Das Narrengericht mit (von links) Albert Bantle, Alfons Müller und Eckhard Link. Foto: Bantle

Hoch her mit viel Witz und Humor und auch so mancher Übertreibung ging es am „Schmotzige Dunnschtig“ beim legendären Fischbacher Narrengericht im Landgasthof „Zum Mohren“.

Chefankläger Albert Bantle war schwer in Fahrt, Richter Alfons Müller gnadenlos, und Star-Verteidiger Eckhard Link hatte einen schweren Stand.

 

Es gab keine Freisprüche, die Strafen waren teils drakonisch – und der altbadische Wein, der von den Angeklagten neben anderen Bestrafungen unters Narrenvolk verteilt werden musste, floss in Strömen.

Dass ausgerechnet der sonst stets abstinente und nur „Wässerle“ oder Kaffee trinkende Bürgermeister Martin Ragg beim großen Umzug der Narrenzunft Fischbach im vergangenen Jahr „alkoholbedingt“ den kompletten Umzug verpasste und auf der mit viel Prominenz bestückten Ehrentribüne durch Abwesenheit glänzte, war für den Chefankläger ein „gefundenes Fressen“.

Chefankläger zerrt alles gnadenlos ans Tageslicht

Da half dem Schultes auch sein verzagtes „Das ist mir noch nie passiert“ nichts. Wie ernst es den Bürgermeister an diesem Tag nach dem Zunftmeisterempfang erwischt hat, wurde vom Chefankläger gnadenlos ans Tageslicht gezerrt.

Auch Winfried „Wummi“ Kammerer (links) kann als Zeuge den Schultes Martin Ragg nicht entlasten. Foto: Bantle

Der Verteidiger zog vergeblich alle Register und führte aus, dass Ragg mit einigen trinkfesten Fischbacher Alt-Narrenräten „unter die Räuber“ geraten sei und diese ihn „abgefüllt“ hätten. Nur deshalb sei es dazu gekommen, dass Ragg den kompletten Umzug verpasst hat. Als „frei erfunden“ wies der Verteidiger die weiteren Ausführungen des Chefanklägers zurück, wonach der Vorfall in Fischbach auch Thema in nichtöffentlicher Sitzung des Gemeinderates gewesen sei.

Stellvertreterin Regina Rist muss immer mit

Der habe beschlossen, dass Raggs Stellvertreterin Regina Rist ihn künftig zu allen Terminen bei denen Alkohol angeboten wird, begleiten muss, um ihn zu überwachen und zu gewährleisten, dass sich sowas nicht noch einmal wiederholt.

Mit dem Ansager bei der Niedereschacher Frauenfasnet, Frank Rist, hatte der Chefankläger ebenfalls ein Hühnchen zu rupfen. Der habe bei der Frauenfastnacht 2025 den Ortsteil Fischbach und auch den Ortsteil Schabenhausen beleidigt. Während er den Kernort als „Weltstadt“ pries, behauptete er unter anderem, in Fischbach sei „nichts los“ und in Schabenhausen, das mit Blick auf das Floraparadies eigentlich in „Weißerhausen“ umbenannt werden sollte, gebe es mehr „Pferde und Rossbollen“ als Einwohner. Klar, dass Rist ebenso verurteilt wurde, wie die anderen Angeklagten.

Pfarrer als Bewährungshelfer

Darunter auch der frühere Oberministrant Berthold Stern, der beobachtet wurde, wie er ausgerechnet an der Pfarrhauswand seine drückende Blase entleert hat und nach den Worten des als Zeugen hinzugerufenen Mesners Albert Roth dabei schwere Folgeschäden am Gebäude verursacht haben soll. Stern wurde unter anderem dazu verurteilt, in diesem Jahr als Buße bei den Gottesdiensten in der Sinkinger Wallfahrtskapelle zu ministrieren und in Person von Pfarrer Marcus Maria Gut wurde ihm als Wiederholungstäter gerichtlich ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Die Gerichtskapelle sorgt für musikalischen Schwung bei der Verhandlung des Narrengerichts in Fischbach. Foto: Bantle

Als „weit hergeholt“ bezeichnete der Verteidiger die Vorwürfe an Feuerwehrmann Michael Stern, der angeblich impotente Stallhasen züchte und im Feuerwehrgerätehaus seine Hose verloren habe. Keine Chance, weil durch einen Bildnachweis belegt, hatte auch Regina Weisser, die bei der Häsvorstellung im Pflegehaus 2025 die Hälfte ihres Teufenmaale-Häses vergessen hatte und deshalb kurz vor dem geplanten Auftritt im Pflegehaus zurück nach Fischbach fahren musste, um die fehlenden Utensilien zu holen und durch die Aktion den kompletten Fastnachts-Zeitplan im Pflegehaus durcheinandergebracht habe.

Teile der Garderobe „mutwillig geschrottet“

Nicht besser erging es Werner Petrolli, der Teile der Garderobe in der Bodenackerhalle „mutwillig geschrottet“ haben soll.

Bestraft wurde auch die Vorsitzende des DRK Fischbach. Sie hat anlässlich des 80. Geburtstags des Fördermitgliedes Anneliese Stehle ihre beiden Bereitschaftsmitglieder, Traudel Müller und Robert Stern angeblich absichtlich in die Irre geleitet. Während diese, schwer beladen mit Geburtstagspräsenten verzweifelt um das Haus von Stehle klingelten, um zu gratulieren, war die Geburtstagsfeier in der Schappelstube in Königsfeld-Buchenberg längst in vollem Gange.

Auf der Heimfahrt die Frau vergessen

Verurteilt wurden auch Daniela Geisler, weil sie der Fischbacher AH im Kranz in Burgberg nach 21 Uhr kein Bier mehr ausschenken wollte, sowie Zunftmeister Christoph Droxner, der bei einem Fastnachtstermin in Schwenningen auf der Heimfahrt mit dem Bus vergessen hat, seine Frau mit zurück nach Fischbach zu bringen.