Der Landkreis zieht nach der ersten Betriebswoche eine äußerst positive Bilanz. Auch technisch läuft es auf der HHB. Aber ausgerechnet die moderne Technik hat ihre Tücken.
Seit gut einer Woche ist die Hermann-Hesse-Bahn (HHB) in Betrieb: Seit Sonntag, 1. Februar, verkehrt sie dem Fahrplan entsprechend zwischen Calw und Weil der Stadt. Tags zuvor, am 31. Januar, hatte die neue Bahn mit allerlei Polit-Prominz an Bord ihre Jungfernfahrt absolviert, und am Calwer Bahnhof fand ein großes Fest für die Bürger statt. Eine Woche später ist der Landkreis Calw noch immer in Feierlaune aufgrund der reaktivierten Bahnstrecke. Daran lässt eine Mitteilung keinen Zweifel.
Nachfrage „Die Hermann-Hesse-Bahn ist mit einer durchweg positiven Resonanz in den Betrieb gestartet. Bereits in den ersten Tagen zeigt sich: Die neue Bahnverbindung zwischen Calw und Weil der Stadt trifft den Bedarf der Bevölkerung und wird mit hoher Nachfrage angenommen“, heißt es darin.
Bereits am 1. Februar seien die Züge regelrecht gestürmt worden. „Alle Fahrten waren gut ausgelastet, ab dem Mittag sogar bis auf den letzten Stehplatz.“ Pro Zug waren demnach zwischen 200 und 250 Fahrgäste unterwegs. Das sind laut Landkreis, hochgerechnet auf die zehn Hin- und Rückfahrten an diesem Tag, rund 4000 bis 5000 Fahrgäste – „ein beeindruckender Auftakt“.
Zwei Züge verkehren auf der Strecke
Die Nachfrage sei auch in den Tagen danach auf hohem Niveau geblieben. Auf der Strecke verkehren zwei Züge. Jeder von ihnen bietet 120 Sitzplätze und 150 Stehplätze.
Landrat Helmut Riegger wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Der Start der Hermann-Hesse-Bahn war ein voller Erfolg. Der enorme Zuspruch zeigt: Alle Mühen und das lange Warten haben sich mehr als gelohnt.“
Technik Der HHB-Zweckverband zieht derweil auch technisch eine positive Bilanz. Der Betrieb verlaufe stabil und die Züge seien pünktlich unterwegs. „Die Technik an der Strecke läuft sehr zuverlässig“, teilt er mit. Besonders positiv hervorzuheben sei dabei der Verkauf von VVS-Fahrausweisen in den Bussen der Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw mbH (VGC). Dies klappt laut Mitteilung sehr gut. Inzwischen sind zudem alle Fahrscheinautomaten entlang der HHB in Betrieb.
Fahrkarten Allerdings könne es in Einzelfällen bei Fahrten nach Stuttgart noch zu Problemen kommen. „Hier wird empfohlen, das Ticket vorab online zu erwerben. Bei einzelnen Online-Verbindungen von und nach Ostelsheim wird derzeit geraten, den Fahrschein direkt am Automaten zu kaufen“, teilt der Landkreis abschließend mit.
Fahrgäste sitzen in Ostelsheim fest
Zwangspause Das klingt alles durchweg positiv. Allerdings: Gleich am zweiten Betriebstag trat offenbar doch ein unerwartetes Problem auf. Live miterlebt hat dies einer unserer Leser. Er sei das erste Mal mit der HHB unterwegs, schreibt er am späten Montagnachmittag in einer E-Mail an unsere Redaktion. „Jetzt sitz ich seit über einer Stunde in Ostelsheim fest... Weil... Keine Ahnung!“, berichtet er. Und kommt zu dem Fazit, Dampflokomotiven seien robuster gewesen.
Missgeschick Was war da los? Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt das Landratsamt diese Zwangspause. Die hatte einen kuriosen Grund. „Die Ursache hierfür war kein technischer Defekt an der Strecke oder dem Fahrzeug, sondern ein ebenso menschliches wie unglückliches Missgeschick“, erklärt Anja Reinhardt, im Landratsamt zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Der Triebfahrzeugführer des Zugs in Calw hatte den Führerstand kurzzeitig verlassen, um am Bahnsteig eine routinemäßige Kontrolle vorzunehmen.“
Dabei sei die Tür des Führerstands ins Schloss gefallen und habe sich „unvorhergesehen, während sich der Schlüssel noch im Inneren befand“, verriegelt. Weil moderne Züge aus Sicherheitsgründen über entsprechend abgesicherte Zugangssysteme verfügen, wie die Pressesprecherin erklärt, sei ein einfacher Zutritt von außen nicht unmittelbar möglich gewesen. „Um den Zug wieder fahrbereit zu machen, musste ein Kollege von einem anderen Standort mit einem Ersatzschlüssel hinzugezogen werden“, berichtet Reinhardt. Als dieser eintraf, konnte er den Führerstand dann öffnen.
„Wir bedauern die entstandene Verzögerung für die Fahrgäste sehr.“ Gleichzeitig hofft die Landkreisverwaltung, „dass die Fahrgäste die unfreiwillige Pause angesichts der kuriosen Ursache mit ein wenig Humor nehmen konnten“.