Vom Gottes- zum Gerätehaus? Martina Armbruster warf im Gemeinderat in Oberwolfach die Frage nach der Zukunft der Marienkirche im Ortsteil Walke auf. Foto: Lupfer

In der Bürgerfragestunde des Oberwolfacher Gemeinderats hat Ex-Gemeinderätin Martina Armbruster einen ungewöhnlichen Vorschlag vorgetragen.

Eins der größten Projekte der kommenden Jahre für die Gemeinde Oberwolfach ist der Neubau eines zentralen Feuerwehrhauses für die Abteilungen Kirche und Walke. Ex-Gemeinderätin Martina Armbruster nutzte die Bürgerfragestunde der Ratssitzung am Dienstag für einen Denkanstoß zum Standort: dem Perspektivwechsel vom Gottes- zum Gerätehaus.

 

„Es soll kein Aprilscherz sein, keine Ideologie sein“, stellte Armbruster ihrem Vorschlag voran. Doch habe sie in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Bürgern gesprochen. Die Standortfrage für das geplante neue Feuerwehrhaus habe sie umgetrieben.

Die Marienkirche befindet sich in zentraler Lage neben dem Rathaus

Bisher ist beabsichtigt, mit einem sogenannten Zielabweichungsverfahren den Neubau buchstäblich auf der grünen Wiese im Mitteltal zwischen den beiden Ortsteilen zu ermöglichen (wir berichteten).

„Warum will ich unbedingt ins Mitteltal, wenn eigentlich das Rathaus topographisch der Mittelpunkt ist?“, fragte Armbruster am Dienstag. Im Bedarfsfall werde die Feuerwehr Wolfach als Stützpunktwehr mitalarmiert. „Für mich steht ein Objekt in der Walke infrage. Vielleicht ist es noch zu früh – aber für die Zukunft doch wert, zu überlegen und zu prüfen: Das ist unsere Kirche.“

„Es wäre zentral in der Mitte“, erklärte Armbruster mit Blick auf die neben dem Rathaus gelegene Marienkirche. Die Zahl der Gläubigen nehme konstant ab. Die Strukturen würden in der neuen Kirchengemeinde Kinzigtal größer. „Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft noch zwei Kirchen haben, in denen regelmäßig Gottesdienste stattfinden werden“, prognostizierte Armbruster. Selbst ein aktiver Kirchgänger aus der Bürgerschaft teilte diese Idee mit ihr. „Man muss natürlich auch zuerst mit der Kirche darüber reden.“

Doch wollte sie zumindest den Vorschlag machen: „Ich dachte, ich bin so mutig. Wahrscheinlich sagen auch manche Ältere: ‚Was hat die für einen Spleen?‘“

Die Gründung eines Feuerwehrausschusses der Gemeinde ist in Planung

Bürgermeister Jürgen Nowak nahm den Vorstoß zur Kenntnis und verwies auf die geplante Gründung eines Feuerwehrausschusses, „wo wir diese ganze Thematik intensiv beraten und prüfen werden“. Außerdem solle es Mitte des Jahres eine Bürgerversammlung geben, um den Stand der Großprojekte wie Radweg und Feuerwehrhaus mit den Bürgern zu bereden.

Die Bildung des Feuerwehrausschusses ist bereits für die nächste Ratssitzung am Dienstag, 27. Januar, geplant: Je vier Vertreter von Feuerwehr und Gemeinderat sollen darin unter Vorsitz des Bürgermeisters unter anderem die Anforderungen an das Gebäude und die Finanzierung diskutieren. Der Feuerwehrausschuss ist als beratendes Gremium konzipiert, das dem Gemeinderat zuarbeitet.

Bedarfsplan

Die Fortschreibung des Feuerwehr-Bedarfsplans stand bereits im Oktober im Fokus des Oberwolfacher Gemeinderats. Die Bedarfsplanung basiere auf einer Orts-Risikoanalyse, die geografische Lage, Industrieanlagen und Verkehrsanbindungen berücksichtigt, wurde erklärt. Der Plan wurde im Oktober angenommen.