Nicolas Höfler (links) und Lukas Kübler hatten entscheidenden Anteil am Finaleinzug. Foto: IMAGO/STEINSIEK.CH//Grant Hubbs

Überraschend stand Nicolas Höfler gegen Braga in der Startelf des SC Freiburg. Beim historischen Finaleinzug wurde der 36-Jährige zum stabilisierenden Faktor.

Nicolas Höfler hat mit dem SC Freiburg schon viel erlebt – Höhen und Tiefen. Im Mai 2015 war der Mittelfeldspieler mit dabei, als der Sport-Club aus der Bundesliga abstieg. Er erlebte den direkten Wiederaufstieg, Europapokalabende und das DFB-Pokalfinale 2022 in Berlin.

 

Und dennoch dürfte der Donnerstagabend in Höfler persönlicher Erinnerungsdatenbank einen ganz besonderen Platz einnehmen. Denn spätestens seit dieser Saison spielt der 36-Jährige auf dem Platz nur noch eine untergeordnete Rolle und kommt – wenn überhaupt – nur noch als Joker zum Einsatz.

Im Halbfinal-Rückspiel gegen Sporting Braga am Donnerstag stand Höfler dann überraschend in der Startelf, überhaupt erst zum zweiten Mal in dieser Saison. Weil Yuito Suzuki mit Schlüsselbeinbruch verletzt ausfällt, musste Trainer Julian Schuster umdenken. Er entschied sich für den erfahrenen Mittelfeldspieler Höfler, mit dem erst selbst bereits auf dem Platz stand.

So erklärt Julian Schuster die Entscheidung für Nicolas Höfler

„Wir wussten, dass wir natürlich auf der einen Seite auf Sieg spielen mussten“, sagte Schuster nach dem Spiel. Weil es aber gerade in so einer Partie auch „Kontrolle“ und „Disziplin“ benötigt, entschied sich der Coach für Höfler, der „nicht noch den Drang verspürt, in die Box nachzuschieben“. Kurz gesagt: Schuster entschied sich für einen erfahrenen Stabilisator, der über mehr als 90 Minuten genau das tat.

Am Mittwoch von seinem Startelf-Einsatz erfahren

Als er am Mittwoch erfuhr, dass er im wohl größten Spiel der Vereinsgeschichte von Beginn an spielen werde, habe er sich „gefreut“, so Höfler. Dann machte er eine kurze Pause, um zu ergänzen: „Mehr als gefreut. Gerade für solche Spiele spielt man Fußball und tut alles dafür, um auf dem Platz zu stehen“, sagte er kurz vor Mitternacht in der Mixed Zone des Europa-Park-Stadions.

Nachdem er auf dem Rasen „mittenrein“ in die Massen der Fans gegangen war und „ein Bad genommen“ hatte, war er gut eine Stunde nach Abpfiff glücklich – so richtig begreifen konnte er das zuvor Erlebte jedoch noch nicht. „Wir im Europa-League-Finale – der kleine SC Freiburg“, sagte Höfler.

Stichwort Finale: Mit seiner Leistung gegen Braga gab der 36-Jährige seine Bewerbung ab, auch am 20. Mai in Istanbul in der Startelf zu stehen. Für den Routinier, dessen Profikarriere sich langsam aber sicher dem Ende zuneigen dürfte, war das am Donnerstag jedoch noch kein Thema: „Die Erfahrung über die ganzen Jahre sagt mir, dass es nichts bringt zu träumen, was in knapp zwei Wochen ist“, sagte Höfler.