Jochen Adam führt den Neurieder Betrieb in vierter Generation. Foto: Merz

Zur Osterzeit läuft der „Geflügelhof Adam“ in Altenheim auf Hochtouren. Geschäftsführer Jochen Adam gibt unserer Redaktion einen Einblick, welchen Weg die Eier zurücklegen, bis sie am Ostersonntag auf dem Frühstückstisch landen.

Es gackert und flattert, der unverkennbare Geruch nach Huhn liegt in der Luft: Während sich ein Großteil der insgesamt 10 000 Hennen, die in dem Freilandstall in Altenheim leben, beim Besuch unserer Redaktion am Vormittag noch in der Hühnervoliere aufhält, sind andere Tiere bereits auf dem umzäunten Außengelände davor unterwegs und genießen das frische Gras oder scharren im Stroh des überdachten Freiluftauslaufs.

 

„Wir wollen darauf achten, dass zu Ostern kein Nest leer bleibt. Darum sorgen wir frühzeitig dafür, dass genug Eier da sind. Alle unsere Hühner sind kräftig am legen“, erklärt Jochen Adam, Geschäftsführer des Neurieder Familienbetriebs „Landwirtschaft & Geflügelhof Adam“.

Er gibt unserer Redaktion einen Einblick, welchen Weg die Eier, bis sie am Ostersonntag auf dem Frühstückstisch landen, zurücklegen und welche Aufgaben er und seine insgesamt rund 20 Mitarbeiter dafür zu erledigen haben.

In der Voliere funktioniert vieles automatisch

Die Hühnervoliere enthält ein ausgeklügeltes System, das viele Arbeitsschritte automatisiert erledigt. „Bei dem Anblick dieser Hühnerschar wissen manche gar nicht, wo sie zuerst hingucken sollen“, berichtet der Geschäftsführer mit lauter Stimme, um das Gegacker zu übertönen, das die zahlreichen Hennen im Stall hinter ihm erzeugen. In der Voliere können sich die Hühner frei bewegen. „Um 5 Uhr morgens geht das Licht an, drei bis vier Stunden nach dem Aufstehen legen die Hühner dann ihr Ei“, erläutert Adam. Fast alle würden dies in den dafür vorgesehenen Legenestern tun.

In allen Ställen gibt es einen überdachten mit Stroh eingestreuten Wintergarten mit Freiluftauslauf. Foto: Merz

Der Boden darin ist abgeschrägt, so dass die Eier nach hinten rollen und auf das darunterliegende Fließband fallen, das die Eier dann aus dem Stall heraus transportiert. Die ein bis zwei Prozent der Eier, die an anderen Orten gelegt werden, müssten mit dem Korb von Hand eingesammelt werden. „Wir gestalten die Nester so, dass es für die Hühner ein sicherer und vertrauter Rückzugsort ist“, so Adam. So ist dort etwa das Trinkwasser angebracht. Futter bekommen die Hühner in der gesamten Voliere über ein schmales Fließband geliefert, der Kot der Tiere wird über ein unten montiertes Förderband gesammelt und so aus dem Stall entfernt. „Ab 10 Uhr morgens öffnen sich die Türen und die Hühner dürfen ins Freie spazieren“, erklärt Adam weiter. Über die Ausgänge können sich die Federtiere dann frei zwischen der Voliere, dem Freiluftauslauf und dem Außengelände hin und her bewegen.

Nachdem die Eier auf dem Förderband die Voliere verlassen, landen sie im Vorraum, wo sie automatisch mit einem Code gestempelt werden, der Auskunft über das Haltungssystem (0: Bio, 1: Freiland-, 2: Bodenhaltung), das Herkunftsland und -bundesland, den Betrieb und den jeweiligen Stall gibt. „Diese Kennzeichnung ist für uns ein großer Vorteil, weil unsere Endkunden so erkennen, woher genau ihre Eier kommen“, betont er. Sowohl Eier aus Boden- (25 %), Freiland- (50 %) als auch Biohaltung (25 %) bieten die Adams, „mein Schwerpunkt lieg auf der Freiland- und Biohaltung. Sie sind Ausdruck von Respekt gegenüber Tier und Natur“, betont der Geschäftsführer im Gespräch. „Aber auch bei unseren Bodenhaltungsställen gibt es einen überdachten mit Stroh eingestreuten Wintergarten mit Freiluftauslauf“, erklärt er.

Zu Ostern ist die Nachfrage nach weißen Eiern hoch

Im nächsten Schritt werden die gestempelten Eier zur Packstelle gebracht, wo sie zunächst in die Sortiermaschine kommen. „Jetzt an Ostern sind weiße Eier besonders nachgefragt“, berichtet Adam. Deshalb würden derzeit braune und weiße Eier getrennt und nicht wie sonst gemischt abgepackt. In der Sortiermaschine werden die Eier zunächst durchleuchtet, beschädigte werden aussortiert, bevor sie dann gewogen und nach Größen sortiert – XL, L, M und S – den entsprechenden Förderbändern zugeteilt werden. „Täglich rollen hier etwa 40 000 Eier über das Band“, berichtet der Geschäftsführer stolz.

Die Sortiermaschine sortiert die Eier nach Größen. Foto: Merz

Vom Förderband aus werden die Eier in Kartons gesetzt, die Kartons werden etikettiert und sind dann bereit für den Transport. An der Wand der Packstation hängt ein großer Bildschirm, über den die Mitarbeiter vor Ort die aktuellen Kundenbestellungen – hauptsächlich Einzelhandel in der Region, von Karlsruhe bis Freiburg – einsehen und entsprechend vorbereiten können. Die Bestellungen werden schließlich abgeholt und ausgeliefert. „Bei uns ist alles in eigener Hand, von der Produktion bis zum Regal. So ist alles transparent und wir sind mit frischen Eiern nah an den Kunden dran“, betont Adam.

Auch bunte Eier gibt es von dem Neurieder Betrieb: Dafür werden weiße Eier extra zu einer Färberei transportiert – „eine eigene Maschine lohnt sich nicht“ –, wo sie gekocht, gefärbt, abgekühlt und verpackt werden. Auch wenn das ganze Jahr über viel zu tun sei – schließlich wollen die Hennen jeden Tag gefüttert werden: „Ostern ist die arbeitsintensivste Zeit im Jahr“, gibt der Chef des Geflügelhofs Auskunft. Hat er selbst zum Osterfest dann überhaupt noch Lust auf ein Ei? „Ja“, erklärt Adam lachend. „Ich esse sehr gerne Eier – immer noch.“

Lebenszyklus der Tiere

Die Hühner leben eineinhalb Jahre auf dem Neurieder Hof. „Dann werden sie zu Suppenhühnern verarbeitet“, erklärt Chef Jochen Adam. Einen Teil würden sie selbst schlachten und mit den anderen Produkten – etwa Nudeln, Flädle und Eierlikör – im Bauernladen in der Kirchstraße 16 oder auf dem Wochenmarkt in Lahr verkaufen. Im Anschluss werde eine neue Herde angeschafft. Diese müsse sich dann zunächst eingewöhnen. „Das dauert rund drei Wochen“, so Adam. Im Alter von etwa 20 Wochen würden die Tiere dann ihre ersten Eier legen.