Immer wieder fahren Sattelschlepper durch den engen Brennpunkt Unterer Marktplatz in Horb. Ignorieren die Fahrer die Schilder für das Lkw-Durchfahrtsverbot oder sind diese falsch platziert und zu mickrig?
11.20 Uhr am Tag zwei der Rauschbart-Vollsperrung. Vor mir steht ein Schwerlasttransport mit Bagger an der Kreuzung Dammstraße. Er biegt rechts ab – eigentlich verboten. Außer für Anlieger. Und er wirft die Frage auf: Steht Horb bald still, weil die Lkw-Durchfahrtsverbot-Schilder falsch und zu mickrig sind?
Fakt ist: OB Peter Rosenberger hatte die Rauschbart-Vollsperrung als die bisher kritischste bezeichnet. Denn: Halten sich Sattelschlepper nicht an das Durchfahrtsverbot, droht eine Verstopfung am unteren Marktplatz.
Friseur Jörg Doormann: „Als wir unseren Salon noch am unteren Marktplatz hatten, verkeilte sich hier ein Sattelschlepper und ein Bus. Die Feuerwehr kam von oben mit Blaulicht. Doch die Retter kamen nicht weiter.“
An Tag zwei der ersten Rauschbart-Vollsperrung gab es gleich zwei Sattelschlepper in einer Stunde, die trotzdem fuhren.
11.30 Uhr. Der Schwerlasttransport ist oben auf der Stuttgarter Straße angekommen. Die Mitarbeiterin aus dem Begleitfahrzeug ist ausgestiegen, öffnet die rot-weiße Absperrung. Der Kollege mit dem Bagger fährt rein. Baumaschinen für den Hochbrücken-Bau – alles legal.
Unten an der Gutermann-Kreuzung steht ein Sattelzug. Er will eigentlich auch hochfahren. Doch sieht noch rechtzeitig die rot-weiße Absperrung. Macht den Warnblinker an und fährt vorsichtig rückwärts. Es passt – weiter geht es Richtung Unterer Marktplatz. Der Sattelschlepper holt weit aus. Man sieht und hört von hinten, dass er noch mal rechts auf den Gehweg fährt. Dann kommt ein blauer Bus von oben. Schraubt sich in Millimeterarbeit vorbei und schafft es gerade so um die Kurve. Ein Busfahrer als Held.
Wie kann das sein? Hatte das Regierungspräsidium doch versprochen: Mit LKW-Durchfahrtsverbotsschildern sollen Sattelschlepper spätestens an der Kreuzung Mühlener Straße zum Rechtsabbiegen animiert werden.
Der Schilder-Check: Das erste, große Lkw-Durchfahrtsverbotsschild steht geschätzt fünf Meter hinter der Ampel auf der rechten Seite der Brücke. Sieht das der LKW-Fahrer, wenn er rechts abbiegt und sich darauf konzentriert, dass er mit der Zugmaschine nicht in den Gegenverkehr reinrauscht und in die Rückspiegel schaut, damit der Auflieger auch um die Kurve kommt?
Weiter Richtung Kreuzung Mühlener Straße. Und plötzlich kommt – ungefähr in Höhe des Lotzer-Hauses – der nächste Sattelschlepper gefahren. Er hält natürlich bei Rot an der Ampel Mühlener Straße. Und fährt bei grün einfach weiter Richtung Gutermannstraße.
Ich hetze die Hirschgasse hoch, reiße die Kamera raus. An, drauf. Ich erwische gerade noch den Sattelschlepper, wie er in die Bildechinger Steige einbiegt. Warum nur?
Zurück zur Kreuzung Mühlener Straße. Der letzte Punkt, wo Sattelschlepper rechts abbiegen sollten. Steht hier ein „Durchfahrt verboten“-Schild? Auf den ersten Blick fällt nichts ins Auge. Ach doch. Links neben dem Schaufenster vom Weinhaus Dörr steht ein Micker-Schild. Kreisrund mit rotem Rand. Darunter noch kleiner auf dem Schild: „Keine Wendemöglichkeit für LKW“. Sieht aus wie der Rest einer ehemaligen Gehweg-Absperrung.
Zweimal gingen diese Sattelschlepper-Irrfahrten durch die Engstelle am Unteren Marktplatz innerhalb einer Stunde gut. Auch dank eines genialen Busfahrers.
Doch eine Frage bleibt: Sorgt dieses Micker-Schild dafür, dass sich irgendwann während der Rauschbart-Vollsperrung ein Sattelschlepper und ein Bus am Unteren Marktplatz verhaken? Steht dann ganz Horb still?
Und auch Rexingen leidet extrem unter der Vollsperrung. Weil jetzt der Verkehr wieder über die Ortsdurchfahrt umgeleitet wird. Die Anlieger Gertraud und Jürgen Schweizer sagen: „Ohne Rücksicht wird der Schwerlastverkehr durch unser Rexingen gequält. Gefühlt ist der Straßenverkehr – PKW und LKW – um mindestens 50 Prozent erhöht. Das geht von morgens 5.30 Uhr bis gegen 22.30 Uhr in der Nacht. Unsere Schallschutzfenster schaffen die Lärmbelästigung nicht mehr!“
Das sagen die Busunternehmen und das Regierungspräsidium
Norman Weiss, vgf:
„Es kam gerade am frühen morgen, also gerade bei der Einrichtung der Sperrung zu Problemen mit LKW, die einfach schon in der Stadt waren und dann zwangsläufig über die Bildechinger Steige fahren mussten. Das kam auch am Nachmittag dann noch mal vor. Wenn diese Fahrzeuge am ehemaligen Krankenhaus um die Kurve fahren müssen, reicht kaum der Platz. Andere Verkehrsteilnehmer nehmen oftmals leider keine Rücksicht auf solche Situationen. Da muss dann einfach Platz für den LKW gelassen werde und man bleibt halt weiter oben mal stehen, bis der LKW ums Eck ist. Dann läuft das auch relativ schnell wieder. Mit solchen Situationen wie beschrieben, und in den üblichen Stoßzeiten zur Schul- oder Mittagszeit, ließen sich deshalb Verspätungen nicht ganz vermeiden. Zu allen anderen Zeiten waren wir aber ganz gut im Fahrplan.“
Lilly Börstler, Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe:
„Eventuelle Optimierungspotenziale, die bei der aktuellen Sperrung erkannt werden, werden umgesetzt und auch für die zukünftigen Sperrungen übernommen. Die angesprochenen Bereiche werden nochmals überprüft und die Beschilderung gegebenenfalls verbessert.“