Ritual nach Siegen: Die Torschützen dürfen die Glocke läuten. Foto: Lauravonkampenphotography

2019 wagte Max Bisinger den Sprung vom beschaulichen Heiligenzimmern in die USA. Studium und Fußball laufen parallel - und Bisinger hat sich durchaus einen Namen gemacht. Mit unserer Redaktion hat er über das Studentenleben in den USA, seine Position, Ziele und vieles mehr gesprochen. 

Der SV Heiligenzimmern ist sein Heimatverein, und nachdem er in den Aktivenbereich gekommen ist, lief Max Bisinger zunächst auch für die Mannschaft vom Rotenbühl auf. Doch seit 2019 tauscht er das blau-weiße Trikot zumeist ein – denn mit einem Stipendium spielt er in den USA und den dortigen College-Wettbewerben.

 

Erst Reutlingen dann Colorado

Erstmals hatte er sich darüber bereits vor seinem Abitur informiert. "Ich war damals schon bei einem Probetraining in Köln. Zunächst habe ich aber ein klassisches Studium in Reutlingen angefangen." Doch Bisinger merkte schnell, dass er so nicht wirklich zufrieden ist. "Ich habe für mich gesagt, dass ich das mit 18 noch nicht so machen möchte und wollte den Fußball möglichst ein wenig ernster nehmen." Gesagt, getan: Im zweiten Anlauf ging es für den heute 23-Jährigen in die Staaten.

"Das System in den USA ist eine Geschichte für sich." Vereinfacht gesagt: Ein Regelstudium in den USA dauert vier Jahre. Es gibt aber auch sogenannte "Junior Colleges", auf denen man die ersten zwei Jahre davon verbringen kann. "Die sind nicht ganz so hoch angesehen, aber auch etwas günstiger. An den Top-Unis zahlt man schon mal 80.000 Dollar im Jahr", berichtet Bisinger. Er selbst startete an einem Junior College in der Nähe von Denver, ging nach einem Jahr nach Michigan und anschließend zwei Jahre an eine Uni in Nebraska. Dort hat er Ende 2022 seinen Bachelor fertiggemacht.

Harte Konkurrenz

Für Bisinger spielt der akademische Part durchaus eine große Rolle, denn er meint: "Das Stipendium bekommt man durch eine Kombination aus sportlichen und schulischen Leistungen. Da mein fußballerischer Background ja nicht so besonders ist, habe ich da sicher von den akademischen Leistungen profitiert." Was Bisinger meint: Als Bezirksligakicker konkurriert er mit Spielern, die Erfahrung in Nachwuchsleistungszentren haben oder im Ausland höherklassig unterwegs waren. Das Niveau variiert seiner Aussage nach von der Verbands- bis hin zur Regionalliga.

Umso mehr kann sich aber sehen lassen, wie die vergangenen vier Jahre fußballerisch verlaufen sind. "Ich war eigentlich fast immer Stammspieler. Zweimal haben wir in unserer "Conference" den Titel geholt, also es lief insgesamt schon sehr gut." Hinzu kommt: Der eigentlich offensiv ausgerichtete Heiligenzimmerner agiert in den USA als Innenverteidiger und hat richtig Spaß an dieser Position gefunden: "Das war eine bewusste Entscheidung. Da mir die meisten anderen Spieler einfach etwas voraus waren, habe ich auf dieser Position die besten Möglichkeiten für mich gesehen. Man hat etwas mehr Zeit am Ball, kann zudem viel mit Mentalität und Kommunikation machen."

Mentalität hilft

Stichwort Mentalität: Die Saison dauert jeweils nur drei Monate, um Überschneidungen mit anderen Sportarten weitestgehend zu vermeiden. Verletzt man sich in diesem Zeitraum, kommt man also das ganze Jahr nicht zum Spielen. "Das ist schon ein Punkt. Ich habe daher mal drei Monate mit einer Schambeinentzündung durchgespielt", so Bisinger. Dass der Aufwand sich lohnt, zeigt die vergangene Saison. Bisinger war Kapitän seiner Mannschaft, wurde ins All-Star-Team und zudem zum "All-American" – also einem der besten Spieler gewählt. In den nächsten eineinhalb Jahren macht er in South Carolina seinen Master. Wie soll es danach weitergehen?

"Ich möchte mir, so lange es geht, alle Optionen offenhalten. Ich habe die UEFA B-Lizenz gemacht, studiere aktuell BWL und spiele ja selbst Fußball. Mal sehen, was sich ergibt. Angenommen, ich hätte die gleichen Optionen in Deutschland und den USA – dann würde ich vermutlich zurückkommen", erläutert Bisinger.

Beste Entscheidung

Nichtsdestotrotz bereut er seinen Weg keineswegs. "Es war rückblickend die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Man lernt viele neue Leute und Kulturen kennen." Einen Tipp für mögliche Nachahmer hat er auch: "Man muss sich vorher sehr gut informieren. Wenn man bisher nicht höherklassig gespielt hat, muss man sehr, sehr viel Energie investieren."