Das Calwer Künstlerpaar Silvia Eisele und Achim Großmann verwandelt Streuobstäpfel in Kunst. Mit ihrem Projekt Metamorphosis machen sie auf den bedrohten Lebensraum aufmerksam.
Was auf den ersten Blick wie ein abstraktes Farbenspiel wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als die Fotografie eines Apfels. Blaugrüne Algenstrukturen, weiß, dunkle Schatten, die mit dem Hintergrund nahezu eins werden. Ein Bild, das eher an einen „Apfelkosmos“ erinnert als an eine Frucht aus heimischen Streuobstwiesen.
Dieses Bild ist nur eines von vielen aus der Reihe „Metamorphosis“ von Silvia Eisele und Achim Großmann.
Ein Langzeitprojekt
Das Calwer Künstlerpaar beschäftigt sich seit 2022 intensiv mit dem Lebensraum Streuobstwiese. Was als künstlerische Auseinandersetzung mit getrockneten Äpfeln begann, entwickelte sich zu einem umfangreichen Langzeitprojekt.
So entstand in einem Prozess, wie die beiden im Gespräch mit unserer Redaktion betonten, „Metamorphosis“ – eine fotografische Studie über Vergänglichkeit, Wandel und die Faszination natürlicher Prozesse.
Das Motiv ihrer Arbeit: Streuobstäpfel in all ihren Erscheinungsformen – von frisch geerntet, angetrocknet, bis hin zu Zuständen, in denen sie kaum noch als Apfel erkennbar sind. Über 25 000 Makrofotografien sind im Laufe der vergangenen drei Jahre entstanden.
Der Apfel als Lebensraum
Aus diesen wählten die beiden Künstler einzelne Bilder für ihr Werk „Metamorphosis“, welches mittlerweile sogar aus zwei Teilen besteht.
Dabei werden die Fotografien der Früchte größer gedruckt, als es der Apfel selbst eigentlich wäre. Denn gerade dann werden die feinen Strukturen, Netze und Risse sichtbar. Der Apfel wird im Laufe des Verfallsprozesses Lebensraum für Bakterien, Insekten und Kleinstlebewesen.
2024 wurden Eisele und Großmann gemeinsam mit dem bundesweiten Dachverband Hochstamm Deutschland e.V. vom European Cultural Centre zur Art Biennale in Venedig eingeladen. Dort präsentierten sie erstmals einen Teil der fotografischen Studie.
Für dieses Jahr folgte die erneute Einladung: Im Palazzo Mora werden sie vom 9. Mai bis zum 22. November großformatige Galeriedrucke zeigen.
Die Vergänglichkeit im Fokus
Doch das ist nicht die einzige Ausstellung. „Metamorphosis II“ wird in diesem Jahr erstmals im LA8-Museum in Baden-Baden zu sehen sein.
Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen und umfasst mehr als 400 Fotografien. Eine dritte Ebene dokumentiert den künstlerischen Werdegang der beiden. Unter dem Titel „Vanitas – Die Schönheit des Vergänglichen“ wird das Projekt Werken anderer Künstler und Epochen gegenübergestellt.
Die dritte Ausstellung des Künstlerpaares folgt mit der Teilnahme an der NordArt in Schleswig-Holstein. „Wir sehen die drei Ausstellungen als ein Gesamtwerk“, erklärt Großmann. Sie greifen ineinander über – dennoch seien immer andere Motive zu sehen.
Die Natur als der größte Künstler
Neben der Kunst selbst wollen Eisele und Großmann Aufmerksamkeit für die Streuobstwiese als Kulturlandschaft schaffen. Baden-Württemberg gilt als Mutterland der Streuobstwiese. Mit ihrer Kunst machen sie Prozesse sichtbar – die Kamera ist dabei ihr Werkzeug. Doch der größte Künstler sei letztlich die Natur selbst.
Die Teilnahme an internationalen Ausstellungen bringt allerdings auch hohe Kosten mit sich. Daher sind Eisele und Großmann aktuell noch auf Sponsorensuche für die anstehenden Projekte.
Weitere Informationen finden sich auf www.arscubis.de sowie auf Instagram, Facebook und LinkedIn.