Conrado González mit dem treuen Wegbegleiter: seinem Fahrrad Foto: Kimmich

Den Schwarzwald kennt jeder. Doch kennt man ihn auch in den Wüsten Mexikos? Oder gar im Iran? Nun, seit diesem Jahr gewiss. Denn der Künstler Conrado González, der seit sechs Jahren in Dunningen lebt, hat dafür gesorgt.

Dunningen/Torreón - Es herrschen Temperaturen um die 40 Grad. Es regnet höchstens dreimal im Jahr. Auch die Vegetation in den Bergen im Norden Mexikos ist karg, steinig und sandig. Berufsbedingt wanderte Conrado González 2016 mit seinen damals zwei Kindern und seiner Frau nach Deutschland aus. Hier angekommen, schien er einen besonderen Weg gefunden zu haben, seine Eindrücke von unseren Gefilden und unserem Klima zu verarbeiten und sogar zu präsentieren. Derart bewegt von der schwarzwälderischen Umwelt fasste er sich Anfang 2020 ein großes Ziel ins Auge: Zu Fuß und mit dem Fahrrad wollte González den gesamten Schwarzwald erkunden. "Ich weiß nicht, ob das schon jemand vor mir gemacht hat, aber ich wollte der erste Mexikaner sein", blickt der 38-Jährige zurück.

Mit 32 zum ersten Mal Schnee in den Händen

"Das erste Mal in meinem Leben, dass ich mit Schnee in Berührung kam, war mit 32 Jahren. Es war wie ein Wunder. Ein Wunder, das ich zu dokumentieren versuchte. Ich wollte, dass die Menschen in Torreón dieselben Eindrücke bekommen. Ich wollte den Wald des Schwarzwaldes in die Wüste bringen. Nicht irgendeinen Wald, sondern den Schwarzwald."

Immer auf seinen Touren dabei: Kamera, Stativ und Notizbuch. "Anfangs habe ich Bilder mit dem Handy gemacht, bis ich schließlich die Kamera mitgenommen habe." In einem Moment der Langeweile habe González entdeckt, dass sich mit der Zeit auf den inzwischen hunderten von zurückgelegten Kilometern eine ordentliche Sammlung an wunderschönen Bildern ergeben habe.

Bilder erlangen internationale Beliebtheit

"Im Frühjahr 2021 habe ich bei einem Fotowettbewerb in England den ersten Platz belegt." Das habe ihn motiviert, weiterzumachen, wodurch González dieses Jahr auch einer von mehreren Gewinnern eines Wettbewerbes im Iran wurde: "In der japanischen Botschaft in Teheran wurden zwei meiner Bilder vom Schwarzwald ausgestellt." Einen Höhepunkt seiner Projektarbeit habe er im Sommer erlebt: "Nachdem ich vier Jahre lang nicht in Mexiko war, nahm ich mir vor, eine Vernissage zu planen." Von Dunningen aus habe er eine Ausstellung in einer Kunstgalerie in Torreón organisiert.

"Es war ein Erfolg, es wurden einige Exemplare verkauft." Zwölf Kunstwerke seien zu betrachten gewesen. Der jeweilige Name stelle dabei die Ortschaft dar, in deren Nähe die Aufnahme gemacht wurde. Auf allen Bildern wird deutlich: González ist nicht nur von der hiesigen Vegetation beeindruckt, auch das feuchte Klima bewegt ihn. So sind alle Fotografien in der kalten Jahreszeit aufgenommen worden. Sie zeigen die Landschaft, Bauernhöfe, Schotterwerke, Hügel, Wassertränken und Bäume in Schnee und Nebel getaucht.

Die Wüste soll in den Schwarzwald kommen

Doch González rückt noch weiter in die Materie vor: "Ich finde es faszinierend, wie der Mensch versucht, die Natur einzugrenzen", beschreibt er die Verbindung von Mensch und Natur, als er auf das Bild, das einen Zaun an einem Waldrand zeigt, deutet. Sein zweites Projekt seien Kapellen im Schwarzwald, deren Ausstellung für Dezember und Januar in einem Museum in Saltillo, der Hauptstadt und gleichzeitig größten Stadt von Coahuila (Mexiko), geplant sei. "Eines Tages werde ich die Wüste in den Schwarzwald bringen", blickt González voraus Zukunft.