Ob Nebelschleier über dem Schuttertal oder Morgenrot über der verschneiten Burgruine – Florian Schäfer ist der Mann für die spektakulären Motive. Im Gespräch mit unserer Redaktion verrät der Hobbyfotograf: Diese Aufnahmen sind keine Zufallstreffer, sondern harte Arbeit.
Die Bilder wirken wie gemalt, dabei ist „alles echt. Nichts ist künstlich hinzugefügt“, betont Florian Schäfer. Wenn der Vollmond über dem Schutterlindenberg erstrahlt oder die Sonne über dem verschneiten Schuttertal aufgeht, ist der Hobbyfotograf mit Kamera und Drohne zur Stelle.
Die Ergebnisse schickt er nicht nur an die Lahrer Zeitung, wo sie als Schmuckbilder die Leser faszinieren. Die Motive sind auch in der Praxis von Ergotherapeutin Melanie Kollmer in der Litschentalstraße zu sehen.
Dort begrüßt der gebürtige Seelbacher unsere Redaktion und führt uns vorbei an seinen Bildern durch die Räume. Als erstes fällt eine Leinwand ins Auge, die den Sternenhimmel über der Geroldseck zeigt – inklusive Polarlicht. Die Farben sind so ausdrucksstark, dass man tatsächlich annehmen könnte, ein Künstler habe das Werk gepinselt.
Burgruine Hohengeroldseck ist das Lieblingsmotiv
Die Ruine, das wird deutlich, ist Schäfers Lieblingsmotiv. „Die Burg ist das Heimatsymbol schlechthin“, sagt er. Die ausgestellten Bilder stammen alle aus der Region. Auch Bürgermeister Michael Moser ist bereits auf die Ausstellung aufmerksam geworden und schwärmt in einem Social-Media-Beitrag von Schäfers Leidenschaft.
Doch wie kam Florian Schäfer zur Fotografie? Der 44-Jährige erinnert sich lachend, dass er schon als Kind im Familienurlaub immer „rumgeknipst“ hat. „Von meinem ersten Lehrlingsgehalt habe ich mir dann eine Spiegelreflexkamera gekauft.“ Zunächst habe er sich noch vor allem mit Aquaristik beschäftigt – später ließ die Zeit dieses Hobby nicht mehr zu und Schäfer fokussierte sich auf die Fotografie.
Wetterphänomene immer im Blick
„Ich habe mich in das Thema Wetter reingefuchst. Wann herrscht Hochdruck, wann Tiefdruck, wann ist Nebel und wann ist Sonnenauf- und untergang“, erklärt er. Dieses Wissen mache er sich zunutze, um sich zur richtigen Zeit auf die Lauer zu legen – oder auch spontan die Chance zu ergreifen. „Die Kamera liegt immer im Auto“, sagt er. Wenn es passt, macht der Orthopädietechniker auf dem Weg zu seiner Arbeit in Herbolzheim einen Abstecher in den Wald auf dem Streitberg. „Der Chef weiß dann schon bescheid, wenn es mal später wird“, so der Hobbyfotograf lachend.
Sehr oft, verrät Schäfer, ist er in aller Früh unterwegs, um zu zeigen „was die Menschen sonst nicht sehen“. Dann fährt er etwa um 5 Uhr hoch zur Geroldseck, baut in aller Ruhe seine Kameras auf und wartet auf den richtigen Moment, „wenn die Wolken brennen“. Einmal, erinnert sich Schäfer, hat er sich für ein Fotomotiv extra Urlaub genommen. Als es geschneit hatte, wollte er unbedingt den Sonnenaufgang auf der Burgruine einfangen und ein Bild vom Morgenrot über dem verschneiten Tal machen. Das gelang. Auch dieses Bild ist in Kollmers Praxis ausgestellt und war in der LZ zu sehen.
Ein besonderer Höhepunkt war die Nacht Mitte Mai, in der Polarlichter am Himmel leuchteten. „Ich lag eigentlich schon im Bett, da habe ich online einige Bilder gesehen und habe zu meiner Frau gesagt: Ich fahre jetzt los. Zur Burg.“ Im Dunkeln musste sich Schäfer sehr auf den Weg hinauf konzentrieren und konnte noch gar nicht Richtung Himmel blicken. Oben angekommen hob er den Kopf „und das war der Wahnsinn. Da habe auch ich mal für einen Augenblick das Fotografieren vergessen“. Noch nie habe er etwas vergleichbares gesehen. Schäfer ist froh, dass er diese – vielleicht einmalige – Chance genutzt hat, um sie mit seiner Kamera festzuhalten.
Sondergenehmigung für Flüge mit der Drohne
Zu seiner Ausrüstung zählen zwei Fotoapparate, eine Sony A 72 und eine Sony A 74, sowie eine Drohne vom Modell DJI Mini 3 pro. Für die braucht er keinen Flugschein, „sie ist aber angemeldet“, betont Schäfer. Zudem hat er sich Sondergenehmigungen eingeholt, um etwa auch über Naturschutzgebieten fliegen zu dürfen. Das ist aber bei weitem nicht die einzige Arbeit, die Schäfer in sein Hobby steckt. Mit dem Knipsen eines Motivs ist es nämlich nicht getan, auch Nachbearbeitung muss sein. „Ich lege am PC mehrere Belichtungen übereinander, und schiebe die Riegel hin und her, bis das Bild dann tatsächlich so aussieht, wie man es wahrgenommen hat“, erklärt der Seelbacher. Auch wenn es manche behaupten würden, „füge ich nie etwas hinzu, was nicht da war“. Für ein perfektes Bild, so Schäfer, geht schon mal ein ganzer Arbeitstag drauf.
Die beeindruckenden Fotos des 44-Jährigen sind auf seiner Homepage, auf Instagram und eben in der Praxis für Ergotherapie von Melanie Kollmer zu sehen. Diese spricht von einer „Win-Win-Win-Situation“. Denn Schäfer hat einen Ort, um seine Fotos zu zeigen, sie könne ihre Praxis aufhübschen und die Patienten könnten sich an den Bildern erfreuen. „Sie betrachten die Fotos deutlich länger als andere Bilder, weil sie einen Bezug dazu haben“, beschreibt Kollmer den Effekt der Heimatmotive.
Welche Tipps hat Schäfer für all jene, die inspiriert von seinen Bildern selbst auf Fotojagd gehen wollen? „Fotografieren lernen braucht Zeit“, stellt Schäfer klar. Man müsse experimentieren, sich mit den (Wetter-)Begebenheiten vertraut machen und auch Rückschläge hinnehmen können. Selbst Schäfer legt sich manchmal eine ganze Woche lang vergeblich auf die Lauer. Ansonsten hat der Seelbacher einen simplen Rat: „Einfach rausgehen und machen.“
Kleingewerbe geplant
Florian Schäfer kann sich vorstellen, bald ein Kleingewerbe anzumelden, um sein Hobby zu finanzieren. Oft werde er schon angesprochen, ob er nicht bestimmte Motive anfertigen könne. „Ich mache es aber nicht fürs Geld. Es macht einfach Spaß“, erklärt er.