Jetzt klingelt bei ihm nachts wieder das Telefon: Michael Gerg ist neuer Leiter der Kriminalpolizeidirektion Rottweil. Bei der Amtseinführung am Dienstag in Rottweil wird klar, dass für die Kriminalistik sein Herz schlägt.
Apropos Herz: Man kann trotz des ernsten Metiers – oder vielleicht gerade deswegen – von einem überaus herzlichen Empfang sprechen, der dem neuen Leiter der Kriminalpolizeidirektion am Dienstag im Festsaal des Alten Gymnasiums bereitet wird. In Rottweil ist man nicht nur froh, den obersten Posten nach einer längeren Interimszeit wieder besetzt zu haben – es ist mit Michael Gerg auch ein bei vielen Kollegen bereits bekannter, erfahrener und geschätzter Kriminalist, der da an Bord geht.
Mehr als 300 Mitarbeiter
Der 58-Jährige übernimmt damit die Verantwortung für die Verbrechensbekämpfung in den Landkreisen Konstanz, Rottweil, Tuttlingen sowie im Schwarzwald-Baar-Kreis und ist damit Vorgesetzter von über 300 Mitarbeitern. Sein Vorgänger Thomas Föhr hatte 2020 die Leitung übernommen und ist inzwischen im Ruhestand.
Auch die Tochter in Uniform
Kriminaldirektor Simon Bihl, der im November die Leitung der Führungsgruppe der Kriminalpolizeidirektion Rottweil und zeitgleich stellvertretend die Leitung der Direktion übernommen hatte, ist denn auch die Freude über den Neuzugang deutlich anzumerken. Bihl begrüßt zur feierlichen Amtseinsetzung den Polizeipräsidenten Uwe Stürmer, zahlreiche Kollegen aus dem Führungskreis, die Leiter der Fachinspektionen, der Kommissariate, die Leitenden Staatsanwälte aus Rottweil und Konstanz, Bürgermeisterin Ines Gaehn und die Familie des neuen Leiters – dessen Tochter zur Freude aller in Polizeiuniform in der ersten Reihe sitzt.
Mit Michael Gerg könne man die Direktion nun tatkräftig weiterentwickeln, neue Wege gehen und gemeinsam Neues gestalten, so Bihl, der der ganzen Mannschaft auch für die tatkräftige Unterstützung in den zurückliegenden turbulenten Zeiten dankt. Bei der Kriminalpolizeidirektion Rottweil werde mit mehr als 300 Mitarbeitern sehr viel geleistet.
Bevor Polizeipräsident Uwe Stürmer dem neuen Leiter die Bestellungsurkunde übergibt, verrät er schmunzelnd, dass er und Gerg eine „gemeinsame Vergangenheit“ haben. Sie haben zusammen in der Mordkommission in Stuttgart gearbeitet und, so Stürmer, „keine Leiche im Keller gelassen“.
Ein fixer Ermittler
Ein fixer Ermittler
Schon damals sei ihm klar gewesen, was für einen „fixen Ermittler“, er da im Team habe. Die Wege kreuzten sich später erneut im Innenministerium, wobei es Gerg schnell wieder hinaus in die Praxis gezogen habe. 2003 wird Gerg K1-Leiter in Esslingen: Tötungsdelikte, Kapitalverbrechen, Schwerstkriminalität. Ein Job, in dem man „von jetzt auf gleich Vollgas“ geben müsse, so Stürmer. Es sei schön, dass die Tochter trotzdem den Weg zur Polizei gegangen sei – auch wenn sie wisse, wie oft beim Vater nachts und am Wochenende das Telefon geklingelt habe.
Sicher erleichternd für die Familie sei dann Gergs Gang „in die Lehre“ 2015 gewesen. An der Hochschule in Böblingen – ab 2018 war er Leiter des Institutsbereichs Kriminalitätsbekämpfung in Böblingen – gab er seither sein Wissen weiter. Gerg habe ein feines Gespür und große soziale Kompetenz, so Uwe Stürmer. „Du übernimmst hier einen super Laden“, versicherte er dem neuen Leiter.
Höchste Anerkennung für Rottweil
Dem Engagement und der Arbeit der Kriminalpolizeidirektion in Rottweil zollte der Polizeipräsident höchste Anerkennung. Die ganze Mannschaft sei zuletzt durch zahlreiche schwere Delikte ununterbrochen massiv gefordert gewesen. Alle schweren Straftaten konnten aufgeklärt werden. Wenn dies nicht gelinge, leide das Sicherheitsgefühl der Bürger.
Bürgermeisterin Ines Gaehn, die die Glückwünsche von Oberbürgermeister Christian Ruf überbrachte, betonte, dass es sich in Rottweil gut und sicher leben lasse. Und dem neuen Kripo-Chef versicherte sie, dass die zahlreichen Baustellen, die auf Rottweil nun die nächsten drei Jahre zukommen, dann bei der Landesgartenschau mit einem „Sommermärchen“ belohnt werden.
Michael Gerg macht dann deutlich, dass ihn die Arbeit der Kripo seit seinem Einstieg 1990 fasziniert und nie mehr losgelassen habe. Klar ist für den 58-Jährigen dabei auch, dass es die Teamarbeit ist, die zum Erfolg und damit zur Aufklärung schwerster Straftaten führt.
Viele bekannte Gesichter
Viele bekannte Gesichter aus der Hochschule
Auch die Arbeit an der Polizeihochschule habe ihm viel Spaß gemacht und dafür gesorgt, dass ihm in Rottweil viele bekannte Gesichter begegnen. Nun sehe er es als echte Krönung an, eine Kriminalpolizeidirektion zu leiten.
Wichtig sei ihm, so Gerg, eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadt, der Schutzpolizei, der Justiz und insbesondere der Staatsanwaltschaften. Das Rechtssystem als „wichtiger Pfeiler der Demokratie“ gelte es gerade in diesen Zeiten zu verteidigen, betonte Gerg.
Er freue sich nun sehr auf seine Aufgabe – und der warmherzige Empfang, der ihm an seiner Wirkungsstätte schon in der vergangenen Woche bereitet wurde, habe ihm den Start leicht gemacht. Für Gergs Ehefrau Margit zaubert der Polizeipräsident zum Schluss einen „Präventiv-Blumenstrauß“ hervor – im Voraus als kleine Entschädigung dafür, dass bei Gergs das Telefon nun nachts wieder öfter klingeln wird.