Der 36-jährige David Gareis ist seit Oktober fester Pfarrer in Ebhausen. Foto: Holderied

David Gareis ist seit Anfang Oktober neuer fester Pfarrer in Ebhausen. Doch das war nicht immer sein Plan. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er von seiner Reise.

Von der Wissenschaft zum Glauben – schon Isaac Newton und Gregor Mendel haben bewiesen: Naturwissenschaften und Religion schließen sich gegenseitig nicht zwingend aus. Darum ist der Werdegang von Ebhausens neuem festen Pfarrer David Gareis gar nicht so widersprüchlich, wie er zunächst scheint. Denn Gareis hat nicht nur einen Master in Theologie, sondern auch in Physik.

 

„Ich bin so etwa mit 16 Jahren zum Glauben gekommen“, erinnert sich Gareis. Trotz seiner christlichen Erziehung, war Religion für ihn bis dahin kein „großes Thema“, sagt er. Zu jener Zeit schien der Gedanke, Theologie zu studieren oder Pfarrer zu werden, noch fernab der Realität. Durch einen damaligen Schulfreund besuchte er einen Jugendkreis im Nachbarort: „Und irgendwie fand ich es dann sehr spannend, dass die dort die Bibel so spannend fanden. Das kannte ich bis dahin noch nicht so“, erklärt der 36-jährige Pfarrer.

Pfarrer fährt mit dem Fahrrad den Jakobsweg

Nach der Schule absolvierte er ein freiwilliges Jahr im Zivildienst in einem Berufsbildungszentrum für hör- und sprachbehinderte Menschen und gab ihnen dort Nachhilfe in Mathematik. Anschließend fasste er einen für ihn entscheidenden „Glaubensschritt“: Der damals 18-Jährige entschloss sich, mit dem Fahrrad über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. Von Winnenden bis an die Westküste Spaniens legte er innerhalb eines Monats fast 2500 Kilometer zurück.

Nach fünf Tagen erfuhr er ein „Gottesgeschenk“

Die ersten Tage glichen einem Wechselbad der Gefühle. Zu Beginn der Reise habe er sich sehr gefreut, doch schon wenige Tage später empfand er die Tour als sehr einsam: „Tag drei bis fünf waren für mich die Schwierigsten“, gibt er zu.

Am Ende des fünften Tages überlegte er, die Reise endgültig abzubrechen. „Ich dachte nur daran, dass alles keinen Sinn macht: Mir tat alles weh und von Gott hatte ich auch noch nichts gespürt“, erinnert sich David Gareis zurück.

David Gareis studierte vor seinem Theologie Studium Physik. Foto: Holderied

Dann begann er zu beten – und begegnete am Ende des Tages einem anderen Pilger aus Deutschland. „Wir haben viel geredet und uns ausgetauscht. Als ich am nächsten Tag aufgestanden bin, hatte ich überhaupt keine Schmerzen mehr – es war alles wie neu“, sagt er und schmunzelt in Erinnerung an dieses Erlebnis. Noch immer sei er sehr dankbar, dieses – wie er es nennt – „Gottesgeschenk“ erlebt zu haben. „Ich wollte ausprobieren, ob es Gott wirklich gibt, und ich habe ihn erlebt“, fasst der Pfarrer seine Reise zusammen.

Angst vor dem Predigen

Während seines Studiums in München konnte der heute 36-Jährige viele Erfahrungen sammeln: Veranstaltungen organisieren, unterstützen und schließlich auch predigen. „Davor hatte ich lange Angst“, gibt Gareis zu. „Ich bin nicht der extrovertierteste Mensch“, sagt er über sich. Ihm sei es lieber, im direkten Gespräch mit Menschen zu sein, anstatt vor einer Gruppe zu reden. Nach insgesamt elf Jahren Studium und weiteren zweieinhalb Jahren auf Probe ist David Gareis nun fester Pfarrer von Ebhausen.

„Ich merke einfach, dass mein Beruf Sinn macht – das erfüllt mich“, sagt der der 36-Jährige stolz. Auch Kritik steht der junge Pfarrer offen gegenüber: „Ich bin zuerst selbst ein Kritiker der Kirche. Ich höre Kritik und manche finde ich sehr berechtigt“, erklärt er. Künftig hoffe er, dass Kirche wieder mehr zu ihrem Kernauftrag zurück finde: Wieder mehr von Gott zu reden. „Dann hat Kirche tatsächlich Zukunft“, wünscht sich Gareis.