Das Promillesträßchen zwischen Efringen-Kirchen und Weil am Rhein-Märkt ist vom Durchgangsverkehr rege genutzt worden. Nun ist es damit vorbei.
Das „Promillesträßchen“ zwischen Efringen-Kirchen und Weil am Rhein Märkt wird für den Durchgangsverkehr gesperrt. Zu diesem Ergebnis kam die Verkehrsschau im Januar. Die Gemeinderäte Efringen-Kirchens haben sich über diese Ankündigung von Ordnungsamtsleiter Nicolas Scherer empört, als er Punkt 20 der jüngsten Verkehrsschauen in der Mai-Sitzung vorstellte.
Die Ortsverbindung zwischen Efringen-Kirchen und Märkt wird zum landwirtschaftlichen Weg umgewidmet und steht damit für den Durchgangsverkehr nicht mehr zur Verfügung. „Wir haben die Straße bei der Verkehrsschau vorgestellt, jetzt sind wir als Verwaltung rechtlich in der Haftung, das Ergebnis auch umzusetzen“, erklärte Bürgermeisterin Carolin Holzmüller in der Sitzung. Fast schien es, als könnten die Räte ihren Ohren nicht trauen. „Das ist doch jetzt mal ein Schildbürgerstreich“, war aus dem Ratsrund zu hören.
SPD-Gemeinderat Marvin Aberer zeigte sich entsetzt über die Entscheidung der Verkehrsexperten. Er wies auf die Betroffenheit hin und darauf, dass „geschätzt sicher 15 Prozent“ der Bürger aus der Gemeinde das Sträßchen auf dem Weg zur Arbeit nutzten. „Setzen Sie sich dafür ein, dass das nicht passiert“, appellierte er an Holzmüller. Sie wies allerdings darauf hin, dass der Gemeinde Regressforderungen drohen könnten, falls sie nichts unternehme.
„Die Geister, die ich rief, werde ich nun nicht mehr los“, zitierte die Bürgermeisterin den berühmten Ausspruch aus der Ballade „Der Zauberlehrling“ von Johann Wolfgang von Goethe. Einerseits solle eine Verkehrsschau der behördlichen Überprüfung von Straßen dienen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten und Gefahrenstellen zu erkennen und zu beseitigen. Werde dann aber etwas bemängelt, wünsche man sich, nie etwas gesagt zu haben, beschrieb Holzmüller das Dilemma. Zugleich ist eine solche Verkehrsschau eine gesetzlich vorgeschriebene Präventivmaßnahme.
Und weil das Sträßchen lediglich eine Breite von 3,50 Metern aufweist, seien im Begegnungsverkehr die erforderlichen Sicherheitsabstände nicht gewährleistet, so das Ergebnis der Verkehrsschau.
Holzmüller: „Verkehrsrechtliche Anordnung ist bereits ergangen“
Eine verkehrsrechtliche Anordnung sei bereits ergangen, erklärte Holzmüller. Wann die Schilder aufgestellt werden, stehe aber noch nicht fest, zumal die Straße wegen der Sanierung der Kanderbrücke derzeit komplett gesperrt ist. Die Wiederöffnung war für Ende Mai angekündigt worden. 600.000 Euro kostet diese Maßnahme, in deren Zuge auch die Straße ausgebessert werden soll.
Bauamtsleiter Ulrich Weiß erläuterte in der Gemeinderatssitzung, dass der Ausbau der Straße zusammen mit dem notwendigen Grundstückserwerb für eine Verbreiterung bis zu 900.000 Euro kosten würde – Geld, das man in Efringen-Kirchen nicht habe. Das Aufschütten der Ränder, wie es jahrzehntelang praktiziert und auch von einigen Gemeinderäten in der Sitzung spontan gefordert wurde, sei selbst im Zusammenspiel mit Hinweisschildern auf das unbefestigte Bankett als Sicherung nicht ausreichend, meinte Weiß.
Weil am Rhein erkennt auch Vorteile
Auf die Frage der Gemeinderäte, wie denn die Stadtverwaltung Weil am Rhein zur Sperrung des Sträßchens steht, da die Kanderbrücke seit Januar aufwendig saniert werde, meinte Holzmüller in der Sitzung: „Weil am Rhein trägt diese Entscheidung mit.“
Tatsächlich teilt die Weiler Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass es „zur Kenntnis zu nehmen ist, wenn auf der Gemarkung Efringen-Kirchen aus verkehrsrechtlichen Gründen nur noch landwirtschaftlicher Verkehr zugelassen werden kann.“ Die Stadt Weil kann diesem auch Positives abgewinnen, denn die „Reduktion des starken Pendlerverkehrs mit Autos, vor allem morgens von Norden nach Süden“ sei ein Vorteil für Märkt, heißt es. Darüber hinaus werde das Sträßchen dadurch für Fahrradfahrer sicherer und attraktiver.
Die Brückensanierung und damit der vernünftige Ausbau auf Weiler Gemarkung verliere deshalb nicht an Wert, weil schwerer landwirtschaftlicher Verkehr genauso wie der Radverkehr darauf angewiesen seien.
Auf Weiler Gemarkung ändert sich nichts
Auf Weiler Gemarkung ändert sich nichts, die Zufahrt zum kleinen Parkplatz an der Brücke bleibe für Autos erhalten. Eine frühzeitige Beschilderung wird auf die Sperrung für Autos ab der Gemarkung Efringen-Kirchen hinweisen.
Dass das Thema aber auch bei den Bürgern Efringen-Kirchens aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird, zeigten die Wortmeldungen zweier Bürger in der Gemeinderatssitzung: während es einer für „armselig“ befand, dass Efringen-Kirchen die Durchfahrt nicht offen halten könne, freute sich eine Anwohnerin über die Ruhe seit der Sperrung.