In Sulz wird alten Verbrennern neues Leben eingehaucht - indem sie zu E-Autos umgebaut werden. Bereits seit 15 Jahren rüstet Dieter Franz Fahrzeuge auf elektrische Antriebe um. Wir haben ihn in seiner Firma besucht.
Man könnte ihn eigentlich als Pionier in Sachen klimafreundlicher Antriebstechnologien vorstellen. Doch Dieter Franz lacht, als unser Redakteur ihn beim Besuch in seiner Firma im Sulzer Teilort Renfrizhausen so bezeichnet. Er schüttelt bescheiden den Kopf: „Ich wollte einfach den einen oder anderen alten Verbrenner von der Straße nehmen und als E-Auto wieder auf die Straße bringen.“ Dieser Gedanke kam ihm jedoch lange, bevor die Elektromobilität in Deutschland an Bedeutung gewann.
Bereits vor 15 Jahren gründete Franz seine Firma E-Car-Tech in Rosenfeld. Zwei Jahre davor habe er angefangen, sich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Wie er darauf kam? „Ich war viele Jahre Flugkapitän bei der ’Tui Fly’, habe also meine Brötchen damit verdient, Menschen in Urlaubsregionen zu fliegen. Dabei stößt man mit dem Flugzeug einige Tonnen Kerosin aus. Deshalb habe ich mich gefragt, was ich tun kann, um die Umwelt ein bisschen zu entlasten.“
Wir waren mit der Videokamera in der Werkstatt zu Besuch:
Da Franz auch Informatik und Elektrotechnik studiert hat, habe er sich gedacht, dass er all seine Kenntnisse vereinen und sein Vorhaben im Verkehrssektor realisieren könnte. Mit Erfolg: Das kleine Unternehmen, das er während seiner Karriere als Pilot gründete, wuchs langsam. Immer mehr Fahrzeuge wurden von ihm und seinen Mitarbeitern auf Elektroantrieb umgerüstet. Nach 25 Jahren hing der Rosenfelder seinen Job als Flugkapitän an den Nagel, um sich nur noch auf seine Firma zu konzentrieren.
DeLorean holt YouTuber nach Renfrizhausen
Neben Privatpersonen, die ihren alten Verbrennern ein zweites, grünes Leben schenken möchten, konnte das Unternehmen auch schon größere Aufträge an Land ziehen - beispielsweise rüstete Franz mit seinem zwölfköpfigen Team 15 Autos der Stadt Darmstadt um. „Für Fahrzeuge im kommunalen Bereich ist das eigentlich eine total interessante Sache. Die fahren ja täglich nur wenige Kilometer durch die Stadt und wenn die alten Dieselmotoren an ihrem Lebensende sind und dann umgerüstet werden, haben die locker nochmal zehn Jahre“, erklärt der Geschäftsführer. So würden die Städte Ressourcen sparen. Aus diesem Grund hätten sie alle Kommunen in ganz Baden-Württemberg angeschrieben - jedoch ohne Erfolg. „Wir haben nicht eine Rückmeldung bekommen“, sagt Franz frustriert.
Derweil stehen dafür aber interessante Aufträge aus Holland auf dem Hof der Firma. Während Wasserstoff in der Automobilität in Deutschland kein großes Thema mehr zu sein scheint, lassen die Niederländer Pritschenwagen bei E-Car-Tech zu Wasserstoffautos umrüsten. Begeistert zeigt Franz die viel diskutierte „Zukunftstechnologie“, bei der ein Wasserstoffmotor die Pufferbatterie des elektrischen Kleinlasters füllt. Also doch zurück in die Zukunft?
Wer in die Halle nebenan schaut, wird auf jeden Fall an die gleichnamige Filmreihe erinnert. Aktuell stehen sogar zwei alte DeLorean in dem ehemaligen Dreher-Gebäude. Einer ist in Privatbesitz, der andere gehört dem Energiekonzern E.ON. Letzterer sorgte erst kürzlich dafür, dass der bekannte YouTuber und ehemalige Rennfahrer Felix von der Laden ins Mühlbachtal kam, um mit dem legendären Sportwagen Aufnahmen für ein Werbevideo zu drehen.
So werden die Fahrzeuge umgerüstet
Beide Kultautos werden aktuell umgebaut. „Prinzipiell können wir jedes Fahrzeug umrüsten“, behauptet Franz. Dabei müssten sie immer erst mal die alte Verbrennungsmotortechnik entfernen, wie Auspuff, Tank und natürlich den Motor. Dann werde das Fahrzeug gereinigt. „Danach fangen wir an, unsere Elektrokomponenten einzubauen. Dabei wird ein Elektromotor an das Getriebe geflanscht. Natürlich brauchen wir eine Energiequelle, die Batterien werden an geeigneten Stellen eingebaut und dann noch die ganze Leistungselektronik und die Ansteuerung von der Originalelektronik des Fahrzeugs.“
Für die Umrüstung der alten Autos habe Franz ein universelles Antriebssystem entwickelt, das in jedes Fahrzeug eingebaut werden könne. „Das besteht aus der sogenannten E-Car-Box, da ist die Leistungselektronik drinnen“, erklärt Franz: „Im Zusammenspiel mit dem Elektromotor und der Batterie, dem Batterie-Management-System und dem Ladesystem haben wir dann ein vollständiges Elektroantriebssystem.“ Es sei vor allem eine mechanische Herausforderung, die neuen Komponenten an den Fahrzeugen zu platzieren.
Das Beste an dem ganzen Umbau sei natürlich das Ergebnis: „Wenn wir das Fahrzeug dann in Betrieb nehmen und hier aus der Halle mit Elektroantrieb herausrollen“, sagt Franz und lächelt: „Die erste Fahrt ist immer ein Highlight.“