Die Bundestagswahl rückt näher. Wie positionieren sich die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen? Von Bürgergeld bis Rüstungsetat, von Migration bis Trump – heute beantwortet Marius Dettki von Volt unsere zwölf Fragen.
Es sind herausfordernde politische Zeiten mit jeder Menge drängender Themen. Am 23. Februar ist Bundestagswahl und wir stellen im Vorfeld alle Direktkandidaten aus dem Wahlkreis vor. Sie haben unsere Fragen schriftlich beantwortet. Marius Dettki tritt für die Partei Volt an und ist ein neues Gesicht auf der politischen Bühne des Wahlkreises.
Herr Dettki, Was nehmen Sie aus den Gesprächen im Wahlkampf von den Bürgern im Kreis Rottweil mit – wo drückt bei den Menschen hier bei uns vor allem der Schuh?
Viele Menschen sind verunsichert, was die Wahlen und die Zukunft mit sich bringt. Dabei ist einiges an Besorgnis vor dem Erstarken von rechten Kräften hier, aber auch weltweit. Dazu gibt es viele Sorgen, dass die kommenden Jahre schlechter werden als zuvor. Dabei sehnen sich viele nach einer klaren Richtung, in die es weitergehen soll, da die Unsicherheit auch die Wirtschaft schwächt und viele lieber ein Ziel vor Augen hätten.
Wie könnten Sie sich in Berlin für die Anliegen der Bürger in Ihrem Heimatwahlkreis einsetzen? Inwieweit ist das im großen Bundestags-Apparat überhaupt möglich?
Durch Volt handle ich nach dem Grundsatz: “Europäisch denken, lokal handeln.” Dadurch kann ich greifbare und realitätsnahe Lösungen aus ganz Europa sowie meine Expertise aus dem Handwerk und dem Studium mit einbringen, um die besten Möglichkeiten für meinen Wahlkreis und ganz Deutschland in den Bundestag mit einzubringen.
Welche Ziele verfolgen Sie, um gerade den ländlichen Raum zu stärken?
Viele Leute aus der Stadt würden gerne auf dem Land wohnen und es dadurch stärken. Dafür braucht es eine gute Internetanbindung, um Homeoffice und Remote Arbeit zu ermöglichen. Dazu braucht es eine zuverlässige ÖPNV-Taktung, die es auch Menschen ohne Auto ermöglicht, mobil zu sein und so vor allem Jugendlichen und Rentnern dabei hilft, selbstständig in ihrem Alltag zu sein.
Im Kreis Rottweil leben viele Bürger mit Eigenheim - jetzt flattern die Grundsteuerbescheide ins Haus, deren Erhöhungen und Unterschiede kaum mehr nachzuvollziehen sind. Was sagen Sie dazu?
Die Kommunen sind angehalten, die Hebesätze so anzupassen, dass keine Kommune durch die Reform mehr einnimmt als vorher. Daher haben einige Bürger geringere, andere höhere Steuern. Meines Wissens ist so auch die Stadt Rottweil verfahren, ein Überblick über alle Gemeinden im Landkreis steht mir nicht zur Verfügung. Für die Bundestagswahl ist das Thema aus meiner Sicht nicht relevant, da es bei dieser Thematik um kommunale Entscheidungen sowie Landesgesetzgebung geht.
Auch Maßnahmen zum Klimaschutz schlagen bei uns teilweise hohe Wellen. Das Thema Windkraft spaltet die Menschen, die Wirtschaft sieht sich teilweise ausgebremst. Welche Priorität muss der Klimaschutz Ihrer Ansicht nach haben? Und welche Maßnahmen haben Vorrang?
Wind und Sonne bieten mit großem Abstand die günstigste Möglichkeit Strom zu produzieren. Die letzten Jahre haben uns gezeigt, wie abhängig und auch erpressbar wir uns machen, wenn wir von außereuropäischen Rohstoffen abhängig sind. Wir sollten schleunigst die erneuerbaren Energien ausbauen und Maßnahmen zur Stromspeicherung und Netzstabilisierung treffen. Es führt kein Weg an Klimaschutz vorbei und wir müssen unsere Wirtschaft darauf vorbereiten.
Viele Kommunen fühlen sich von Bund und Land in Anbetracht der vielen Aufgaben, die auf sie abgewälzt werden, im Stich gelassen – zum Beispiel im Bereich der Schulen und Kindergärten. Wo sehen Sie Stellschrauben, um die Kommunen zu stärken?
Bei Volt wollen wir, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo es sinnvoll ist. Die großen Probleme sollen gemeinsam europäisch gelöst werden, andere auf Bundes- und Landesebene. Lokale Themen sollten auch hier vor Ort im Landkreis entschieden werden. Dazu wollen wir die Kommunen besser finanziell ausstatten und beispielsweise die Gewerbesteuer konjunkturunabhängig machen.
Unabhängiger von der Weltpolitik werden
Der 6. November wird in die Geschichte eingehen: Trump gewählt, Ampel zerbrochen - welche drei Punkte müssen jetzt für die neue Bundesregierung absolute Priorität haben?
Wir müssen uns darauf einstellen, unabhängiger von der Weltpolitik zu werden und europäischer zu handeln. Unsere Zukunft und Demokratie sind bedroht wie nie. Wir müssen lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und uns vor demokratiefeindlichen Einflüssen aus dem In- und Ausland schützen. Wir müssen unsere Wirtschaft gemeinsam erneuern und uns auf eine klimaschützende und unabhängige Energieversorgung umstellen.
Wie viel sollte Deutschland jetzt für die Rüstung ausgeben?
Unter Trump kann sich die NATO nicht mehr auf die Unterstützung Amerikas verlassen. Ich bin für eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist nötig, um eine Modernisierung unserer Streitkräfte zu gewährleisten und die NATO gemeinsam mit anderen EU Staaten zu einer effizienten europäischen Armee weiterzuentwickeln.
Die Ukraine entschlossen unterstützen
Wie sehen Sie die weitere Rolle Deutschlands im Ukraine-Krieg?
Die Ukraine wurde angegriffen, da sich sich unserer freiheitlichen demokratischen Weltanschauung annähern möchten. Wir müssen sie daher unterstützen. Wenn Russland aufhört zu kämpfen, ist der Krieg zu Ende, wenn die Ukraine aufhört zu kämpfen, gibt es die Ukraine nicht mehr. Wir müssen die Ukraine also so entschlossen unterstützen, dass Russland einsieht, dass nichts mehr zu gewinnen ist und den Krieg beendet.
Stichwort Migration: Welche Linie ist die richtige?
Im Zuge der Nächstenliebe sehe ich es als geboten, die Menschenrechte zu achten und weiterhin ein Recht auf Asyl anzubieten. Das jetzige System ist jedoch überfordert. Zur Verhinderung von Radikalisierung sollten wir Maßnahmen zur besseren Integration in Gesellschaft und Arbeitsmarkt ergreifen. Dazu müssen die Asylprozesse beschleunigt und digitalisiert werden, so dass lange und teure Wartezeiten vermieden werden.
Was sagen Sie zum Bürgergeld?
Als angehender Selbstständiger hoffe ich natürlich, dass ich niemals Bürgergeld in Anspruch nehmen muss, finde es aber sehr beruhigend zu wissen, dass es, ein Netz gibt, das mich auffängt, wenn ich nicht arbeiten kann oder irgendwann doch längere Zeit ohne Arbeit da stehe. Entsprechend sollte man es so behandeln, wie man selbst in der Situation behandelt werden möchte, da es nicht ausgeschlossen ist, dass man es selbst irgendwann einmal braucht.
Wie ist Ihre Prognose für den 23. Februar? Und welche Koalition sehen Sie für Ihre Partei?
Ich bin sehr zuversichtlich. Wenn wir es schaffen, endlich in den Umfragen gelistet zu werden und auch Medial mehr Aufmerksamkeit bekommen, werden wir guten Anklang in der Bevölkerung finden. Als progressive Partei sind unsere Bestrebungen auch klar auf zukunftsorientierte Koalitionsmöglichkeiten ausgerichtet. Welche Möglichkeiten das genau sein werden, lässt sich aber erst nach der Wahl sagen.
Zur Person
Marius Dettki
ist 23 Jahre alt und in den letzten Zügen seines Elektro- und Informationstechnik Studiums. Parallel macht der Epfendorfer bereits eine Ausbildung zum Elektriker, um den familiären Elektrobetrieb weiter zu führen. Dabei ist ihm vor allem die Energiewende eine Herzensangelegenheit, da er diese sowohl beruflich als auch politisch vorantreiben möchte. Er steht auf Platz 10 der Landesliste für die Bundestagswahl.