Der letzte große Titelgewinn von Allianz MTV Stuttgart: Im April 2024 feierten Trainer Konstantin Bitter und die damalige Sportchefin Kim Renkema gemeinsam mit der Meisterschale. Foto: Baumann

Nach zwei Jahren ohne wichtigen Titel wird Konstantin Bitter zwar kritisiert, die Verantwortung des Trainers von Volleyball-Bundesligist Allianz MTV Stuttgart bleibt aber groß.

Das letzte Saisonabschlussfest, bei dem es wirklich etwas zu feiern gab, liegt genau zwei Jahre zurück. 2024 holte Allianz MTV Stuttgart das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Supercup, war die Nummer eins im deutschen Frauen-Volleyball. Beim folgenden Treffen des Teams mit Sponsoren, Helfern und ausgewählten Fans standen auf der Bühne drei Trophäen, mit denen sich zahlreiche Gäste fotografieren ließen. Seither ist viel passiert. Weshalb es an diesem Mittwoch, wenn der Verein sich wieder in der Spardawelt versammelt, reichlich Gesprächsbedarf gibt.

 

Passenderweise startet die Veranstaltung um 19 Uhr, just in dem Moment also, in dem auch das Play-off-Duell um die Meisterschaft zwischen dem VfB Suhl und dem Dresdner SC beginnt. Genau ein Jahrzehnt lang stand Allianz MTV Stuttgart in jeder DM-Finalserie, danach blieb der Club zwei Jahre ohne großen Titel. Vor allem deshalb wurde zuletzt in den sozialen Medien kontrovers über Trainer Konstantin Bitter diskutiert. Aber nicht nur dort.

„Es fehlten Impulse von der Seitenlinie“

Aurel Irion stärkte dem Coach nach der zweiten 2:3-Niederlage gegen den Dresdner SC, die das erneute Aus im Halbfinale besiegelt hatte, demonstrativ den Rücken. Bitter sei ein junger Trainer, der „noch auf dem Weg ist, sich zu entwickeln“, erklärte der Geschäftsführer, „doch wir sind absolut überzeugt von ihm und seiner Arbeit.“ Einen etwas anderen Tonfall brachte anschließend jedoch Markus O. Robold ins Spiel, der als Mitglied des Führungsteams von Allianz MTV Stuttgart nicht nur fürs Ticketing zuständig ist, sondern auch für einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Im jüngsten Text auf der Vereins-Homepage, in dem er ein Saisonfazit zog, zählte er den Coach an. Im verlorenen Pokalfinale habe man sich vom VfB Suhl „taktisch überraschen“ lassen, schrieb Robold, und auch im Duell mit dem Dresdner SC hätten in „entscheidenden Situationen Impulse von der Seitenlinie gefehlt“. In der nächsten Saison sei unter anderem wichtig, „taktisch noch flexibler zu agieren“ – mit dem „klaren Ziel, die verpassten Titel nachzuholen“.

Bleibt bis 2030 Geschäftsführer von Allianz MTV Stuttgart: Aurel Irion. Foto: Imago/Eibner

Diese öffentliche Kritik mitsamt des unmissverständlichen Arbeitsauftrages an den Trainer kam auch deshalb unerwartet, weil der Club den Vertrag mit Konstantin Bitter nach dem Pokalfinale bis 2030 verlängert hat. Teil des Kontrakts sind zwar mögliche Ausstiegsszenarien (für beide Seiten), dennoch belegt die lange Laufzeit des Papiers die Kontinuität, auf die der Verein setzt. Mittlerweile wurde auch mit Aurel Irion um vier Jahre bis 2030 verlängert. Dass er einen neuen Vertrag unterschrieben hat, ist bislang zwar nur in einem kurzen Satz in einem weiteren Robold-Text über das zehnjährige MTV-Jubiläum des Geschäftsführers erwähnt worden. Das ändert jedoch nichts daran, dass Aurel Irion auf der organisatorischen und Konstantin Bitter auf der sportlichen Seite noch lange die verantwortlichen Männer bei dem Bundesligisten bleiben werden – und niemand sonst.

In der Zeit, in der Allianz MTV Stuttgart zum erfolgreichsten Verein im deutschen Frauen-Volleyball wurde, gab es – neben dem Geschäftsführer und dem jeweiligen Trainer – in Kim Renkema noch eine einflussreiche und enorm ehrgeizige Sportdirektorin, die zuvor lange für den Club gespielt hatte. Nachdem ihr im Dezember 2024 in den Vertragsverhandlungen nur eine Verlängerung um ein Jahr angeboten worden war, kam es zur Trennung. Kim Renkema ist mittlerweile Geschäftsführerin der Volleyball-Bundesliga (VBL), ihr Posten in Stuttgart nicht neu besetzt worden. Die Aufgaben, die sie hatte, wurden auf mehrere Schultern verteilt, für das Scouting und die Kaderplanung ist nun Konstantin Bitter alleine zuständig. Und das wird sich auch nach zwei Jahren ohne Titel nicht ändern.

Auf Nachfrage erklärte Aurel Irion, dass das Konstrukt ohne Sportchefin zwar nicht „in Stein gemeißelt“ sei. Der Geschäftsführer sagte aber auch: „Um diese Position auszufüllen, braucht es die geeignete Person und Geld. Wir haben weder die dafür nötige Persönlichkeit noch das Budget, das immer kleiner wird. Derzeit hätten wir keine Möglichkeit, jemanden für diesen Job einzustellen.“ Man halte zwar die Augen offen, sei aber nicht aktiv auf der Suche. „Wir haben uns entschieden, es so zu machen wie andere große Clubs“, erklärte Irion. Der Dresdner SC (Alexander Waibl) und der SSC Schwerin (Felix Koslowski) setzen schon seit langem auf starke Trainer-Persönlichkeiten, die nicht nur für die Form, sondern auch für die Zusammenstellung des Kaders verantwortlich sind. Wie erfolgversprechend dieses Modell für Allianz MTV Stuttgart ist? Auch darüber wird an diesem Mittwoch beim Saisonabschluss womöglich diskutiert werden.