Das neue Krankenhaus wird am 18. April den Betrieb aufnehmen. Foto: Thomas Fritsch

Der Umzug des Calwer Krankenhauses ist seit Wochen im Gange. Entscheidend wird der 18. April. Dann steht die Verlegung der Patienten an. Ein Blick auf die Pläne der Verantwortlichen.

In zwei Wochen beginnt eine neue Ära der Gesundheitsversorgung in Calw. Aber noch sind Handwerker vor Ort. Noch gibt es Schränke, die eingeräumt sein wollen.

 

Doch der Endspurt für das neue Calwer Krankenhaus, das Herzstück des neuen Gesundheitscampus in der Mildred-Scheel-Straße im Stammheimer Feld, läuft.

Baulich „sind wir auf der Zielgeraden“

Etliche bauliche Abnahmen wurden inzwischen erledigt, medizinische Einrichtungen getestet, letzte Kleinigkeiten sind noch zu tun. Auch Möbel fehlen teilweise noch.

Aber baulich, „da sind wir auf der Zielgeraden“, berichtet Volker Renz im Gespräch mit unserer Redaktion. Renz ist beim Calwer Landratsamt für Bauprojekte verantwortlich.

Doch nicht alles wird zum Einzug am 18. April fertig, räumt er ein. Für die Außenanlagen müsse teilweise noch der Mai abgewartet werden. Erst dann können manche Pflanzen gesetzt oder eingesät werden. Ansonsten sehe es gut aus.

Auch der Notfall wurde bereits getestet, sagt Bernd Waiblinger, Leiter der Stabsstelle Sicherheitsmanagement. Stromausfall, Hubschrauberlandung, Hubschrauberlandung bei Stromausfall. Für letzteres half ein Polizeihelikopter aus.

Unterdessen treffen bereits seit einiger Zeit Lieferungen ein, etwa aus dem Zentrallager des Klinikverbunds Südwest in Leonberg. „Von der Binde bis zum Pflaster“, führt Waiblinger aus. Und alles muss natürlich auch an die passenden Stellen geräumt werden.

Ja, es ist noch immer viel zu tun rund um das neue Calwer Krankenhaus. Der entscheidende Moment steht indes noch bevor. Am 18. April, wenn der Altbau schließt und der Neubau den Betrieb aufnimmt. Und sämtliche Patienten umziehen. Doch wie?

Im Altbau ist in zwei Wochen nach 113 Jahren Schluss. Foto: Thomas Fritsch

Zunächst, so erklärt Waiblinger, sollen bereits am Freitag die Patienten der Intensivstation verlegt werden. Allerdings nicht in die neue Klinik, sondern in andere Häuser des Klinikverbunds. Die Intensivstation im Calwer Altbau bleibe in der Nacht aber noch aufnahmefähig – falls sich etwa der Zustand eines Patienten in dieser Zeit verschlechtern sollte.

Die Rettungsdienste seien dagegen ab Freitagabend angehalten, wenn möglich andere Kliniken anzusteuern.

So richtig los geht es dann am Samstagmorgen. Um 6 Uhr sei eine letzte Besprechung vor Beginn angesetzt. „6.30 Uhr soll der erste Patient das Haus verlassen“, sagt der Leiter der Stabsstelle Sicherheitsmanagement.

Insgesamt „planen wir mit 80 Patienten“

Im Altbau halte an diesem Tag Alexandra Freimuth, Nagolds Krankenhausdirektorin, die Stellung, für den Neubau sei Calws Krankenhausdirektor Daniel Weiß eingeteilt.

Die Patienten werden in ihren Betten zur Liegendanfahrt gebracht, wo die Transportfahrzeuge bereitstehen. Die Betten kommen danach in einen Lagerraum, werden gereinigt und desinfiziert. Insgesamt „planen wir mit 80 Patienten“, berichtet Waiblinger.

15 Krankentransportwagen, zwei Rettungswagen und zwei Notarzteinsatzfahrzeuge stehen zur Verfügung. Die Hubschrauberlandeplätze beider Kliniken stehen bis zum Abschluss des Patientenumzugs zur Verfügung. Bewährte Partner wie das Deutsche Rote Kreuz unterstützen.

Ampeln auf der Stuttgarter Straße regeln den Verkehr

Die medizinische Notfallversorgung der Calwer Bevölkerung bleibe während der Umzugsfahrten trotzdem sichergestellt. Für den Umzug würden zusätzliche Fahrzeuge eingesetzt, hatte der Klinikverbund bereits vor einigen Wochen erklärt. Das Ganze werde so geplant, dass es immer genügend Ressourcen für Notfälle gebe.

Damit die Fahrten reibungslos ablaufen, wird es zudem temporäre Ampeln auf der Stuttgarter Straße an der Ausfahrt der Eduard-Conz-Straße geben. Kommt ein Krankenwagen aus Richtung des Altbaus, schalten die Ampeln für die Fahrzeuge auf der Stuttgarter Straße auf rot.

Parallel zum Umzug ist die Abteilung Straßenbau unterwegs, um die Straßenschilder auf den neuesten Stand zu bringen. Heißt: Die Schilder, die zum alten Krankenhaus weisen, werden abgedeckt, die Wegweiser zur neuen Klinik freigemacht.

Ab 6.30 Uhr wird die Notaufnahme im Neubau den Betrieb aufnehmen, jene im Altbau stellt unterdessen den Betrieb ein. Aber: „Wenn um 6.45 Uhr noch jemand ins alte Krankenhaus fährt, wird er natürlich auch noch versorgt“, beruhigt Waiblinger. Aus alter Gewohnheit könne das durchaus passieren. Ein Notfallteam sei vor Ort.

Personal ist an diesem Tag generell genügend im Einsatz. Im Grunde, so erklärt der Leiter der Stabsstelle Sicherheitsmanagement, gebe es eine doppelte Besetzung. Rund 300 Mitarbeiter seien insgesamt in Alt- und Neubau vor Ort, davon allein rund 200 aus dem Bereich der Pflege.

13.30 Uhr soll der letzte Patient im Neubau angekommen sein

Um 13.30 Uhr, so der Plan, soll der letzte Patient im Neubau angekommen sein. Ab dann ist auch kein medizinisches Personal mehr im Altbau.

Der Umzug ist damit aber noch nicht beendet. Am Samstag soll es noch bis etwa 22 Uhr weitergehen. Von Medikamenten bis Stationsbedarf wird dabei noch einiges den Standort wechseln. Alles, was man nicht zwingend brauche, sei bereits in der Vorwoche dran.

In der Woche nach dem 18. April seien dann noch restliche Gegenstände auf der Liste – etwa Physiogeräte oder Material aus Lagerräumen.

Ist das alles geschafft, geht damit eine etwa 90-tägige Umzugs- und Vorbereitungsphase zu Ende, die Mitte Januar mit der Schlüsselübergabe an den Klinikverbund begann und seit November minuziös geplant wurde.

Echte Erleichterung dürfte sich bei allen Beteiligten aber wohl erst einstellen, wenn im alten Krankenhaus am 18. April nach 113 Jahren Betrieb der letzte Patient das Haus verlassen hat.