Voller Einsatz: Maria Segura Pallerés (re.) und Allianz MTV Stuttgart haben die Play-off-Halbfinalserie gegen den SSC Schwerin noch längst nicht aufgegeben. Foto: Baumann

Maria Segura Pallerés spielt bei den Stuttgarter Volleyballerinnen eine tragende Rolle – auch deshalb ist die Spanierin nun in der Halbfinalserie der Play-offs um die Meisterschaft gegen den SSC Schwerin ganz besonders gefordert.

Stuttgart - Ein Volleyball-Team lebt von einer klaren Rollenverteilung, Allianz MTV Stuttgart ist da keine Ausnahme. Diagonalangreiferin Krystal Rivers soll vor allem punkten, Libera Roosa Koskelo hält die Abwehr zusammen, Zuspielerin Pia Kästner muss die Bälle punktgenau servieren, Juliet Lohuis und Mira Todorova bilden den Mittelblock. Und dann gibt es noch die Position der Außenangreiferin, von der mehr verlangt wird – oder besser: alles. Hier ist Maria Segura Pallerés gesetzt, die stärkste Allrounderin. „Eine Spielerin wie sie“, sagt Sportchefin Kim Renkema, „braucht jede Mannschaft.“ Erst recht, wenn es wirklich zählt.

 

Aktuell könnte der Druck auf die Stuttgarterinnen größer kaum sein. Denn nach dem 0:3 im ersten Duell beim SSC Schwerin sind auch die Rollen in der Play-off-Halbfinalserie um die Meisterschaft klar verteilt. Der MTV ist Außenseiter, er benötigt an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) und Donnerstag (17 Uhr/jeweils Sport 1) zwei Siege, um noch in die Finalserie einzuziehen. Das wird nicht einfach, weshalb es nun umso mehr auf Maria Segura Pallerés ankommt.

Die Spanierin steht fast immer auf dem Feld

Denn die Spanierin ist nicht nur eine der besten Aufschlägerinnen der Bundesliga, die zudem in der Annahme, im Block, in der Feldabwehr und bei ihren Angriffen eine hohe Qualität hat, sondern auch eine der Führungskräfte. „Das Wort Stabilität wurde für sie erfunden“, erklärt Kim Renkema, „doch sie gibt der Mannschaft nicht nur auf dem Spielfeld Halt, sie hat auch eine sehr gute Mentalität, sorgt immer für Stimmung. Sie ist extrovertiert, eine Persönlichkeit. Von ihrem Typ bräuchten wir vielleicht noch die eine oder andere Spielerin mehr.“

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Es ist ein Lob, das Maria Segura Pallerés (28) gerne hört. Und das ihr gut tut. Weil es zu ihrem Anspruch passt, in möglichst vielen Bereichen eine tragende Rolle zu übernehmen. „Natürlich ist es wichtig, jemanden zu haben, der die Punkte macht“, meint sie, „aber es ist auch wichtig für ein Team, dass es Leute gibt, die großen Anteil am Spiel haben, selbst wenn das von außen gar nicht so auffällt. Genau das entspricht meinem Charakter.“ Den hebt auch der Trainer hervor: Schon unter Giannis Athanasopoulos stand die im Sommer 2020 verpflichtete Außenangreiferin fast immer auf dem Feld, unter dessen Nachfolger Tore Aleksandersen hat sich daran nichts geändert. „Sie übernimmt enorm viel Verantwortung, kann ein Team antreiben und mitreißen“, sagt der Norweger, „für mich ist sie super wichtig, weil sie immer bereit ist, alles zu geben und enorm vielseitig ist, ohne eine echte Schwäche zu haben.“ Aleksandersen wäre kein guter Coach, wenn er nicht noch Möglichkeiten zur Verbesserung sehen würde, zum Beispiel beim „Angriffsrhythmus mit der Zuspielerin“ oder in der „Blockarbeit“. Er sagt aber auch: „Maria hat selbst das Ziel, noch stärker zu werden, daran arbeitet sie hart. Für einen Trainer ist sie eine Traumspielerin.“

Noch keine Gespräche über einen neuen Vertrag

Wozu sicher auch beiträgt, dass Segura Pallerés sich in Stuttgart bestens eingelebt hat – so gut das in der Pandemie eben ging. Sie liebt Spaziergänge in Richtung Grabkapelle, mag die Innenstadt, hat auch den Schwarzwald schon erkundet. Ihr Herz gehört zwar Barcelona, ihrer Geburtsstadt, sie könnte sich aber durchaus vorstellen, die Liaison mit Stuttgart zu verlängern. Über einen neuen Vertrag wolle sie zwar erst nach der Saison verhandeln, doch in einem Interview mit einer italienischen Zeitung gab sie einen Einblick in ihre Gedankenwelt: „Ich hoffe, in Stuttgart bleiben und vielleicht einige Titel gewinnen zu können.“

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An Kim Renkema würde es nicht scheitern („Sie ist unsere Wunschkandidatin, wir wollen sie unbedingt halten“), und zugleich wäre dies ein Novum – denn seit 2014, als sie Barcelona verließ, hat Maria Segura Pallerés Jahr für Jahr bei einem neuen Club unterschrieben. Zunächst bei Zweit- und Erstligisten in Italien, dann beim Dresdner SC (2018) und danach erneut in Italien bei Volley Millenium Brescia (2019). Als Volleyball-Vagabundin würde sich die Spanierin trotzdem nicht bezeichnen, stattdessen eher als intelligente Karriereplanerin. „Ich habe die Optionen genutzt, um mich Schritt für Schritt zu entwickeln. Alles, was kam, war besser als die Saison zuvor“, sagt sie, „mittlerweile habe ich das Gefühl, eine ziemlich vollständige Spielerin zu sein.“

Die nun mit ihren Teamkolleginnen gefordert ist, ohne Zweifel zu haben, dass trotz der schwierigen Ausgangsposition gegen den SSC Schwerin noch viel möglich ist. „Wir sind ganz sicher stark genug, um den Titel holen zu können“, sagt Segura Pallerés, „es ist die perfekte Möglichkeit, um zu glänzen.“

Nicht nur für die Alleskönnerin.