Die Dauchinger Autorin Gisela Wössner stellte in der Stadtbibliothek Schwenningen ihr Romandebüt „Li im Lebenskarussell“ über die Geschichte der Familie Stoll vor.
„Er soll als Mahnung dienen“, meint die Autorin Gisela Wössner über ihren Debütroman „Li im Lebenskarussell“, den sie am Donnerstagabend bei einer Lesung in der Schwenninger Stadtbibliothek am Muslenplatz präsentierte.
Darin erzählt sie auf 800 Seiten das Schicksal einer jungen Frau namens Li und ihrer Familie von den 1930er-Jahren bis Mitte der 1980er-Jahre.
Dabei räumte Gisela Wössner, selbst Jahrgang 1938, am Donnerstag ein, dass ihr die Protagonistin ihres zweibändigen Romans durchaus sehr vertraut gewesen sei. Deshalb gelang ihr mit ihrem ersten Roman vielleicht auch ein so „offener und authentischer Einblick in die Wohnzimmer dieser Zeit“, überlegte sie.
Und sicherlich kommt ein Gutteil der Authentizität in Wössners Schilderungen durch die akribische Recherche und Quellenarbeit der gebürtigen Tuttlingerin: Ihr lag eine Fülle von Originaldokumenten, Tagebücher, Zeitungsausschnitte, ärztliche Gutachten und Feldpostbriefe vor, welche die reale Vorlage ihrer Romanfigur selbst gesammelt hatte.
Dokumente gesichtet und sortiert
Die ersten fünf Jahre ihrer fast 20-jährigen Beschäftigung mit dem Roman habe sie allein damit verbracht, diese Dokumente zu sichten und zu sortieren. Und so ist sich Gisela Wössner sicher: „Ich hätte wesentlich mehr schreiben können.“ Doch auch die nun rund 800 Seiten zeichnen ein menschliches und lebensnahes Bild einer Familie dieser so bewegten Jahrzehnte.
Davon konnten sich die Zuhörer in der Schwenninger Stadtbibliothek selbst ein Bild machen: Achim Markus las zwischen den Gesprächen mit der Autorin ausgewählte Passagen. So erlebte man Lis Kennenlernen mit ihrem anfangs noch sehr schüchternen Ehemann Johannes mit, war schockiert über das ärztliche Gutachten, das Lis Heiratsfähigkeit bezeugte, und fühlte mit bei der Hochzeit der beiden Eheleute.
Roman verfolgt Familiengeschichte über Jahrzehnte.
Doch auch die schlimmen Stunden der Familie beschreibt Gisela Wössner: wie Ehemann Johannes an die Front geht und Li alleine zuhause ihr viertes Kind im Dunkeln kriegt, weil gerade Bombenalarm herrscht zum Beispiel. Und so verfolgt der Roman diese Familiengeschichte über Jahrzehnte.
Eines ist Gisela Wössner dabei wichtig: Sie erzähle von der schlechten Zeit, die sie als Kind miterlebt habe, schaue aber auch gleichzeitig sorgenvoll in die Welt und besonders auf die leidvollen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, die sie verurteile. Und so gab es reichlich Gesprächsbedarf über Lis Lebenskarussell und darüber hinaus, über den man mit Gisela Wössner rund um die Lesung ins Gespräch kommen konnte.