„Wir nehmen das Thema sehr ernst“, sagt Norbert Vollmer, Geschäftsführer des TV Rottenburg. Es geht um Kindesmissbrauch.
Ende 2019 war der beschuldigte Niederländer sechs Wochen lang beim damaligen Erstligisten. So reagiert der Verein.
Ein niederländischer Volleyball-Nationalspieler, der in der Saison 2019/20 kurzzeitig für den damaligen Erstligisten TV Rottenburg spielte, sieht sich in seiner Heimat schweren Vorwürfen ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft in Groningen wirft dem 35-Jährigen Kindesmissbrauch vor, berichtet die „Bild“-Zeitung.
Die Ermittler hätten mehr als 500 Chats mit sexuell expliziten Nachrichten an Minderjährige sichergestellt, nachdem die Eltern eines Neunjährigen Anzeige bei der Polizei erstattet hatten. Ob auch deutsche Kinder und Jugendliche unter den Opfern sind, sei noch nicht bekannt. Laut niederländischen Medienberichten sitzt der Mann seit Dezember in Untersuchungshaft, die nächste Anhörung ist am 21. Mai.
In seiner Heimat wurde der 35-Jährige auch deshalb bekannt, weil er sich als erster Volleyball-Profi in den Niederlanden offen zu seiner Homosexualität bekannte. In seiner Profikarriere absolvierte der Volleyballer seit 2009 in verschiedenen Ländern 15 Stationen, darunter einige Wochen beim TVR Ende 2019. Zuletzt spielte er bis 2025 bei Dynamo Apeldoorn.
So reagiert der TVR
„Das ist eine schreckliche Nachricht, schlimm für alle Beteiligten“, sagt Norbert Vollmer, der Geschäftsführer des TV Rottenburg. „Die Nachricht zeigt aber auch, wie ernst man dieses Thema nehmen muss – und das tun wir beim TVR.“
Er habe sofort den Kontakt zu den Kinderschutzbeauftragten des Vereins gesucht, nachdem er am Wochenende Kenntnis von den Vorwürfen bekommen habe, sagte Vollmer. Zum fraglichen Zeitpunkt war Stefan Schmeckenbecher Kinderschutzbeauftragter beim TVR, seit einigen Jahren teilt er sich das Amt mit Nadine Schemmann. „Wir haben ein Schutzkonzept und befassen uns seit mehr als zehn Jahren intensiv mit Kinderschutz“, sagt Norbert Vollmer.
Schmeckenbecher habe ihm versichert, dass es damals keine Auffälligkeiten gegeben habe, sagt der TVR-Geschäftsführer. Der Profi sei weder in die Nachwuchsarbeit eingebunden gewesen noch habe er an Events mit Jugendlichen teilgenommen. „Von daher schätzen wir die Gefahr gering ein, dass in Rottenburg Kinder oder Jugendliche betroffen sein könnten“, sagt Norbert Vollmer.
Keine Auffälligkeiten
Vom Team der Saison 2019/2020 spielt keiner mehr in Rottenburg, auch der damalige Trainer Christophe Achten ist nicht mehr beim TVR. Norbert Vollmer hat beim damaligen Manager nachgefragt. Auch Philipp Vollmer erinnert sich an keine Auffälligkeiten. Nach nur sechs Wochen war die Zeit des Niederländers beim TVR auch schon wieder vorbei.
„Er hatte in seinem Vertrag eine Klausel, dass er uns verlassen kann, wenn er ein besser dotiertes Angebot bekommt“, sagt Norbert Vollmer. „Und das hat er dann auch getan.“ In derselben Saison schlug der Niederländer erst in China, später in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf.