Über zweimal „volles Haus“, sowohl am Mittwochabend in Horb als auch tags darauf im großen Theatersaal des Freudenstädter Kurhauses, durfte sich die Vorstandschaft der Volksbank im Kreis Freudenstadt bei ihrer diesjährigen Mitgliederversammlung freuen.
Der Mittwochabend war ein besonderer Abend. Es war der Ausklang eines Tages, der in die Geschichtsbücher eingehen wird. Amerika hatte Donald Trump zum Präsidenten gewählt, Bundeskanzler Olaf Scholz warf seinen Finanzminister Christian Lindner aus dem Kabinett und legte damit die Ampel lahm, der VfB spielte Champions League und als Stargast des Abends hatten die Verantwortlichen der VoBa den Sportjournalisten Marcel Reif, der ursprünglich Amerikanistik und Politik studiert hat und lange für die Tagesthemen in den USA tätig war, engagiert. Ein Mann, der zu allen Themen echt was zu sagen hatte.
Bevor die VoBa-Mitglieder jedoch tiefe Einblicke in die Themenbereiche Politik, Sport und die Hintergründe zu Reifs berühmter Rede vor dem Deutschen Bundestag bekamen, war auch in diesem Jahr normaler Bankalltag das vorherrschende Thema dieser besonderen Mitgliederversammlung.
Zimmermann macht der Wahlausgang Angst
Nachdem Vorstandssprecher Stefan Waidelich mit seiner Begrüßung durch war, übergab er das Mikrofon an Horbs Bürgermeister Ralph Zimmermann, der die Grußworte der Stadt Horb überbrachte. Auch bei ihm stand der Wahlausgang in den USA im Fokus seiner Betrachtung. Für ihn sei es ein Wahlausgang, der Angst mache, sagte er. Eine vielfältige Angst, die mit ihren Konsequenzen Auswirkungen bis in die kleinste Kommune habe. Doch diese Wahl würde auch die Chance auf Rückbesinnung bieten und die Menschen hätten die Möglichkeit, wieder ihre eigene Perspektiventwicklung in den Fokus zu rücken. Nach diesem Ausflug in die große Welt der Politik schlug er einen Salto rückwärts zurück zur seriösen Arbeit der VoBa, für die er sehr dankbar sei, wie er betonte.
Bericht über die Arbeit des Aufsichtsrats
Nach Zimmermann war der Vorsitzender des Aufsichtsrats, Eberhardt Müll, mit einem kurzen Abriss über die Arbeit seines Gremiums an der Reihe. Müll durfte berichten, dass der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband bestätigt hat, dass sowohl der Aufsichtsrat als auch der Vorstand ihre Aufgaben jeweils uneingeschränkt ordnungsgemäß und verantwortungsbewusst wahrgenommen haben. Die Vertreterversammlung hat daraufhin in getrennten Abstimmungen den Vorstand und den Aufsichtsrat einstimmig entlastet.
Das Jahr 2023 sei zwar geprägt von herausfordernden Rahmenbedingungen und einem stark volatilen (unbeständigen) Marktumfeld gewesen, doch sei es den Verantwortlichen gelungen, eine solide Ergebnissituation zu generieren und man verfüge über eine solide und stabile Eigenkapitalausstattung, so seine Bilanz zum zurückliegenden Geschäftsjahr.
Wahlen im Aufsichtsrat
Abschließend teilte Müll mit, dass bei der Vertreterversammlung turnusmäßige Wahlen zum Aufsichtsrat anstanden und die drei der bisherigen Aufsichtsratsmitglieder für weitere drei Jahre wieder gewählt wurden. Es sind dies Rudolf Günter aus Baiersbronn-Schönmünzach, Michael Ruf aus Baiersbronn und Ewald Ruoff aus Loßburg-Wittendorf.
Vorstandsmitglied Tobias Burkhardt schlug dann den Bogen von Zahlen, Fakten und Ergebnissen zum Sport, indem er feststellte, dass eine Bankveranstaltung ohne Zahlen ein bisschen wie ein Fußballspiel ohne Ergebnis wäre.
Vorstandssprecher Stefan Waidelich gab zum Abschluss des offiziellen Informationsblocks noch einige Einblicke jenseits der Zahlen zur Bank. „Als Genossenschaftsbank sind wir eng mit der Region verwurzelt. Wir sind hier Zuhause.“ stellte er fest und ergänzte: „Der Erfolg der Menschen in unserer Region liegt uns am Herzen.“
Er hob hervor, dass sich die VoBa als Premium-Partner beim Tal X – der Gartenschau 2025 in Freudenstadt und Baiersbronn engagiert und man stolz sei, dass man einen Beitrag für die Region und deren Einwohner leisten könne.
Produkt auf dem Horber Immobilienmarkt
Neben seinem Dank an die Mitarbeiter, ohne die nichts geht und einen kleinen gedanklichen Ausflug in die Welt der Zinspolitik der EZB ging Waidelich auch auf ein sehr konkretes Produkt auf dem Horber Immobilienmarkt ein. Er informiert über den Stand des Neubauvorhabens auf dem Hohenberg. „Mit unserer Tochtergesellschaft, der IHF GmbH, haben wir vor etwa zwei Jahren den Bau von zwei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 44 Wohnungen begonnen. Es sind Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen mit Wohnungsgrößen zwischen 42 und 95 Quadratmetern entstanden. Die Wohnungen sollen vermietet werden“, sagte er.
Ein Bau ist fast fertiggestellt, das zweite Haus soll Anfang 2. Quartal 2025 fertiggestellt und übergeben werden. „Aktuell sind wir bereits an den Vermietungen, doch es sind noch Wohnungen frei“, erklärte er abschließend.
Nach diesen erfrischend kurzen Vorträgen übergab Stefan Waidelich dann an Martin Klaphek, der ein Interview mit Marcel Reif führte.
Weitere Informationen
Zahlen und Fakten
Die Voba im Kreis Freudenstadt hatte Ende 2023 insgesamt 21.886 Mitglieder, die von knapp 200 Mitarbeitern betreut werden. Man konnte zwar im vergangenen Jahr 590 neue Mitglieder dazu gewinnen, jedoch sind durch Tod oder Kündigung auch Mitglieder ausgeschieden, so dass in Summe der Gesamtwert um etwa 0,5 Prozent gefallen ist.
Es wurde ein Jahresüberschuss in Höhe von rund 3 Millionen Euro erwirtschaftet. Davon wurden eine Million Euro über die Einstellung in Ergebnisrücklagen dem Eigenkapital zugeführt. Bei den Kundeneinlagen konnte man im vergangenen Jahr mit über drei Prozent auf 1,1 Milliarden Euro ein ordentliches Wachstum erzielen. Im Kreditgeschäft lag das Wachstum mit 11 Prozent sogar auf einem extrem starken Niveau.
Mit circa 10 Millionen Euro lag das operative Ergebnis 2023 auf einem guten Niveau. Es wurde ein Jahresüberschuss in Höhe von rund drei Millionen Euro erwirtschaftet. Vom Bilanzgewinn in Höhe von 2,082 Millionen Euro wurde gut ein Viertel an die Mitglieder über eine 3,5-prozentige Dividende ausgeschüttet. Die übrigen Mittel in Höhe von einer Million Euro dienen der Stärkung des Eigenkapitals. Diese wurden über die Einstellung in Ergebnisrücklagen dem Eigenkapital zugeführt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank, der Freudenstädter Rechtsanwalt Eberhard Müll, werte das Eigenkapital einer Bank als „Anker für Stabilität, Wachstum und Zukunftsfähigkeit.
Stand 31. Dezember 2023 führten etwa 31.000 Kunden ihr Girokonto bei der Volksbank im Kreis Freudenstadt und damit etwa vier von zehn Einwohner in diesem Geschäftsgebiet. Wie auch in den Jahren davor hat die Anzahl der Girokunden 2023 leicht zugenommen. Im laufenden Jahr 2024 wurden die Kontogebühren zwischen Baiersbronn und Horb-Freudenstadt harmonisiert und angepasst und 99 Prozent aller Kunden haben den neuen Preisen zugestimmt.
„Wenn das Ergebnis passt und man in den wichtigsten Geschäftsfeldern zulegen kann, dann darf man getrost davon sprechen, dass 2023 ein gutes Jahr für unsere Volksbank war“, so die Bilanz von Vorstandsmitglied Tobias Burkhardt.
Vorstandssprecher Stefan Waidelich wies noch auf weitere, wichtige Zahlen hin: Im vergangenen Jahr flossen 146.700 Euro an Spenden in die Region. Die Volksbank unterstützt zudem jedes Jahr Einrichtungen und Vereine innerhalb des Geschäftsgebietes mit Sponsoring. „Aus meiner Sicht kommt jährlich rund 200.000 Euro an Spenden- und Sponsoringbeträge zusammen, so Waidelich, der anfügte „eine ordentliche Summe, mit der tolle Projekte finanziert werde konnten“.