In einer gemeinsamen Veranstaltung der Volkshochschule und der Stadtbücherei vermittelte Brotsommelier Daniel Link seine Leidenschaft fürs Brot und dessen Herstellung. Foto: Ingrid Kohler

Der Brotsommelier Daniel Link aus Trossingen gestaltete in Kooperation mit der Volkshochschule und der Stadtbücherei Trossingen einen genussvollen Abend mit Brot und Bier.

„Ohne Brot ist der Tisch nur ein Brett“ – mit diesem russischen Sprichwort eröffnete Daniel Link den von zuvor von Volkshochschulleiter Daniel Kistenfeger angekündigten „genussvollen, lockeren Abend mit Gedichten und Geschichten rund ums Brot“.

 

Im deutschsprachigen Raum gibt es eine vielfältige Brotkultur. „Man hat es zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen“, so Daniel Link, der im April 2024 seine Zusatzausbildung als geprüfter Brotsommelier, der aufgesattelt ist auf den Meister, beim deutschen Brotinstitut in Weinheim abgeschlossen hat. Weltweit gibt es 250 Brotsommeliers. „Mein Ziel ist es, die Wertschätzung des Brots hervorzuheben.“ Denn jedes zweite Brot werde im Supermarkt gekauft, und es gebe mit noch rund 8500 immer weniger Bäckereien in Deutschland. Brot sei ein nachhaltiges Lebensmittel mit regionalem Getreide.

Regionales Getreide

Passend hierzu las Ralf Sorg, Leiter der Stadtbibliothek, in deren Räumen die Veranstaltung stattfand, ein Zitat von Nobelpreisträger Jaroslav Seifert. „Der Geruch des Brotes ist der Duft der Düfte. Es ist der Urduft unseres irdischen Lebens, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat.“ Daniel Link warf einen kurzen Blick auf die Geschichte der Bäckerei Link, die im Jahr 1908 mit seinem Großvater in Schura begann. Heute führt er in der vierten Generation einen Betrieb mit rund 70 Mitarbeitern und der Backstube in der Trossinger Ernst-Haller-Straße sowie insgesamt sieben Läden in Trossingen, Schwenningen und Aldingen. „Jede Generation hat ihren Schwerpunkt gesetzt.“ Während sich der Duft des Brotes in der Stadtbücherei ausbreitete, blickte der Brotsommelier rund 12 000 Jahre zurück, als sich in Ägypten die erste Brotkultur entwickelte mit Sauerteig. Die Römer hätten dann die ersten Mühlen und Bäckereien gebaut. Ralf Sorg wusste derweil, dass Brot und Bier die Gabe der Götter seien. „Brot ist das Leben, Bier ist die Freude und beides zusammen ist das Glück.“

Probieren bei der Verkostung. Foto: Ingrid Kohler

Das Mittelalter habe den Bäckerstand erblühen lassen. Heute habe kein Land auf der Welt eine solche Brotvielfalt wie Deutschland, nämlich rund 3000 Sorten. „Deutschlands Brotvielfalt ist immaterielles Unesco-Weltkulturerbe“, betonte Link. Jede Region Deutschlands habe klimabedingt durch beispielsweise großen Roggenabbau im Norden, mehr Dinkel- und Weizenanbau im Süden ihre Spezialitäten. An erster Stelle bei der Verkostung war eine Laugenstange mit Obatzdem und Radiesle, ein besonderes Zusammenspiel mit malziger Note zum cremigen Gaumenschmaus lieferte das dazu servierte alkoholfreie Malzbier.

Gutes Brot braucht Zeit

Dass ein sehr gutes Brot viel Zeit benötigt erfuhren die begeisterten Teilnehmer, als Daniel Link sein Traditionsbrot, das mit Emmer und Dinkel hergestellt, aber erst nach 18 Stunden Ruhezeit gebacken wird. Ein aromatisches, sehr saftiges Brot, das mit Ziegenfrischkäse und Trossinger Stadthonig sowie „Bäckerstoff“, einem hellen Alpirsbacher Bier, serviert wurde. So richtig ins Schwärmen kam Daniel Link bei der Vorstellung des Steierischen Kürbisbrotes aus Ruchmehl mit Steirischem Ölkürbis, Brotgewürz aus Fenchel und Koriander „ein reines Dinkelbrot, dunkler Farbe, Karamellnote, kräftig und kernig“.

Mit Fenchel und Koriander

Belegt mit Wacholderschinken und einem Glas Rothaus Eiszäpfle traf es auf Begeisterung der Verkoster. Dass der Kreativität beim Brotbacken keine Grenzen gesetzt sind, präsentierte er mit der „Lavendel Harmonie“, dem Brot, das er eigens für seine Sommelierabschlussarbeit,und nicht zuletzt für das 50-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft Trossingen und Cluses mit viel Aufwand im Jahr 2024 kreiert hat. Ein Brot, das drei Tage benötigt, bis es fertig ist, und das in eine ganz besondere Aromenwelt wie beim Brot sonst üblich, führt, sehr fruchtig nach Schlehensaft und Lavendel schmeckt.

Dieses Eventbrot, wie es der Brotexperte nannte, wurde mit gesalzener Butter und Essblüten sowie einem IPA-Craftbier mit Fruchtnote gereicht. Die fünfte Kostprobe war begleitet von einem dunklen Guinness, einem malzig-dunklen Bier. Dunkel war auch das Brot, nämlich ein Früchtebrot, welches hierzulande am liebsten mit Butter gegessen wird.

Früchtebrot mit Topping

Doch auch mit Blauschimmelkäse und als Topping Quittengelee konnte das Früchtebrot überzeugen. Zur Überraschung der Teilnehmer hatte Daniel Link als Botschafter der deutschen Brotkultur noch einen süßen Abschluss mitgebracht, nämlich „Nussecken 2.0“ – Gildo Horns Lieblinge.