Interessierte Bürgerinnen und Bürger bei der Infoveranstaltung in Ebingen. Foto: Schweizer

Warum die Bereitschaftspraxis in Ebingen zum 30. November geschlossen wird, erfuhren Bürger bei einer Info-Veranstaltung. Auch, dass die ärztliche Versorgung weiter gesichert ist.

Als bekannt wurde, dass die Bereitschaftspraxis im Ebinger Krankenhaus Ende November geschlossen werden soll, blieben Proteste nicht aus. Hoch her ging es in den sozialen Medien, manches wurde als dramatisch dargestellt, unpassende Kommentare blieben nicht aus.

 

„Alle diese Leute sind heute Abend nicht da, wo sie erfahren hätten, dass die medizinische Versorgung im Notfall weiter gewährleistet ist“, meinte Oberbürgermeister Roland Tralmer bei der Info-Veranstaltung am Mittwochabend in der Ebinger Festhalle.

Eingeladen hatte die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Vertreten durch die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Doris Reinhardt und Nadja Gawron.

25 Personen zeigten Interesse

Inzwischen scheint die Schließung Bürgerinnen und Bürger nicht mehr groß zu interessieren. In der Festhalle waren 160 Plätze gestuhlt, gerade mal 25 Personen waren erschienen. Aus Sicht von Reinhardt, so ihr Fazit nach eineinhalb Stunden, obwohl sie deutlich mehr Zeit mitgebracht hätten, „eine kleine interessierte Gruppe“. Laut OB habe es in den letzten 12 Monaten öfters Kontakt mit der KVBW gegeben, da es mit zu den Problemen gehöre, wenn in der eigenen Stadt Einrichtungen geschlossen würden.

Bereits 18 Bereitschaftspraxen geschlossen

In Baden-Württemberg werden oder sind bereits 18 Bereitschaftspraxen geschlossen. Albstadt ist die letzte, wegen dem Verkehr durch die Baumaßnahmen in Laufen. Hauptgrund ist schlichtweg der teils gravierende Ärztemangel. Gesetzlich haben diese bei ihrer Niederlassung sicherzustellen, dass die ärztliche Versorgung rund um die Uhr gewährleistet ist. Neben täglichen Sprechstunden in ihrer Praxis gibt es noch Hausbesuche oder Telefonate mit Patienten. Zeit für Dienste in Bereitschaftspraxen fehlt.

Doris Reinhardt mit Mikro und Nadja Gawron Foto: Schweizer

Viele Ärzte würden mit 70 oder selbst mit 80 Jahren noch praktizieren, eine Ruhestandswelle stünde bevor. Nadja Gawron hatte eine Reihe Fragen an Reinhardt vorbereitet, welche diese zur vollsten Zufriedenheit detailliert erläuterte.

Thema war die Telefonnummer 116117. Diese sollte angerufen werden, wenn die Hausarztpraxis geschlossen ist, bei beispielsweise hohem Fieber, starken Bauchschmerzen, akuten Harnwegsproblemen oder Hals- und Ohrenschmerzen. „Dies sollte nur geschehen, wenn man sich so krank fühlt, dass ein Aufschub nicht möglich ist“, so Reinhardt.

Nach Abfrage der Postleitzahl in Berlin wird an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst im eigenen Bundesland weitergeleitet. Der Arzt entscheidet in der Zeit von drei Minuten, die jedem Patient zur Verfügung steht, ob ein Hausbesuch veranlasst werden muss oder im Notfall der Rettungsdienst gerufen wird. Da es gerade am Wochenende bis 500 Anrufe gebe, müsse Zeit am Telefon mitgebracht werden.

In jedem Landkreis eine Praxis

Bei der Auswahl der zu schließenden Bereitschaftspraxen sei darauf geachtet worden, dass es in jedem Landkreis eine gibt. So in Balingen, die nächsten in Sigmaringen oder Rottweil. Vorausgesetzt ist eine Erreichbarkeit für die Bevölkerung in 95 Prozent innerhalb 30 Minuten mit dem Auto oder 100 Prozent in 45 Minuten. In Balingen sind an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 19 Uhr fünf zusätzliche Arztstunden, sogar acht in Sigmaringen von 8 bis 19 Uhr, aufgenommen worden.

Strukturen müssen angenommen werden

Wichtig nannte Reinhardt, dass die vorhandenen Strukturen angenommen werden. Inzwischen sei festgestellt worden, genannt wurde das Beispiel Münsingen, dass die Schließung der Bereitschaftspraxen seitens der Bevölkerung akzeptiert werde.

Wöchentlich werde seitens der KVBW bei Rettungsleitstellen und Notaufnahmen nachgefragt, ob es nach den bisherigen Schließungen mehr zu tun gebe.

Nach einer Stunde hatten die Bürgerinnen und Bürger das Wort. Die wenigen Fragen betrafen die Telefonnummer 116117, den Fahrservice für den Arzt zum Hausbesuch oder wie viele Patienten bisher an Wochenenden in die Bereitschaftspraxis kamen, was mit 40 bis 50 täglich beantwortet worden ist.