Bürgermeister Michael Moser (links) und „Katharina“ Janina Eble hatten beim Wurstessen am Tisch mit den Ehrengästen gute Laune. Foto: Köhler

Der Mut hat sich ausgezahlt: Trotz Regenrisiko fand der Seelbacher Katharinenmarktumzug erstmals seit 2019 wieder statt. Hier gibt’s die Bilder zum Umzug und zum Wurstessen.

„Wir haben Mut zum Risiko bewiesen und es hat sich voll gelohnt“, erklärte Bürgermeister Michael Moser am Montagnachmittag im Gespräch mit unserer Redaktion strahlend. „Wir sind sehr froh, dass wir es durchgezogen haben.“ Tatsächlich stand der erste Katharinenmarktumzug seit sechs Jahren aufgrund des anhaltenden Regens kurz vor der Absage.

 

„Um 11 Uhr beim Ochsenschwanzsuppe-Essen haben wir auf die Wetterprognose geschaut und die Entscheidung noch eine halbe Stunde nach hinten geschoben“, so der Bürgermeister. Dann sei ihm ein Spruch eines jungen Mannes in den Sinn gekommen, den er am Vorabend bei strömendem Regen auf dem Marktgelände getroffen habe: „Er hat mir gesagt, ,der Katharinenmarkt ist das einzige Fest, das so ein Wetter aushält. Denn wir sind nicht verweichlicht’. Und dann haben wir gesagt: Wir machen’s.“ Es war die richtige Entscheidung – kurz vor Beginn des Umzugs hörte der Regen auf.

Also zogen rund 500 Schülerinnen und Schüler des Geroldsecker Bildungszentrums in historischen Gewändern in Bewegung. Angeführt vom Musikverein Seelbach zog der farbenfrohe Tross mit Gauklern, Bauern, Soldaten und Handwerkern von der Eisenbahnstraße aus los und weiter durch Teile der Markt- und Litschentalstraße. Ebenfalls mitgeführt wurden ein Nachdruck der Urkunde zur Verleihung des Marktrechts sowie die symbolträchtige „Katharinenwurst“, die bei diesem Brauch nicht fehlen darf.

Schaulustige wurden von Wim Cannie angeheizt

Zahlreiche Schaulustige säumten die Wegstrecke in mehreren Reihen und begleiteten den Zug bis zum Bürgerhaus. Die Seelbacher waren nach sechs Jahren Pause offenbar etwas eingerostet, erst Anheizer Wim Cannie sorgte mit dem Aufruf „Jubel!“ für Stimmung. Beim Katharinenlied waren dann alle aufgewärmt – es wurde lauthals gesungen.

Anschließend ließen sich Hunderte Gäste im Bürgerhaus die Katharinenwurst mit Weck und Senf schmecken. Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung nahmen im Austausch fleißig Geld und Gutscheine entgegen, der Musikverein sorgte für die passende Umrahmung.

Bürgermeister Moser bedankte sich in seiner Rede bei allen Helfern, die die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder möglich gemacht haben. „Der Katharinenmarkt ist weit mehr als ein fester Termin im Kalender. Es herrscht ein besonderen Gefühl im Ort, das kann man gar nicht erklären. Er weckt Erinnerungen an Kindheit, Familie, Freunde und unzählige schöne Momente.“ Der Katharinenmarkt verbinde Gegenwart und Vergangenheit, denn er ist ein „Magnet, für alle, die im Schuttertal aufgewachsen sind, es vielleicht wegen der Liebe oder des Berufs verlassen haben, aber dann jedes Jahr wieder zurückkommen“.

Janina Eble ist die jüngste aller 14 „Katharinas“

Gekommen waren zum Wurstessen zahlreiche Vertreter der Vereine, der Wirtschaft, des Geroldsecker Bildungszentrums und der Kommunalpolitik. Moser begrüßte unter anderem Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst und freute sich, ihn „aus einem angenehmen Anlass“ im Bürgerhaus anzutreffen. Das war sicher eine Anspielung auf den Infoabend der Caritas Anfang Juni und alle Querelen, die die Gemeinden beim Kampf um das Pflegeheim St. Hildegard durchlaufen haben. Umso überschwänglicher begrüßte Moser dann auch Jonas Kenk, der mit seiner Firma das Pflegeheim zum Jahreswechsel übernimmt und es weiterbetreibt. Für Kenk gab es großen Applaus, viele der Anwesenden herzten ihn im Laufe des Nachmittags.

Noch mehr Aufmerksamkeit erhielt allerdings Janina Eble, die neue „Katharina“. „Es ist beeindruckend, wie sehr der Katharinenmarkt für Zusammenhalt und gute Stimmung steht“, sagte sie in ihrer Rede – und erhielt viel Applaus. Eble ist mit 17 Jahren die jüngste Katharina aller Zeiten. „Um eine Woche“, wie sie im Gespräch mit unserer Redaktion lachend bestätigt. Jede Sekunde war ihr anzumerken, dass es für sie eine Ehre ist, das Amt auszuüben. „Ich bin so froh hier zu sein. Wenn die Kinder die ,Katharina’ anhimmeln, ist das einfach ein tolles Gefühl“.

Die Katharinenwurst

Im Mittelpunkt des Brauchs stand auch dieses Mal die 17 Ellen lange Katharinenwurst. Sie erinnert an eine alte Seelbacher Überlieferung, nach der die Bewohner ihre gefangenen Burschen einst mit einer ebenso langen Wurst freikaufen konnten. Vor dem Bürgerhaus wurde sie traditionsgemäß noch einmal feierlich präsentiert, bevor sie gemeinschaftlich verzehrt wurde.