Der Vorstand (von links) mit Jürgen Frey, Stefan Waidelich und Dieter Walz (Vorsitzender). Foto: Bildwerk

Die Volksbank im Kreis Freudenstadt ist wirtschaftlich gut durch das Krisenjahr 2020 gekommen. Aber die Guthaben auf vielen Girokonten sind angeschwollen. Das schafft Probleme.

Kreis Freudenstadt - Die Fusion der beiden zuvor selbstständigen Volksbanken Horb/Freudenstadt und Baiersbronn/Murgtal hat geklappt, aber Kraft gekostet. Dasselbe gilt für die Bewältigung der Folgen von Corona.

Als "schizophrene Welt" bezeichnet Dieter Walz, Vorsitzender des Vorstands, das wirtschafts- und finanzpolitische Umfeld. Es ist aufgrund der seit 13 Jahren anhaltenden Nullzins-Politik und Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) so viel billiges Geld im Umlauf, dass es immer schwieriger wird, es lukrativ anzulegen. Und Corona bedeutete laut Walz nicht nur "der größte Wirtschaftseinbruch" seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Pandemie führte dazu, dass die Giro- und Tagesgeldkonten der Volksbank-Kunden anschwollen. Die Leute hatten einfach weniger Gelegenheit, es auszugeben.

In diese Zeit fiel der Vollzug der Bankenhochzeit. "Die Fusion ist gut gelaufen und hat zu drei gut vergleichbaren Regionalmärkte in Horb, Freudenstadt und Baiersbronn geführt", so Walz. Auch die Belegschaften hätten zusammengefunden, wenngleich geplante gemeinsame Aktivitäten, um sich auch persönlich besser kennenlernen zu können, wegen Corona ausfallen mussten. "Vielleicht können wir das ja noch nachholen", so der Vorstand. Etwa 21 000 Konten und 3080 Darlehen mussten umgestellt werden, so Vorstandsmitglied Jürgen Frey. Trotz Corona sei das zweieinhalb Monate früher geschafft worden als geplant.

Strafzins ab 200 000 Euro

Zusammen hat das neue Institut rund 22 300 Mitglieder – auch durch wegfallende Doppelmitgliedschaften etwas weniger – und 49 000 Kunden, verwaltet Kundengelder in Höhe von 1,56 Milliarden Euro (plus 100 Millionen) und hat 606 Millionen Euro (plus 35) an Krediten ausgegeben. Die Bilanzsumme stieg um 114 Millionen auf rund 1,28 Milliarden Euro, ein plus von 9,8 Prozent. Hört sich toll an, ist für Walz aber insofern nicht optimal, weil in derselben Zeit das Eigenkapital der Bank und damit die Absicherung mit 4,4 Prozent nur knapp halb so stark zulegte. "Wir sind super solide mit Eigenkapital ausgestattet und stehen auf einer sehr gesunden Basis", so Walz. "Jedoch sollte das jetzt nicht vier bis fünf Jahre so weiter gehen."

Rund 570 Millionen Euro Kundengelder sind in Fonds, Aktien, Versicherungen und Bausparverträgen angelegt. Allerdings liegen 690 Millionen auf Giro- und Tagesgeldkonten herum, 80 Millionen mehr als 2019. "Wir freuen uns, wenn uns die Kunden als sichere Bank sehen", so Vorstandsmitglied Stefan Waidelich. Allerdings stellt das die Bank vor ein Problem. Wohin damit? Sie muss das Geld bei der EZB "parken" und dafür 0,5 Prozent Strafzins bezahlen. Deshalb erhebt die Volksbank von einem Teil ihrer Kundschaft ebenfalls ein "Verwahrentgelt" im Schnitt von minus 0,5 Prozent. Dies betreffe jedoch nur tägliche fällige Einlagen, die über 200 000 Euro hinaus gehen. Es werde versucht, mit diesen wenigen Kunden andere Lösungen zu finden.

Ansturm auf Sachwerte

Für das Geschäftsjahr 2020 weist die Bank einen Überschuss von 1,65 Millionen Euro aus, 223 000 Euro weniger als 2019. Vorstand und Prüfer werten das Ergebnis als "noch zufriedenstellend". Walz sagt, die Kosten der Fusion hätten das Ergebnis gedrückt, sie seien mit 600 000 Euro jedoch um ein Drittel günstiger ausgefallen als kalkuliert. Der Bilanzgewinn liegt bei 1,5 Millionen. Die Vertreterversammlung beschloss, 690 000 Euro an die Mitglieder auszuschütten, eine Dividende von 4,5 Prozent für die Jahre 2019 und 2020. 800 000 Euro fließen in Reserven der Bank.

Da die Volksbank davon ausgeht, dass die ultralockere Finanzpolitik der EZB noch Jahre anhält, rät sie ihren Kunden, ihr Geld zu streuen. Neben Tagesgeld und festverzinslichen Wertpapieren rät sie zum Kauf von Aktien, Immobilien sowie Rohstoffen. Gold sei bei Kunden im Kreis Freudenstadt seit Jahren wieder nachgefragt. Auch der Ansturm auf "Betongold" sei weiterhin "brutal". Im ersten Halbjahr 2021 seien 50 Prozent mehr Immobilien vermittelt worden als zuvor. Die Volksbank kann bald wieder liefern: Für zwei größere Projekte eines privaten Investors in Horb und Freudenstadt, die aktuell geplant werden, übernehme sie exklusiv den Vertrieb.

Für drei Jahre in den Aufsichtsrat der Bank gewählt wurden Rudolf Günter (56), Bauunternehmer aus Schönmünzach, Peter Kreidler (66), Diplom-Ingenieur aus Horb, Michael Ruf (44), Bürgermeister von Baierbronn, und Ewald Ruoff (59), Industriemeister aus Wittendorf. Sie waren die Kandidaten der Verwaltung. Aus der Versammlung heraus wurde Elke Springer (59) vorgeschlagen. Die selbstständige IT-Dienstleisterin aus Freudenstadt verpasste jedoch die erforderliche Stimmenzahl.

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