Philipp Vollmer brachte den Brief mit dem Lizenzantrag für die erste Liga zur Post. Foto: Hopp

Volleyball: Team kann auch wirtschaftlich erstklassig bleiben. "Lücke von 125.000 Euro geschlossen." Mit Kommentar

Auf dem Briefumschlag steht dick und fett der Adressat: "Volleyball Bundesliga e.V." Der Mann, der den Brief in der Hand hält, ist glücklich. Philipp Vollmer hat am Donnerstag den Lizenzantrag losgeschickt. Die Volleyballer des TV Rottenburg können auch wirtschaftlich erstklassig bleiben.

Die Erleichterung ist dem Geschäftsführer anzumerken. "Ich habe die Lücke von 125.000 Euro geschlossen", berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung. Grünes Licht gab es deshalb von Vereinsseite. "Ich habe dem Beirat am Mittwochabend die neuesten Entwicklungen mitgeteilt, dann ging es ganz schnell mit der Entscheidung." Es kann weitergehen für den TV Rottenburg in der ersten Liga.

125.000 Euro fehlten dem TVR

Rasante Wochen und Monate liegen hinter dem TVR-Geschäftsführer. Der Erstligist geriet finanziell und sportlich gehörig ins Schlingern. Der Rückzug des Kopp Verlags sorgte für ein klaffendes Finanzloch. Das umstrittene Rottenburger Unternehmen hatte den Löwenanteil am Sponsorenpaket beigesteuert. Doch Jochen Kopp wurden die Anfeindungen gegen seinen Verlag zu viel. Auch der TV Rottenburg musste sich in den vergangenen Jahren einige Beschimpfungen wegen seines größten Sponsors gefallen lassen. Denn der Kopp-Verlag erregt deutschlandweit kritische Aufmerksamkeit. In seinem Angebot hat er auch rechtspopulistische, esoterische und verschwörungstheoretische Werke.

Doch dieses Kapitel ist genauso vorbei wie die Finanzlücke. Am Montag hatte Vollmer noch erklärt, dass ihm noch 10 .000 Euro fehlen. Doch auch die konnte er noch auftreiben. "Natürlich müssen noch einige Verträge fix gemacht werden, aber die Zusagen sind da." Das sei auch in den vergangenen Jahren nicht anders gewesen.

Gerade der Sieg am vergangenen Sonntag im Abstiegsspiel gegen die Solingen Volleys habe noch einmal für den letzten Schub gesorgt, berichtet der Geschäftsführer. "Es gab schon in den letzten Wochen Stimmen, die sagten: Warten wir erst einmal ab, ob ihr sportlich in der ersten Liga bleibt. Doch die Rettung am Sonntag war hochemotional. Das war ein positives Signal."

Einen großen Anteil an der Rettung hat die Stadt Rottenburg, die einen Teil der Lücke schließt – wenn der Gemeinderat am kommenden Dienstag zustimmt, betont Vollmer. Doch die Vorzeichen stehen gut. Die Gemeinderatsfraktionen hatten die Linie von Oberbürgermeister Stephan Neher, dem TVR zu helfen, positiv kommentiert.

Der Geschäftsführer freut sich, dass neben bisherigen Sponsoren, die ihr Engagement aufstocken, auch neue dazugekommen sind. "Wir haben beispielsweise aus Böblingen oder aus Horb Sponsoren gewinnen können. Das hat mich selbst überrascht, die Landkarte ist für uns größer geworden. Ich hatte manche Regionen für uns gar nicht auf dem Schirm."

Auch die Berichterstattung in den Medien habe dazu beigetragen. Noch ein positives Signal: Seit Montag steigt die Zahl der Dauerkarten rasant. "Deswegen haben wir unsere Dauerkartenaktion bis Ostern verlängert." Der Geschäftsführer hofft, dass künftig noch mehr Zuschauer zu den Heimspielen nach Tübingen kommen. In den letzten Wochen waren es nur 1000. Beim entscheidenden Spiel wieder 2000. Durchschnaufen ist aber für ihn jetzt nicht möglich. Bis zum 2. Mai muss der Wirtschaftsplan eingereicht werden – und dann steht auch noch die Kaderplanung an.

Bisher stehen nur zwei Spieler unter Vertrag

Tim Grozer und Phillip Trenkler sind die einzigen Spieler, deren Verträge noch ein Jahr laufen. "Sonst habe ich bisher keine Spieler." Mit allen anderen Spielern werde er in den kommenden Tagen Gespräche führen. Vollmer hofft, dass neben dem Sportlichen auch Studium und Beruf weiterhin ein wichtiges Argument für den Verbleib in Rottenburg sind. "Aber natürlich schauen wir auch, was es gerade auf dem Spielermarkt gibt." Täglich würden sich Agenten melden, die vor allem ausländische Spieler anbieten.

Das werden also die nächsten spannende Wochen für Vollmer. Die Kaderqualität muss stimmen. "Die Bundesliga wird immer stärker." Aber Rottenburg spielt weiter mit!

Kommentar: Erstklassig!

Von Florian Ganswind

Philipp Vollmer strahlte. Und das zu Recht: Dem Volleyball-Geschäftsführer des TV Rottenburg ist in wenigen Wochen ein Meisterstück gelungen. Nachdem mit dem Kopp Verlag der größte Sponsor weggebrochen war, stand die Erstligazugehörigkeit mehr als auf der Kippe. Auch sportlich musste sich der TVR retten. Beide Abstiegsgespenster wurden vertrieben. Für die Sportregion ist das eine sehr gute Nachricht. Volleyball auf höchstem Niveau vor der eigenen Haustür ist ein echter Gewinn. Dass sogar aus dem Raum Horb Sponsoren gewonnen werden konnten – »die Landkarte für den TVR größer wurde«, wie Vollmer es selbst ausdrückt – weckt Hoffnung, dass auch die Zahl der Anhänger steigt. Ein paar mehr Zuschauer hätten es in den letzten Wochen sein können. Vielleicht schauen sich ja künftig mehr Sportbegeisterte erstklassigen Volleyball an!