Was sich wie der Traum eines Kindes anhört. Ist für Thomas Kräutle aus Wittershausen Wirklichkeit geworden.
Für den sportbegeisterten Thomas Kräutle aus dem Vorstands-Team der TSG Wittershausen war sein Einsatz als „Host City Fan Welcome & Info Lead Volunteer“ in Stuttgart ein unvergessliches Erlebnis, bei dem er das sportliche Groß-Event von einer neuen Seite und die Landeshauptstadt im Ausnahmezustand kennenlernte.
Der 65-Jährige spielt zwar nicht mehr aktiv Fußball, hält sich aber unter anderem als Mitglied der TSG-Gruppe „Power-Männer“ fit. Ganz besonders genoss er den Kontakt mit den zahlreichen internationalen Fan-Gruppen und knüpfte neue Freundschaften mit anderen Volunteers. „Drei Wochen beste Stimmung – und danach spielt die Wehmut mit, dass alles schon vorbei ist“, so fasst er rückblickend seine Erinnerungen zusammen.
Sofort Feuer und Flamme
Auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise hörte Kräutle am 14. Juni 2023 im Radio von der Suche nach 16 000 „Volunteers“ für die zehn Spielorte der Fußball-Europameisterschaft in Deutschland und fing sofort Feuer. Mit der Gewissheit, im September in den beruflichen Ruhestand zu gehen und zur Uefa Euro 2024 genügend Zeit zu haben, füllte er noch am selben Abend die Bewerbungsformulare aus, in denen es auch um seinen Werdegang und seine englischen Sprachkenntnisse ging. Außer Stuttgart hätte er sich auch München, Hamburg oder – als Schalke-Fan – Gelsenkirchen als potenziellen Einsatzort vorstellen können. Etwa zwei Wochen nach der Eingangsbestätigung erhielt Kräutle die Ankündigung für ein Online-Interview, was er als Sprung in die engere Wahl deutete. Im halb auf Deutsch, halb auf Englisch geführten Gespräch erhielt er Informationen über die möglichen Aufgaben eines Volunteers und behauptete sich erfolgreich als einer von insgesamt rund 146 000 Bewerbern.
Einer von 146 000
Zunächst fand im April das „Kick-Off Event“ für die Volunteers statt. Kurz vor dem Start des Turniers erhielt Kräutle noch ein rollenspezifisches Training mit anschließendem Stadtrundgang, um die Stadt besser kennenzulernen. Außerdem wurde er mit einer Volunteer-Uniform ausgestattet, um auf den ersten Blick erkennbar zu sein.
Verantwortung für 20 Volunteers
Am 13. Juni war noch kein „Match Day“ (Spieltag), aber schon der erste Einsatztag von Thomas Kräutle. Als „Lead Volunteer“ verteilte er bis zu 20 weitere „Host City Welcome & Info Volunteers“ auf verschiedene Posten und war ständig mit ihnen in der Innenstadt zwischen dem Hauptbahnhof, dem Volunteer City Hub auf dem Karlsplatz und weiteren Haltestellen im Stadtgebiet unterwegs. Sie versorgten Gäste und Fußball-Fans aus aller Welt mit Lageplänen, Flyern und Informationen und beantworteten unzählige Fragen. „Irgendetwas wollten sie alle wissen. Welche Bahn fährt zum Stadion oder zum Hotel? Wo gibt es Geldautomaten oder eine Gepäckaufbewahrung? Und die Schotten suchten sofort nach der Ankunft ein Irish Pub“, grinste Thomas Kräutle. Da seien die Ortskenntnisse einer Kollegin aus Stuttgart sehr hilfreich gewesen. Die letzte seiner neun Tagesschichten hatte Thomas Kräutle vor der Deutschland-Niederlage gegen Spanien im Viertelfinale, die er mit einem bedauernden „So ist es nun mal“ rasch abhakte. Für ihn stehen die vielen beeindruckenden Begegnungen mit gut gelaunten Fangruppen aus Dänemark, Ungarn oder Slowenien im Vordergrund.
Auf jede Frage eine Antwort
Zum Abschluss eine Party
Am Tag darauf fand für die Volunteers noch ein Foto-Shooting zur Erstellung eines digitalen Foto-Albums statt. Bei der abendlichen Abschlussparty mit Ansprache vom Volunteer Management, Essensgutscheinen, Freigetränken, DJ und Tanz wurde in ausgelassener Stimmung zusammen gefeiert.
Ohne Volunteers geht nichts
Sein Fazit: „Ohne Volunteers kann eine solche Großveranstaltung gar nicht funktionieren“. Und: „Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Vielleicht bekommt er ja schon bald dazu Gelegenheit. Eine Voranmeldung für die Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2025 in der Schweiz für die Städte Luzern und St. Gallen hat er bereits abgeschickt.