenn ich über 35 Jahre zurückblicke, wie viel Ehrenamt gefordert war und ist, auf dem Sportplatz, hinter den Kulissen, im Sportheim. Ebenso was im Amateurfußball für Geldsummen bewegt werden. Ich hatte wertschätzende Stationen bei völlig unterschiedlichen Clubs, die ich nicht missen möchte." Für die Zukunft wünscht sich Biagio Sica, "dass die Vereine alle überleben und das Niveau im Jugendfußball und bei den Aktiven nicht zu sehr leidet."

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