Auch in der katholischen Mariä-Himmelfahrtskirche wird fleißig für das Krippenspiel an Heiligabend um 16.30 Uhr geprobt. Es ist eines von zahlreichen Krippenspielen, die an Weihnachten in der katholischen und evangelischen Kirche aufgeführt werden. Foto: Mareike Kratt

Wenn andere feiern, arbeiten sie: An Weihnachten sind Pfarrer im Dauereinsatz. Welche Botschaft verkünden sie in Schwenningen – und können sie überhaupt selber feiern?

Ein Weihnachten mit vollständigem Pfarrteam: in diesem Jahr das wohl größte Geschenk für die katholische Seelsorgeeinheit Neckar-Baar, nachdem zuletzt die Pfarrer-Vakanz die Gemeinde belastet hatte.

 

So feiert Pfarrer Thomas Schmollinger – seit September im Dienst – sein erstes Weihnachtsfest in Schwenningen. Er freue sich, das „Riesenspektrum“ an Gottesdiensten und Krippenspielen neben Pfarrer John Musa sowie Diakon Christian Feuerstein mitgestalten zu können.

An Heiligabend etwa wird Thomas Schmollinger die Krippen- und Eucharistiefeier mit Lichtspielen in der St. Anna-Kirche in Tuningen und als „Höhepunkt“ die Christmette um 21 Uhr in der St. Franziskus-Kirche gestalten.

Am ersten Weihnachtsfeiertag hält der Pfarrer die Eucharistiefeier in der St. Franziskuskirche und predigt am zweiten Feiertag zusammen mit dem Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Simon Ziegerer, im ökumenischen Gottesdienst in der Mariä-Himmelfahrtskirche im Dialog.

Bräuche unter der Lupe

„Tragt zu den Menschen ein Licht“, „Oh Du Fröhliche“ oder „Stille Nacht“: Die Predigten aller Weihnachtsgottesdienste werden sich an bekannte Weihnachtslieder anlehnen, verrät Thomas Schmollinger.

Seit September ist Thomas Schmollinger Pfarrer in der katholischen Seelsorgeeinheit Neckar-Baar Foto: Cornelia Hellweg

Warum gibt’s eigentlich Christbaumkugeln? Und warum gibt’s an Heiligabend eher schlichtes, an den beiden Feiertagen eher üppiges Essen? In seinen Predigten wird der Pfarrer zudem auf den Ursprung verschiedener weihnachtlicher Bräuche eingehen.

Und der Neu-Schwenninger ist sich sicher: „Die Freude der Weihnachtsbotschaft wird auf jeden Fall rüberkommen.“ Zudem werde in allen Gottesdiensten und Kirchen das Friedenslicht von Bethlehem brennen – jeder Besucher darf eine Laterne zum Entzünden mitbringen.

Saiten und Kartoffelsalat

„Ich freue mich sehr auf das Fest“, sagt Thomas Schmollinger, der an Heiligabend Besuch von seiner Mutter bekommt, um mit ihr die Zeit zwischen den Gottesdiensten zum gemeinsamen traditionellen Essen von Saitenwurst mit Kartoffelsalat zu nutzen. Nach den Feiertagen hat er sogar ein paar Tage frei und möchte sich – wenn alles klappt – einen Traum erfüllen: ein Gottesdienstbesuch in der Sacrada Familia in Barcelona.

Krippenspiel im Fokus

Viel zu tun gibt es ist derzeit auch für Britta Mann-Horváth. Die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, die Weihnachten zum zweiten Mal in Schwenningen erlebt, organisiert unter anderem das Krippenspiel in der Johanneskirche, das an Heiligabend um 15 Uhr aufgeführt wird.

Britta Mann-Horváth erlebt das zweite Weihnachtsfest in der evangelischen Kirchengemeinde Schwenningen. Foto: Mareike Kratt

Dieser Gottesdienst, für den sie mit 36 Kindern seit Beginn der Adventszeit einmal pro Woche probt, stellt für die Pfarrerin den Höhepunkt der kommenden kirchlichen Veranstaltungen dar. Dann nämlich werde die Kirche bestimmt nicht nur voll mit Menschen unterschiedlichen Alters sein, es werde auch eine besondere Stimmung herrschen.

„Weihnachtsfreude“

„Ich freue mich darauf, die Weihnachtsfreude weitergeben zu können“, sagt Britta Mann-Horváth, die bereits zuvor am Morgen des Heiligabends im Seniorenzentrum Menetatis einen Gottesdienst halten wird – ein großer Kontrast zum Nachmittag.

Doch damit ist ihre Arbeit an Heiligabend noch nicht vorbei: Um 22 Uhr ist die Pfarrerin nämlich in der Stadtkirche im Einsatz – allerdings nicht auf der Kanzel am Mikrofon, sondern auf der Empore an der Orgel. Dann findet die Christmette mit Bildbetrachtungen durch Pfarrer Klaus Gölz statt, die Britta Mann-Horváth zusammen mit ihrem Mann (Posaune) musikalisch begleitet.

Belastende Zeit

Dieser Weihnachtsgottesdienst bildet für die junge Pfarrerin den Abschluss einer intensiven Zeit – war sie nicht nur durch diverse Schulgottesdienste oder Andachten, sondern auch durch größeren Seelsorge-Bedarf mehr gefordert als sonst im Jahr. „Es ist eine schöne Zeit, aber sie belastet auch“, sagt sie mit Blick auf diejenigen Menschen, für die das Fest keine „Oh Du Fröhliche“-Gefühle hervorrufen werde.

Doch gerade da könne die Weihnachtsbotschaft ansetzen, findet Britta Mann-Horváth. „Gott kommt in der Weihnachtsgeschichte schließlich auch nicht in eine heile Welt hinein, sondern erlebt Schmerz und Leid mit.“

Suche nach Ruhe

Ihre Aufgabe als Pfarrerin: die Sehnsucht nach Frieden aufzugreifen und zu zeigen, was Hoffnung darauf machen kann. Nach getaner Arbeit wird sie sich zusammen mit ihrem Mann auf den Weg in dessen Heimat nach Ungarn machen, um dort mit der Familie Weihnachten zu feiern, traditionelle Fischsuppe zu genießen – und zur Ruhe zu kommen.