Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart zeigen bei den 3:0-Heimsiegen im Play-off-Halbfinale gegen den SSC Schwerin Topleistungen – nicht zuletzt dank Krystal Rivers und Michaela Mlejnkova. Ihre Treffsicherheit ist nun auch gegen den Dresdner SC gefragt.
Stuttgart - Im Sport gilt es als besonderes Qualitätsmerkmal, unter Druck Topleistungen abliefern zu können. Wenn das Ausscheiden droht, die Ergebnisse nicht dem Potenzial entsprechen, die Kritik von außen wächst. Den Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart ist genau das gelungen. Sie benötigten im Play-off-Halbfinale gegen den SSC Schwerin nach dem 0:3 zum Auftakt zwei Heimsiege, um es in die Finalserie gegen den Dresdner SC zu schaffen. Und sie haben geliefert – auf höchst eindrucksvolle Art und Weise. „Was das Team in diesen zwei Spielen geleistet hat, verdient absoluten Respekt“, sagte Sportdirektorin Kim Renkema nach den 3:0-Siegen am Mittwoch und Donnerstag, „wir stehen nun zum sechsten Mal nacheinander im Finale, darauf dürfen wir sehr stolz sein.“ Kein Wunder, dass Trainer Tore Aleksandersen dieses Gefühl teilte: „Im Umfeld ist vieles zu früh schlecht geredet worden. Ich bin sehr glücklich, dass es uns nun zweimal gelungen ist, allen zu zeigen, was für eine gute Mannschaft wir sind.“
Die Erleichterung darüber, dass ihr Team ausgerechnet in dem Moment, als es wirklich zählte, voll da war, stand Kim Renkema am Donnerstagabend in der Scharrena ins Gesicht geschrieben. Und die Sportchefin ließ die Spielerinnen nach dem Einzug in die Finalserie auch spüren, wie groß der Druck gewesen ist, der gerade von ihr abgefallen war. Jede Einzelne umarmte sie ganz fest, und bei einer dauerte diese Geste des Glücks besonders lange: Michaela Mlejnkova hatte das stärkste Heimspiel seit ihrer Rückkehr im Sommer 2020 absolviert. „Sie ist so aufgetreten, wie wir sie kennen, mit viel Mut und Durchsetzungskraft“, sagte Kim Renkema, „sie hat zum richtigen Zeitpunkt gezeigt, was sie draufhat.“ Und wofür sie verpflichtet worden ist.
Lesen Sie hier: So lief das dritte Play-off-Halbfinale gegen den SSC Schwerin
2018 verließ Mlejnkova den MTV nach drei Jahren in Richtung Polen – zuvor hatte die Außenangreiferin ihr von Verletzungen gebeuteltes Team fast im Alleingang durch die mit 0:3 verlorene Finalserie gegen den SSC Schwerin getragen. Bei ihrer neuerlichen Unterschrift in Stuttgart kündigte sie an, noch eine Rechnung offen zu haben und nach drei Vizemeisterschaften (2016, 2017, 2018) endlich den Titel gewinnen zu wollen.
Durch ihren starken Auftritt hilft Mlejnkova auch Teamkollegin Rivers
Es war eine durchaus realistische Zielsetzung, schließlich verfügt Allianz MTV Stuttgart dank des Duos Krystal Rivers (26) und Michaela Mlejnkova (24) über eine Schlagfertigkeit, die in der Bundesliga ihresgleichen sucht. Das Problem war nur, dass die Tschechin bisher oft gehemmt wirkte, es schien, als setze ihr die Coronakrise besonders zu, emotional und körperlich. Dazu kamen unübersehbare Schwächen in der Annahme. Nach ihrem Auftritt gegen den SSC Schwerin hat darüber niemand mehr gesprochen. „Wir waren klar besser als unser Gegner“, sagte Mlejnkova, die als wertvollste Spielerin ausgezeichnet wurde, „die ganze Mannschaft hat einen super Job gemacht. Wir haben viel Qualität auf allen Positionen, pushen uns in jedem Training, was uns noch besser macht. Wir sind als Team stark genug, um den Titel holen zu können.“
Lesen Sie hier: Maria Segura Pallerés – die Alleskönnerin bei Allianz MTV Stuttgart
Sollte Michaela Mlejnkova erneut so beherzt aufspielen, ist das zweifellos richtig. Weil es einen doppelten Effekt hat. Denn jeder Punkt, den sie macht, zeigt dem gegnerischen Block, dass es nicht genügt, sich vor allem auf Krystal Rivers zu fokussieren, was wiederum der US-Amerikanerin ihren Job erleichtert. „Sie bleibt die überragende Spielerin, die immer wieder in entscheidenden Phasen punktet“, sagte Felix Koslowski, der Coach des SSC Schwerin, „doch wenn die Stuttgarterinnen die Meisterschaft gewinnen wollen, wird sie allein nicht reichen. Dann muss mehr kommen. So wie gegen uns von Michaela Mlejnkova.“ Koslowski sieht den Meister von 2019 trotz dieser Einschränkung als klaren Anwärter auf die Titelverteidigung: „Der Dresdner SC hat eine ganz starke erste Sechs, aber die Stuttgarterinnen sind die beste Mannschaft der Liga. Da wurden vor der Saison super Verpflichtungen getätigt, es gibt keinen Verein, der eine solche Qualität im Kader hat. Vom Papier her muss der MTV das Finale gewinnen.“
Aleksandersen: „Eine durchschnittliche Leistung reicht nicht“
Allerdings wird die Serie, die am 10. April in Dresden beginnt, immer noch auf dem Feld entschieden – und dort ist alles offen. Sagen zumindest die Verantwortlichen in Stuttgart, wohlwissend, dass es in der Bundesliga-Hauptrunde zwei 3:0-Siege gegen den Dresdner SC gab (der am Ende trotzdem Tabellenführer war). „Das hat keine Bedeutung mehr“, meinte Tore Aleksandersen, „am Ende wird sich das Team durchsetzen, das mehr Emotionen einbringt. Eine durchschnittliche Leistung reicht nicht, um Meister zu werden.“ Das sieht auch Kim Renkema so. „Der Dresdner SC liegt uns vom Stil her etwas mehr als der SSC Schwerin“, sagte die Sportdirektorin, „aber es gibt keinen Favoriten.“ Nur die für sie schöne Erkenntnis, dass ihr Team in der Lage ist, auch unter Druck zu bestehen. Es ist ein Qualitätsmerkmal, das in der Finalserie wichtiger denn je sein wird.
In unserer Bildergalerie blicken wir auf die bisher fünf Endspielserien mit Stuttgarter Beteiligung zurück.
Lesen Sie hier: Das große Interview mit Kim Renkema zu den Play-offs