Denis Theromale vom Hechinger Diasporahaus (von links), Micha Haasis vom Verein Diasporahaus Bietenhausen, Sabrina Beller vom Jugendmigrationsdienst der Caritas und Michael Widmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Zollern Foto: Kapitel-Stietzel

Menschen mit Migrationshintergrund, die in Hechingen leben oder untergebracht sind, haben Zugang zu Hilfsangeboten etwa von der Caritas und dem Diasporahaus. Unsere Redaktion hat mit Vertretern der Einrichtungen und einer der Betreuten gesprochen.

Lebendige Migration: Genau das gab es beim Gute-Leut-Fest in der Sigmaringer Straße zu sehen. Dort tummelte sich ein internationales Publikum an den vielen Ständen nahe dem Diasporahaus. Während überall bunte Ketten mit Nationalflaggen im Wind wehten, unterhielten sich die Menschen und versorgten sich auch an den vielen Buden mit Popcorn, Crêpes, Getränken, sowie Informationen zu Angeboten von Organisationen, die in Hechingen Migrationsarbeit leisten.

 

Mit dem Fest wolle man erreichen, dass multikulturelle Begegnungen stattfinden und Ängste abbauen, erklärt Micha Haasis, Bereichsleiter vom Verein Diasporahaus Bietenhausen: „Wir leben in einem bunten Land und wollen das zeigen.“ Dass das der Fall ist, zeigt sich beim Fest insbesondere an der gut gefüllten Hüpfburg der Narrenzunft Balingen: Sie beweist, dass die Interessen von Kindern ganz unterschiedlicher Nationalitäten doch sehr eng beieinander liegen.

Als Teil der Jugendarbeit des Diasporahauses gab es beim Gute-Leut-Fest gut abgemischten und gesungenen Reggae. Foto: Kapitel-Stietzel

Haasis Verein unterhält auch das Diasporahaus in der Hechinger Gutleuthausstraße. Dort hilft man mit Angeboten wie Wohn- und Tagesgruppen für UMAs: Unbegleitete Minderjährige Ausländer. Unterstützung für diese gibt es durch Jungendhilfe-Angebote wie Freizeitprogramme und Wohnungen. Außerdem betreibt der Verein einen Kinder-Hort, der als traumapädagogische Einrichtung auch Kindern helfen kann, die von Flucht, Krieg, Gewalt oder Missbrauch traumatisiert wurden.

Jugendliche erlernen soziale Kompetenzen

Jugendlichen Migranten hingegen wird etwa durch das „Projekt Geo“ geholfen: Wie Haasis erklärt, werden dabei in Gruppen sozial- und erlebnispädagogisch wichtige „Soft Skills“ und Kompetenzen vermittelt. Das ist laut dem Bereichsleiter wichtig, denn oft sind die Kinder in ihrer Familie etwa mit Armut oder Suchtproblematiken aufgewachsen.

Neben Haasis sitzt Sabrina Beller vom Caritasverband für das Dekanat Zollern: Sie arbeitet als Teil des Integrationsmanagements und Jugendmigrationsdienstes im Hechinger Caritas-Gebäude – wenige Meter vom Diasporahaus entfernt. Die Zusammenarbeit ist eng.

Beller selbst hilft und berät Migranten zu Themen wie Aufenthaltsstatus, Finanzen, Familiennachzug und Alltagsangelegenheiten. Zudem vermittle man unter anderem an Sprachbildungsangebote der Volkshochschulen und helfe auch bei der Unterbringung, etwa in Flüchtlingsunterkünften oder Wohnungen. Und Beller unterstützt die Migranten auch mit der Vermittlung für Ausbildungs- und Jobangeboten.

Samia Al-Saido lebt mit ihrer Familie in Hechingen und wurde vor Ort erfolgreich von der Caritas beraten und unterstützt. Foto: Kapitel-Stietzel

Dass das funktioniert, zeigt sich an Samia Al-Saido: Die 23-Jährige stammt aus dem Irak und wohnt seit sieben Jahren in Deutschland. Laut Brenner wird ihre ganze Familie von der Caritas unterstützt: Zwei von Samias Brüdern haben vor kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft erlangt.

Durch die Caritas zu einer Vollzeitstelle

Wie Samia Al-Saido in fließendem Deutsch erklärt, sei ein damals elfjähriger Bruder von ihr 2017 nach Deutschland gekommen, nachdem im Irak eine Schwester der beiden durch Kampfhandlungen umgekommen war. Der traumatisierte Junge konnte seine Familie dann nachholen. Samia selbst arbeitet in Vollzeit als Verkäuferin in einer Bäckerei in Mössingen: Sie habe die Stelle und die dazu notwendige Ausbildung auch mit der Hilfe von Beller bekommen. Auch Samia will die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. Sie wünscht sich, dass Deutschland keine Flüchtlinge wegschickt.