Auf der Bahnstrecke zwischen Hechingen und Horb – hier der Bahnübergang beim Staufenburger Hof, Blickrichtung Rangendingen – wird vorerst weiter nur der Güter- und Freizeitverkehr „Eyachtäler“ fahren. Foto: Kauffmann

Vorerst keinen finanziellen Spielraum sieht das Land Baden-Württemberg, um die Reaktivierung der Eyachtalbahn in Angriff zu nehmen. Das ist der aktuelle Stand.

Mit dem Zug von Hechingen nach Haigerloch und Horb. Das verspricht die Reaktivierung der Eyachtalbahn; dieser hat das Verkehrsministerium des Landes im Jahr 2020 zumindest ein „mittleres Nachfragepotenzial“ bescheinigt.

 

Mindestens einen Dämpfer erhielten nun jene, die gehofft hatten, dass auf der Bahnlinie zwischen Hechingen und Horb in naher Zukunft tatsächlich wieder ein regulärer Personennahverkehr eingerichtet wird.

Tobias Bernecker, Geschäftsführer Zweckverband Regionalstadtbahn, teilte den Hechinger Stadträten in deren jüngsten Sitzung am Rande mit, dass das Land derzeit keinen Spielraum für eine Reaktivierung der Eyachtalbahn sehe. Demnach habe das Land Baden-Württemberg diese – wohlgemerkt vorläufige – Positionierung am 13. Oktober getroffen.

Zum Hintergrund: Das Land würde bei einer Reaktivierung 95 Prozent der Kosten für Grunderwerb, Planung und Bau tragen; die Anrainerkommunen den Rest. Die Gesamtkosten einer Reaktivierung, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums auf Nachfrage, würden sich nach einer Grobschätzung mit dem Preisstand aus dem Jahr 2022 auf knapp 60 Millionen Euro belaufen.

Fehlende Mittel des Bundes

Begründet wird die bremsende Haltung des Landes mit der fehlenden Dynamisierung der Regionalisierungsmittel des Bundes an die gestiegenen Kosten im Schienenpersonennahverkehr (SPNV).

Was heißt das? „Regionalisierungsmittel“ sind Gelder, die der Bund an die Länder überweist, damit diese den SPNV bestellen, betreiben und ausbauen können. Diese Gelder nutzen die Länder, um den Verkehr zu bestellen, sprich „Verkehrsverträge“ abzuschließen, Züge zu finanzieren und um Infrastrukturmaßnahmen im Nahverkehr zu unterstützen.

„Dynamisierung“ bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die jährliche Erhöhung der Regionalisierungsmittel, um Kostensteigerungen wie beispielsweise durch Inflation, steigende Energiepreise, höhere Baukosten und Personalaufwand auszugleichen.

1,8 Prozent Steigerung

Setzt man diese Bausteine zusammen, bedeutet „fehlende Dynamisierung“, dass die Mittel durch den Bund nicht ausreichend erhöht werden, um die steigenden Kosten des Bahnbetriebs und des Infrastrukturausbaus zu decken. Derzeit steigen die Bundesmittel jährlich um 1,8 Prozent, informiert die Pressestelle des Zweckverbandes Regionalstadtbahn. Offenbar zu wenig, wodurch den Ländern Geld fehlt, um bestehende Bahnverbindungen aufrechtzuerhalten oder neue Strecken auszubauen.

Immerhin, so hieß es bei der Präsentation im Gemeinderat: Verändere sich die Situation bei den Regionalisierungsmitteln, seien die Möglichkeiten einer Reaktivierung im regulären SPNV neu zu bewerten. Auf den Güter- und Freizeitverkehr „Eyachtäler“ habe die Entscheidung indes keine Auswirkungen, die Strecke werde in dieser Form weiter betrieben, „um auch eine spätere Reaktivierung im regulären SPNV zu ermöglichen“.

Förderfähiges Potenzial

Fazit: Die Reaktivierung der Eyachtalbahn wird augenscheinlich erstmal auf die lange Bank geschoben. Dabei bescheinigt eine vom Regionalverband in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie dem Projekt grundsätzlich ein förderfähiges Potenzial.

Wie äußert sich das Landesverkehrsministerium? Dieses sei derzeit dabei, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudien und die Potenziale der verschiedenen zur Debatte stehenden Reaktivierungsstrecken zu bewerten. „Dieser Prozess wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen“, sagt ein Ministeriumssprecher.

Fokus auf Zollern-Alb-Bahn

In dessen Folge hätten sich „das Land, der Zweckverband Regional-Stadtbahn Neckar-Alb und der Regionalverband Neckar-Alb gemeinsam darauf verständigt, zunächst den Ausbau und die Inbetriebnahme der elektrifizierten und ausgebauten Zollern-Alb-Bahn in den Fokus zu stellen.“ Auf dieser, so der derzeitige Zeitplan, sollen in der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre Züge fahren.

Option nicht verbauen

Der Bahnknoten Hechingen wird daher vorerst weiter lediglich die Hohenzollern- und die Zollern-Alb-Bahn verbinden. Tobias Bernecker betonte aber im Hechinger Gemeinderat: „Nach wie vor planen wir am Bahnhof Hechingen so, dass ein Anschluss der Eyachtalbahn gewährleistet werden kann. Wir dürfen uns diese Option nicht verbauen.“