Sommerserie: Auf einen Kaffee mit Lucia Katzenstein, die vor 25 Jahren ins Dreiländereck kam und sich hier vielfach engagiert.
Mit den Menschen in Kontakt zu kommen, war für Lucía Katzenstein nach eigenen Worten nicht schwer, als sie als junge Mutter dreier Kinder mit ihrem Ehemann, dem langjährigen Weiler Stadtrat und Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler Eugen Katzenstein, nach Haltingen kam.
Über die katholische Kirche hat sie dort schnell Anschluss gefunden. Die Initiative dazu ging von ihr selbst aus: Sie gründete einen internationalen Frauentreff. Sich zu integrieren, Anschluss zu finden im neuen Land, das war ihr von Beginn an ein tiefes Bedürfnis.
Ein weiterer Anknüpfungspunkt: Die bereits bestehende Peru-Partnerschaft der Kirchengemeinde war der Grund dafür, dass viele Haltinger Katzensteins Heimatland bereits kannten.
Nach einiger Zeit entstand die Idee, gemeinsam zu singen. So entstand der Chor International. Die bunt gemischte Gruppe aus der ganzen Region probt jede Woche bei Katzensteins im Keller. Der Chor tritt regelmäßig auf, zuletzt beim Miteinanderfest in Friedlingen, und immer in der Vorweihnachtszeit in der Haltinger Kirche.
Vor der Hochzeit den Partner auf die Probe gestellt
Bevor sie ihrem Ehemann in dessen Heimatort Haltingen folgte, habe sie ihn im Stillen auf die Probe gestellt, berichtet Lucía Katzenstein.
Denn in der Schweizer Firma in Lima, wo sich das Paar kennenlernte, hatten die dort arbeitenden Deutschen erst einmal keinen allzu guten Eindruck bei der jungen Peruanerin hinterlassen.
Die Familie und ein gutes Miteinander sind ihr wichtig
Sie beklagten sich in einem fort über die Zustände in Peru, erinnert sie sich: über Unpünktlichkeit, über das Essen und vieles mehr. Der Ruf eilte ihnen voraus, sparsam, ja knausrig zu sein.
Nichts davon traf bei Eugen Katzenstein zu. Und so ließ sich die wissbegierige junge Frau gespannt darauf ein, seine Familie in Haltingen zu besuchen.
Diese empfing sie sehr herzlich. Ihre Entscheidung war gefallen: Die beiden heirateten.
Erste Schritte im neuen Land in Stuttgart
Angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse in ihrem Heimatland schien es ihr sinnvoll, ihre Kinder in einem sicheren Land aufwachsen zu lassen.
Und so brach sie auf ins Abenteuer Deutschland, das nach weiteren drei Jahren in Mexiko für die Familie Katzenstein damals in Stuttgart begann. In Mexiko hatte sie Sprachkurse im Goethe-Institut besucht.
Dennoch war es anfangs nicht ganz leicht für die junge Mutter eines behinderten Sohnes, die in Stuttgart niemanden kannte. Über die große lateinamerikanische Community fand sie schnell Anschluss.
Die Namen ihrer drei Kinder beginnen mit M, so wie ihrer
Wenig später wieder ein Wechsel: Die Familie zog in Katzensteins Elternhaus in Haltingen. Mittlerweile gehörten drei Kinder dazu. Neben dem erstgeborenen Mauricio waren das Macarena und Maximiliano. Alle drei Namen beginnen mit dem Buchstaben M, so wie in voller Länge auch ihr eigener: Maria Lucía.
Lucía Katzenstein organisiert gern: Sie kümmert sich um die Vermietung von Ferienwohnungen. Für den Weiler Lions Club, dem sie seit vielen Jahren angehört, hat sie mehrere Reisen geplant: nach Peru, Mexiko und Schottland.
Vertrautes Hin und Her zwischen Kulturen
Es sei erstaunlich gewesen, sagt sie im Rückblick: Während ihr Mann bald Sehnsucht gespürt habe nach Lateinamerika und Mexiko, fühlte sie sich hier ganz angekommen und hatte kein Heimweh.
Man muss sich an seine Umgebung anpassen, ist die weltläufige Peruanerin überzeugt. Ihre Mutter stammte aus Brasilien, weshalb sie auch Portugiesisch spricht. Seit sie denken kann, ist sie zwischen den beiden Ländern hin- und hergependelt – das Schuljahr über war sie in Lima, in den Sommermonaten in Brasilien.
Zu einer gelungenen Integration gehört für sie neben der deutschen Sprache, die sie perfekt beherrscht, sich aktiv einzubringen ins gesellschaftliche Leben. Neben ihren Aufgaben in der Kirche und bei den Lions engagierte sie sich als Elternvertreterin im Kindergarten und in der Schule. Zuhause gab sie den Kindern ihre Sprache und Kultur weiter. Familiensprache war Spanisch.
Sie liebt das Laufen und das Reisen
In ihrer neuen Heimat Markgräflerland liebt sie besonders die Natur. Jeden Tag ist sie mit ihrem Neufundländer Munay draußen und läuft lange Strecken.
Dies auch als Vorbereitung für den Jakobsweg, den sie demnächst mit drei Schulfreundinnen aus Lima vom portugiesischen Porto aus erwandern wird. Aus Peru, den USA und Heidelberg reisen die Freundinnen an. „Ich denke, es gibt bestimmt viel zu erzählen“, freut sie sich.
Nach Peru fährt Katzenstein seit dem Tod ihrer Mutter vor einigen Jahren nur noch selten. Einmal im Jahr kommt ihr 84-jähriger Vater nach Haltingen. Ihr Bruder lebt in Finnland, ihre Schwester in der Schweiz. Besonders wohl fühlt sie sich in dem Wochenendhaus der Familie in Todtnau-Präg, am Dorfrand, fast im Wald. Und sie reist gern in andere, unbekannte Länder: „Immer, wenn ich kann, packe ich meine Koffer und fahre los“.